Verstopfung: Ursachen, Symptome und wirksame Therapien

Verstopfung, auch Obstipation genannt, ist ein weit verbreitetes Problem, das überwiegend Frauen und ältere Menschen betrifft. Sie ist gekennzeichnet durch ausbleibenden Stuhlgang über vier Tage, erschwerte Darmentleerung und ein anhaltendes Gefühl der unvollständigen Entleerung. Tritt dies über drei Monate regelmäßig auf, spricht man von chronischer Verstopfung, die in schweren Fällen sogar zu zweiwöchiger Stuhlverhaltung führen kann.

Ursachen für Verstopfung im Überblick

Die häufigste Form der Verstopfung, die sogenannte kologene Obstipation oder Slow-Transit-Obstipation, resultiert aus einer verlangsamten Darmbewegung. Der Darminhalt wird nur langsam weitertransportiert, was zu einem harten, festen Stuhl führt. Verschiedene Faktoren können diese Darmträgheit begünstigen:

  • Stoffwechselstörungen: Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenunterfunktion können die Darmfunktion beeinträchtigen.
  • Krankhafte Darmveränderungen: Die Einlagerung von Kollagen in die Darmwand oder andere strukturelle Probleme können die Beweglichkeit einschränken.
  • Nerven- und Bindegewebserkrankungen: Diese Erkrankungen können die Nervensignale beeinflussen, die für die Darmmotilität wichtig sind.
  • Medikamentennebenwirkungen: Zahlreiche Medikamente, darunter Psychopharmaka, Betablocker, Schmerzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel, säurebindende Mittel mit Aluminium, Diuretika und Eisenpräparate, können die Verdauung stören.
  • Chronischer Abführmittelmissbrauch: Eine übermäßige Nutzung von Abführmitteln kann die nervale Reizleitung im Darm abstumpfen lassen.
  • Ungünstige Lebensstilfaktoren: Eine ballaststoffarme Ernährung, zu geringe Flüssigkeitszufuhr und mangelnde Bewegung tragen ebenfalls zur Darmträgheit bei.

Weitere Formen der Verstopfung und ihre Auslöser

Neben der Slow-Transit-Obstipation gibt es weitere Formen mit spezifischen Ursachen. Bei einer Entleerungsstörung sind Veränderungen im Bereich des Enddarms und des Afters die Ursache, wie eine Verengung des Darmausgangs, eine Aussackung des Enddarms oder eine gestörte Koordination der Schließmuskeln. Wenn keine eindeutige Ursache gefunden werden kann, sprechen Mediziner von einer idiopathischen Obstipation.

Weiterlesen >>  HDL-Cholesterin: Das gute Cholesterin und wie Sie es erhöhen können

Reisebedingte Verstopfung, oft durch ungewohnte Abläufe und Speisen ausgelöst, ist meist vorübergehend und keine chronische Erkrankung. Ebenso können sich nach Fastenkuren oder Durchfallerkrankungen die Darmfunktionen erst nach einigen Tagen normalisieren.

Symptome von Verstopfung

Betroffene einer Verstopfung leiden häufig unter einer Reihe von Symptomen:

  • Völlegefühl und allgemeines Unwohlsein
  • Frösteln und ein aufgeblähter Bauch (Blähbauch)
  • Schwieriger und oft schmerzhafter Stuhlgang
  • Notwendigkeit starker Pressanstrengung zur Darmentleerung
  • Ausscheidung kleiner, harter Kotportionen, oft als “Schafsköttel” oder “Kaninchenknödel” beschrieben
  • Bei sehr seltenem Stuhlgang können Magenschmerzen und Übelkeit auftreten

Mögliche Folgen chronischer Verstopfung

Eine dauerhafte Verstopfung kann zu ernsthaften gesundheitlichen Komplikationen führen:

  • Hämorrhoiden und Inkontinenz: Chronischer Druck kann diese Beschwerden begünstigen.
  • Herzrhythmusstörungen: Ein gestörter Kaliumhaushalt infolge der Verdauungsprobleme kann das Herz beeinflussen.
  • Divertikulitis: Kleine Ausstülpungen in der Darmwand können sich entzünden.
  • Analfissuren und Rektumprolaps: Einriss der Analschleimhaut oder Mastdarmvorfall sind weitere mögliche Folgen.
  • Ileus und Skybala: Eine Darmlähmung oder die Bildung verhärteter Kotballen (Koprostase) stellen schwere Stadien dar.

