Der Abschied von einem geliebten Menschen gehört zu den tiefgreifendsten Erfahrungen im Leben. In diesen Momenten der Trauer spielen Rituale und Traditionen eine entscheidende Rolle, um Trost zu spenden und den Übergang zu würdigen. Ein zentraler, aber oft still vollzogener Schritt ist die “mise en bière”. Dieser aus dem Französischen stammende Begriff beschreibt einen Akt, der auch in Deutschland eine feste Stellung im Bestattungswesen hat. Doch was genau verbirgt sich hinter der mise en bière auf Deutsch? Im Grunde geht es um die feierliche und würdevolle Einsargung des Verstorbenen – ein Moment, der den letzten sichtbaren Abschied markiert und den Weg für die Bestattung ebnet.
In diesem Artikel tauchen wir tief in die Bedeutung der Einsargung ein, beleuchten ihre historischen Wurzeln und ihre Rolle in der deutschen Bestattungskultur. Wir schauen uns an, wie dieser sensitive Vorgang abläuft, welche gesetzlichen Rahmenbedingungen existieren und welche emotionalen Aspekte für die Angehörigen eine Rolle spielen. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch ein essenzielles, oft aber wenig beachtetes Kapitel des Abschieds, um die Vielschichtigkeit der deutschen Bestattungsrituale besser zu verstehen.
Was bedeutet “Mise en bière” genau?
Der Ausdruck “mise en bière” kommt aus dem Französischen und lässt sich wörtlich als “in die Bahre legen” übersetzen. Heute ist die direkte und gebräuchlichste deutsche Entsprechung der Begriff “Einsargung” oder “Einbetten in den Sarg”. Es beschreibt den präzisen Moment, in dem der Leichnam eines Verstorbenen behutsam in den Sarg gelegt wird, bevor dieser endgültig geschlossen wird.
Historisch betrachtet, leitet sich das französische Wort “bière” nicht vom Getränk ab, sondern von der lateinischen Wurzel “bera”, was “Tragbahre” bedeutet. Früher wurden Verstorbene auf einer solchen Bahre getragen und oft nur in ein Leinentuch gehüllt beigesetzt. Mit der Zeit, als Särge in Gebrauch kamen, blieb der Begriff “bière” erhalten und bezeichnete fortan den Sarg selbst. Somit beschreibt “mise en bière” den Übergang von der Bahre zum Sarg als letztem Ruheplatz.
Inhaltlich gibt es keine großen Unterschiede zwischen der französischen “mise en bière” und der deutschen “Einsargung”. Beide Begriffe umschreiben den Akt der Überführung des Toten in den Sarg als integralen Bestandteil der Bestattungsvorbereitung. Es ist ein physischer und zugleich symbolischer Akt, der den Verstorbenen auf seine letzte Reise vorbereitet.
Die Einsargung in Deutschland: Eine Notwendigkeit mit Würde
In Deutschland ist die Einsargung nicht nur ein ritueller Schritt, sondern in den meisten Bundesländern auch eine gesetzliche Vorschrift, bekannt als “Sargpflicht” oder umgangssprachlich “Sargzwang”. Diese Regelung besagt, dass Verstorbene für den Transport, die Beerdigung oder die Kremierung in einem Sarg liegen müssen.
Warum gibt es die Sargpflicht?
Die Gründe für die Sargpflicht sind vielfältig und reichen von hygienischen bis zu würdevollen Aspekten:
- Wahrung der Würde: Der Sarg schützt den Verstorbenen und bewahrt seine Würde über den Tod hinaus.
- Hygienischer Umgang: Er gewährleistet einen hygienischen Transport und Umgang mit dem Leichnam.
- Optimale Verwesungsbedingungen: Im Falle einer Erdbestattung schafft der Sarg einen geschützten Raum, der für eine optimale Verwesung sorgt, da Sauerstoff im Sarg vorhanden ist.
Ausnahmen und Lockerungen
Obwohl die Sargpflicht in Deutschland weit verbreitet ist, gibt es in einigen Bundesländern – insbesondere aus Rücksicht auf muslimische Bestattungsbräuche – Lockerungen. In Sachsen und Sachsen-Anhalt besteht beispielsweise noch ein strikter Sargzwang (Stand: März 2025). In anderen Bundesländern können Erdbestattungen im Leichentuch (Tuchbestattung) unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen werden, vorausgesetzt, es gibt ein dafür ausgewiesenes Grabfeld. Der Transport des Verstorbenen bis zum Grab muss jedoch weiterhin im Sarg erfolgen, und auch bei einer Feuerbestattung bleibt die Sargpflicht bestehen, da die Einäscherung immer im Sarg durchgeführt wird.
