Michelle Hunziker, einst gefangen in den Fängen einer gefährlichen Psycho-Sekte, teilt nun ihre bewegende Geschichte. Die bekannte TV-Moderatorin offenbart, wie sie sich über Jahre hinweg in einer Gemeinschaft namens “Krieger des Lichts” verlor und wie sie schließlich den Weg zurück ins Licht fand. Diese Offenbarung wirft ein Schlaglicht auf die subtilen und zerstörerischen Mechanismen von Sekten und die psychologische Anfälligkeit, die jeden treffen kann.
Der Sog der Verführung: Wie Michelle Hunziker in die Sekte geriet
In den 1990er Jahren, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Model und TV-Persönlichkeit in Italien, war Michelle Hunziker auf der Suche nach tieferer Bedeutung und Bestätigung. Ihre glanzvolle Ehe mit dem Sänger Eros Ramazzotti und die Geburt ihrer Tochter Aurora schienen ein Märchen zu sein, doch hinter der Fassade lauerten Unsicherheiten und die Last vergangener Kindheitserlebnisse, wie die Trennung ihrer Eltern und die Alkoholkrankheit ihres geliebten Vaters. Diese inneren Wunden machten sie anfällig für die manipulative Anziehungskraft von Giulia Berghella, die sich als “Prana-Therapeutin” ausgab und unter dem Namen Clelia agierte.
Clelia bot Hunziker zunächst scheinbar einfühlsame Unterstützung bei ihren Problemen wie Haarausfall und dem Gefühl, nicht geliebt zu werden. Sie schuf eine Atmosphäre der Geborgenheit und der Exklusivität, indem sie Hunziker und andere als “Auserwählte” bezeichnete, die dazu bestimmt seien, ihre Seelen zu retten. Durch “Channeling” wurden Botschaften von vergangenen Seelen und sogar biblischen Figuren wie Jesus und dessen Schwester übermittelt, was Hunzikers kindliche Glaubensvorstellungen ansprach.
Michelle Hunziker im Kreis einiger Anhänger der “Krieger des Lichts”. In der Mitte: die Sektenchefin Giulia Berghella, genannt Clelia. Das Bild entstand 2005 in Mailand.
Die Isolation und Zerstörung: Der Preis der “Erleuchtung”
Mit der Zeit eskalierte die Kontrolle von Clelia und ihrer Organisation. Hunziker wurde dazu angehalten, sich von Menschen zu trennen, die sie angeblich nicht liebten – darunter auch ihr Ehemann Eros Ramazzotti. Diese Einflüsterungen führten zur Zerstörung ihrer Ehe, als Ramazzotti sie vor die Wahl stellte: entweder er oder die Sekte. Hunziker entschied sich für ihre neue “Familie”, was zu einem öffentlichen Sorgerechtsstreit um ihre Tochter Aurora führte.
Die Kontrolle der Sekte ging weiter: Anrufe und Nachrichten wurden gelöscht, und Hunziker wurde vier Jahre lang der Kontakt zu ihrer Mutter und alten Freunden verwehrt. Auch ihr Vermögen wurde geschmälert. Sie ernährte sich vegan, da selbst eine Pizza als “dämonische Zutat” galt, und musste auf Sex verzichten. Die Mitglieder wurden einer Gehirnwäsche unterzogen, die ihre Realitätswahrnehmung verdrehte und sie abhängig von der Gruppe machte. Trotz ihres Erfolgs im Fernsehen, wie bei “Deutschland sucht den Superstar”, fühlte sich Hunziker innerlich einsam, da die öffentliche Anerkennung die emotionale Leere nicht füllen konnte.
Die Befreiung: Der schmerzhafte Weg zurück zur Realität
Im Jahr 2006 erreichte die Situation einen Höhepunkt. Interne Konflikte, Eifersüchteleien und Strafen für abweichendes Verhalten isolierten Hunziker innerhalb der Sekte. Ihr wurde gedroht, dass sie sterben würde, wenn sie die Gruppe verlasse. In einem Akt der Verzweiflung, getrieben vom Wunsch, Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen, entschied sie sich dennoch zur Flucht.
Die Befreiung war ein schmerzhafter Prozess, der von Priestern, Therapeuten und aufmerksamen Journalisten unterstützt wurde. Auch die wiedergewonnene Beziehung zu ihrer Mutter spielte eine entscheidende Rolle. Nach ihrer Flucht moderierte Hunziker an der Seite von Thomas Gottschalk bei “Wetten, dass..?”, ein Symbol für ihre Rückkehr in ein normales Leben. Sie betont, dass sie niemanden anklagen wolle, da sie sich selbst zu 50% verantwortlich fühle, da sie jung und naiv gewesen sei. Ihre Geschichte dient jedoch als eindringliche Warnung.
Die Sekte existiert noch: Eine fortwährende Gefahr
Obwohl Giulia Berghella und ihre Organisation aus Mailand flohen, sind sie nicht verschwunden. Unter dem Deckmantel eines Yoga- und “Life Coaching”-Zentrums in der Nähe von Martina Franca in Apulien führen sie ihre Aktivitäten fort und ziehen auch internationale Besucher an. Hunziker äußert ihre Besorgnis darüber, dass die Sekte unter dem Schutz der Religionsfreiheit in Italien agiert und rechtlich kaum belangt werden kann. Ihre Geschichte ist somit nicht nur ein persönliches Trauma, sondern auch ein Weckruf bezüglich der fortwährenden Gefahr durch solche Organisationen.