Medizinische Diagnostik bei Verstopfung

Die Diagnose von Verstopfung erfordert eine umfassende Anamnese, da die Ursachen vielfältig sind. Dazu gehören Fragen zu Lebensumständen, Ernährungsgewohnheiten und Medikamenteneinnahme. Eine körperliche Untersuchung, Blut- und Urinuntersuchungen zur Klärung des Mineralstoff- und Elektrolytstatus sowie Stuhluntersuchungen sind Standard.

Zusätzliche bildgebende Verfahren wie Ultraschall des Bauches, eine Darmspiegelung, selten auch Röntgenuntersuchungen oder eine Computertomografie können zur Abklärung notwendig sein. Gynäkologische, urologische oder neurologische Untersuchungen können das diagnostische Bild ergänzen.

Therapieansätze: Ballaststoffe, Flüssigkeit und Bewegung

Die Therapie der Verstopfung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Sind krankheitsbedingte oder medikamentöse Auslöser ausgeschlossen, stehen Ballaststoffe, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bewegung im Vordergrund.

  • Ballaststoffreiche Ernährung: Eine tägliche Aufnahme von 35 bis 50 Gramm Ballaststoffen, durch Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Leinsamen, ist empfehlenswert. Die Umstellung sollte schrittweise erfolgen.
  • Ausreichend Trinken: Ballaststoffe benötigen Flüssigkeit zum Quellen. Mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag sind ratsam.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität, wie Spaziergänge mit mindestens 10.000 Schritten pro Tag, fördert die Darmtätigkeit.
Weiterlesen >>  Wespenstich – Wann zum Arzt und was Sie jetzt tun sollten!

Natürliche Quellmittel wie Akazienfasern oder Flohsamen können die Ballaststoffaufnahme unterstützen.
Die richtige Ernährung kann eine Verstopfung effektiv lindern.

Unterstützung durch Abführmittel und weitere Maßnahmen

Wenn Basistherapien nicht ausreichen, können freiverkäufliche Abführmittel (Laxanzien) zum Einsatz kommen.

  • Osmotische Laxanzien: Substanzen wie Macrogol erhöhen den Wassergehalt im Stuhl und erleichtern so die Entleerung. Sie sind auch für chronische Verstopfung gut geeignet, da sie den Körper nicht entwässern und kein Gewöhnungseffekt eintritt.
  • Stimulierende Laxanzien: Diese fördern die Darmbewegung, können aber auch Krämpfe verursachen. Wirkstoffe sind Bisacodyl oder Natriumpicosulfat. Auch pflanzliche Mittel aus Sennesblättern gehören dazu.
  • Hilfsmittel: Klistiere oder Abführzäpfchen können bei Entleerungsstörungen unterstützend wirken.
  • PAMORA: Bei opioidbedingter Verstopfung (OIC) können peripher wirksame μ-Antagonisten wie Naloxegol eingesetzt werden, die die Wirkung der Schmerzmittel im Darm blockieren, ohne die Schmerzlinderung zu beeinträchtigen.

Die Einnahme von Abführmitteln sollte idealerweise nach ärztlicher Absprache erfolgen, um Abhängigkeiten oder Wechselwirkungen zu vermeiden.

Bewegungstherapie und Haltung beim Stuhlgang

Regelmäßige Bewegung ist essentiell für eine gesunde Verdauung. Ziel sollten mindestens 10.000 Schritte täglich sein. Studien deuten zudem darauf hin, dass die natürliche Hockhaltung beim Stuhlgang die Entleerung erleichtert, da der Enddarm dabei gestreckt ist.

Ernährungs-Docs-Podcast #51: Den Darm in Schwung bringen thematisiert die Bedeutung einer ballaststoffreichen Ernährung für die Darmgesundheit. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und Obst ist ein Grundpfeiler zur Vorbeugung und Behandlung von Verstopfung.

Expertenrat

Ein Experte auf dem Gebiet der Darmgesundheit ist der Ärztliche Direktor des Ikaneum, Fachinstitut für Darmgesundheit und Ernährung am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. Weitere Informationen zur Ernährung bei Verstopfung finden sich in Artikeln über Ballaststoffe für eine gesunde Verdauung und die richtige Anwendung von Flohsamenschalen. Die Förderung einer gesunden Darmflora durch Probiotika und Präbiotika ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt für das allgemeine Wohlbefinden.

Weiterlesen >>  Gerissene Mundwinkel: Vielfältige Ursachen für die schmerzhaften Einrisse

Wenn Sie unter chronischer Verstopfung leiden, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen, um die individuelle Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlungsstrategie zu entwickeln.