Die Sargpflicht unterstreicht die Bedeutung des Sarges als schützende Hülle und als Symbol für den letzten irdischen Aufenthaltsort des Verstorbenen, ein Ausdruck von Respekt und Fürsorge.
Der Ablauf der Einsargung: Ein sensibler Moment
Die Einsargung ist ein feinfühliger Vorgang, der mit größter Sorgfalt und Respekt behandelt wird. Sie bildet einen wichtigen Schritt in der Kette der Bestattungsvorbereitungen und wird in der Regel von erfahrenen Fachkräften durchgeführt.
Wer führt die Einsargung durch und wo findet sie statt?
Die Hauptverantwortung für die Einsargung liegt beim Bestatter. Er oder sie bereitet den Verstorbenen auf die Bestattung vor und bettet ihn sorgfältig in den Sarg. In bestimmten Fällen, insbesondere wenn die Todesumstände eine spezielle Vorbereitung erfordern (z.B. bei medizinischen oder hygienischen Notwendigkeiten), kann diese Aufgabe auch von einem Thanatologen übernommen werden. Ein Thanatologe ist ein Spezialist für die Konservierung und ästhetische Versorgung von Verstorbenen, um eine Abschiednahme zu ermöglichen.
Der Ort der Einsargung kann variieren:
- Im Bestattungshaus: Dies ist der häufigste Ort, da Bestattungsinstitute über die notwendige Infrastruktur und die diskrete Umgebung verfügen.
- Im Krankenhaus oder Pflegeheim: Oftmals wird der Verstorbene direkt am Sterbeort in den Sarg gelegt, insbesondere wenn dies aus praktischen Gründen oder aufgrund von Infektionsschutzbestimmungen notwendig ist.
- Zu Hause: Wenn gewünscht und die Umstände es zulassen, kann die Einsargung auch im vertrauten Umfeld des eigenen Heims stattfinden, was vielen Familien als tröstlich empfunden wird.
Vorbereitung des Verstorbenen und letzter Abschied
Vor der eigentlichen Einsargung wird der Verstorbene nach den Wünschen der Familie gewaschen, angekleidet und für den Abschied hergerichtet. Dies kann das Anziehen der Lieblingskleidung oder das Herrichten der Haare umfassen. Für die Trauerfeier schmückt der Bestatter oft den Sarg mit Blumen, Kränzen oder persönlichen Gegenständen, die dem Verstorbenen nahestanden.
Der Moment der Einsargung ist oft der letzte, in dem die Angehörigen den Verstorbenen sehen können, bevor der Sarg geschlossen wird. Eine Abschiednahme am offenen Sarg ist meist möglich, besonders wenn ein Thanatologe involviert war. Viele Bestatter bieten den Familien an, diesen Moment in Ruhe und Stille zu verbringen. Die Schließung des Sarges ist ein sehr emotionaler und endgültiger Akt, der für die Hinterbliebenen oft besonders schwerwiegend ist, da er die physische Trennung von dem geliebten Menschen besiegelt. Dennoch ist es ein wichtiger Schritt im Trauerprozess, um den Verlust zu realisieren und mit dem Abschied zu beginnen.
Kulturelle und emotionale Aspekte der Einsargung
Die Einsargung ist mehr als nur ein formaler Akt; sie ist tief in den kulturellen und emotionalen Erfahrungen des Abschieds verankert. Die Art und Weise, wie dieser Übergang gestaltet wird, kann für die Trauerbewältigung der Hinterbliebenen von großer Bedeutung sein.
Persönliche Gegenstände als letzte Grüße
Ein zutiefst menschlicher Brauch ist es, dem Verstorbenen persönliche Gegenstände mit in den Sarg zu geben. Diese sogenannten Sargbeigaben sind ein Ausdruck von Liebe, Erinnerung und Verbundenheit. Sie können ganz unterschiedlicher Natur sein:
- Erinnerungsstücke: Fotos von den Liebsten, ein bedeutsamer Stein oder ein kleines Andenken.
- Alltagsgegenstände: Dinge, die der Verstorbene immer bei sich hatte, wie Bonbons, Stofftaschentücher oder Zigaretten.
- Symbole des Lebens: Ein Ehering, eine Armbanduhr, Makeup oder Parfüm.
- “Reiseproviant”: Lieblingsschokolade, Gebäck, Obst oder eine Flasche Wein.
- Zeitumvertreib: Ein Buch, ein Rätselheft, Musik, eine Zeitung oder ein Spiel.
- Ungesagtes: Briefe, in denen letzte Worte oder unausgesprochene Gefühle festgehalten werden.
Aus ökologischer Sicht dürfen alle Gegenstände mit in den Sarg gegeben werden, die sich bedenkenlos in Erde oder Feuer zersetzen können. Diese individuellen Beigaben machen die Einsargung zu einem sehr persönlichen und intimen Abschiedsritual.
Der Moment der Sargschließung und seine Wirkung
Wie bereits erwähnt, ist die endgültige Schließung des Sarges ein Punkt von großer emotionaler Tragweite. Es ist der Moment, in dem die physische Präsenz des geliebten Menschen endgültig aus dem Blickfeld verschwindet. Viele Bestatter raten den Angehörigen, nicht unbedingt bei der Schließung des Sarges anwesend zu sein, da dieser Anblick sehr belastend und potenziell traumatisierend wirken kann. Dennoch haben Familien oft das Bedürfnis, bis zum letzten Augenblick dabei zu sein. Es ist eine sehr persönliche Entscheidung, die von Bestattern mit Sensibilität und Verständnis begleitet wird.
Vergleich mit anderen Bestattungsritualen
Obwohl sich die Praktiken im Detail unterscheiden, ist der Grundgedanke der Einsargung – das Schaffen einer letzten Ruhestätte – universell. In Frankreich ist die “mise en bière” gesetzlich vorgeschrieben, ähnlich der Sargpflicht in Deutschland. Andere Kulturen oder Religionen haben möglicherweise andere Formen der Bestattung, wie die Tuchbestattung im Islam, die in einigen deutschen Bundesländern mittlerweile als Ausnahme zur Sargpflicht zugelassen ist. Oder die Aquamation in den USA, die eine sarglose Auflösung des Körpers ermöglicht. Diese Beispiele zeigen, dass die Einsargung in einem Sarg eine spezifische Ausprägung der Bestattungskultur ist, die in Deutschland fest verankert ist und eine tief verwurzelte Bedeutung besitzt.
Sargarten und ihre Bedeutung für die Bestattung
Die Wahl des Sarges ist ein wichtiger Bestandteil der Einsargung und der gesamten Bestattung. Es gibt verschiedene Sargarten, die je nach Bestattungsart und persönlichen Präferenzen zum Einsatz kommen.
Erdsärge und Kremationssärge
Grundsätzlich wird zwischen zwei Hauptkategorien unterschieden:
- Erdsärge (Erdbestattungssärge): Diese Särge sind für die Beisetzung im Erdreich konzipiert. Sie sind in der Regel stabiler und aufwendiger gearbeitet. Ihr Material muss biologisch abbaubar sein, weshalb meist Vollholz wie Kiefer, Fichte, Eiche oder Mahagoni verwendet wird. Sie sind für den Transport, die Aufbahrung und die Beisetzung im Grab gedacht und tragen oft Verzierungen.
- Kremationssärge (Verbrennungssärge/Feuerbestattungssärge): Diese Särge sind speziell für die Einäscherung vorgesehen. Sie sind schlichter gestaltet, oft aus günstigeren Holzarten wie Pappel, Kiefer oder Fichte gefertigt und haben weniger oder keine Handgriffe und Beschläge. Ihre Konstruktion muss den Anforderungen des Krematoriums entsprechen, insbesondere der VDI-Richtlinie 3891 zur Emissionsminderung.
Materialien und Auswahl
Neben den traditionellen Holzsärgen gibt es auch umweltfreundlichere Alternativen, sogenannte Biosärge oder Ökosärge. Diese werden aus nachhaltig angebauten und schnell wachsenden Materialien wie Bambus, Bananenblättern oder Pandanusblättern gefertigt. Auch für die Einfärbung werden ausschließlich pflanzliche Mittel verwendet, was sie zu einer ökologisch verantwortungsbewussten Wahl macht.
Die Auswahl des Sarges ist oft eine sehr persönliche Entscheidung, die den Charakter und die Wünsche des Verstorbenen widerspiegeln kann. Ob schlicht oder aufwendig verziert, die “mise en bière” in den gewählten Sarg ist ein Akt des letzten Respekts und der Würdigung.
Häufig gestellte Fragen zur Einsargung (FAQ)
Die Einsargung ist ein sensibler Prozess, der viele Fragen aufwerfen kann. Hier beantworten wir einige der häufigsten Anliegen.
Ist die Anwesenheit der Familie bei der Einsargung erlaubt?
Ja, grundsätzlich ist es den Angehörigen erlaubt, bei der Einsargung anwesend zu sein. Viele Bestatter räumen diesen Wunsch ein und schaffen einen geschützten Raum für diesen letzten Abschied. Es ist jedoch eine sehr persönliche Entscheidung, da die Schließung des Sarges emotional sehr belastend sein kann und nicht von jedem als hilfreich im Trauerprozess empfunden wird. Es empfiehlt sich, diesen Wunsch frühzeitig mit dem Bestattungsinstitut zu besprechen.
Was darf man dem Verstorbenen mit in den Sarg geben?
Es ist ein alter Brauch, dem Verstorbenen persönliche Gegenstände mit in den Sarg zu geben. Aus ökologischer Sicht dürfen alle Beigaben mit in den Sarg, die sich in Erde oder Feuer gut zersetzen lassen. Dazu gehören persönliche Fotos, Briefe, kleine Andenken, Kleidungsstücke, Bücher oder auch “Reiseproviant” wie Schokolade oder eine Flasche Wein. Bei wertvollen Gegenständen wie Schmuck sollte man bedenken, dass diese unwiederbringlich verloren gehen. Es ist ratsam, auch hierüber mit dem Bestatter zu sprechen.
Gibt es Alternativen zur Sargpflicht in Deutschland?
In den meisten Bundesländern Deutschlands gibt es eine Sargpflicht für den Transport, die Beerdigung und die Kremierung. In einigen Bundesländern wurden jedoch Ausnahmen für die Erdbestattung im Leichentuch geschaffen, insbesondere für muslimische Bestattungen, die keine Sargpflicht vorsehen. Dies setzt allerdings speziell ausgewiesene Grabfelder voraus. Für Feuerbestattungen bleibt die Sargpflicht immer bestehen, da die Einäscherung im Krematorium stets im Sarg erfolgt.
Wie lange dauert eine Einsargung?
Die eigentliche Einsargung selbst, also das Einbetten des Verstorbenen in den Sarg, ist ein relativ kurzer Vorgang. Die Vorbereitungen, wie das Waschen, Ankleiden und Herrichten des Leichnams, nehmen mehr Zeit in Anspruch. Der Bestatter nimmt sich für diese Schritte die notwendige Sorgfalt und Zeit, die für einen würdevollen Abschied erforderlich ist. Eine genaue Zeitangabe ist daher schwierig, da sie von den individuellen Wünschen und Umständen abhängt.
Was ist der Unterschied zwischen Aufbahrung und Einsargung?
Die Einsargung (mise en bière) ist der Akt, bei dem der Körper des Verstorbenen in den Sarg gelegt wird. Die Aufbahrung hingegen bezeichnet das Ausstellen des Verstorbenen im Sarg oder auf einer Bahre, um den Angehörigen und Freunden die Möglichkeit zum Abschied und zur Trauer zu geben. Eine Aufbahrung kann am offenen oder geschlossenen Sarg erfolgen und ist ein wichtiger Teil des Trauerprozesses, bei dem sich die Hinterbliebenen in Ruhe vom Verstorbenen verabschieden können. Die Einsargung ist also ein vorbereitender Schritt für die Aufbahrung und die spätere Bestattung.
Fazit
Die “mise en bière auf Deutsch”, besser bekannt als Einsargung, ist ein essenzieller und zutiefst würdevoller Schritt im deutschen Bestattungswesen. Sie ist der Moment, in dem der Verstorbene seine letzte irdische Hülle erhält und für den Abschied sowie die finale Ruhestätte vorbereitet wird. Dieser Prozess, der seine etymologischen Wurzeln im französischen Begriff der Tragbahre hat, ist in Deutschland durch die Sargpflicht gesetzlich verankert und dient der Wahrung der Würde des Verstorbenen sowie hygienischen Erwägungen.
Von der behutsamen Vorbereitung durch den Bestatter bis zur Möglichkeit, persönliche Sargbeigaben mit auf die Reise zu geben, spiegelt die Einsargung die tiefe Menschlichkeit und den Respekt wider, mit dem wir den Tod und den Abschied begegnen. Obwohl die Schließung des Sarges ein emotional herausfordernder Moment ist, markiert er einen wichtigen Punkt im Trauerprozess, der den Hinterbliebenen hilft, den Verlust zu realisieren und einen neuen Umgang mit der Abwesenheit des geliebten Menschen zu finden.
Die verschiedenen Sargarten, von traditionellen Erdsärgen bis zu umweltfreundlichen Biosärgen, bieten Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung des Abschieds. Die Einsargung ist somit nicht nur ein notwendiger formaler Akt, sondern ein integraler Bestandteil der deutschen Bestattungskultur, der Trost spendet, Erinnerungen bewahrt und den Übergang würdevoll gestaltet. Sie lädt uns ein, über die Bedeutung des Abschieds nachzudenken und die Rituale, die uns in diesen schweren Zeiten Halt geben, wertzuschätzen.
