Michelle Hunziker: Gefangen und befreit aus den Fängen einer Sekte

Michelle Hunziker, eine bekannte TV-Moderatorin, erzählt eine bewegende und erschütternde Geschichte über ihre Zeit in einer psychologischen Sekte. Was als Suche nach Liebe und Anerkennung begann, entwickelte sich zu einer jahrelangen Gefangenschaft, die ihr Leben und ihre Beziehungen tiefgreifend beeinträchtigte. Diese Erfahrung, die sie als “freiwillig gefangen” beschreibt, beleuchtet die Mechanismen manipulativer Gruppen und den langen Weg der Befreiung.

Ein Leben auf der Bühne und im Verborgenen

Schon in jungen Jahren zog es Michelle Hunziker nach Italien, wo sie als Model und später als TV-Gast bekannt wurde. Ihre Ehe mit dem italienischen Popstar Eros Ramazzotti schien ein Märchen, gekrönt von der Geburt ihrer Tochter Aurora. Doch hinter der glanzvollen Fassade verbarg sich eine tiefe innere Unsicherheit, genährt durch familiäre Probleme und die Belastungen einer Beziehung, in der ihr Partner oft auf Tour war. Diese Leere wurde zum Nährboden für die Manipulation.

Die Verlockung der “Krieger des Lichts”

In Mailand lernte Hunziker eine Frau namens Clelia kennen, die sich als “Prana-Therapeutin” ausgab. Clelia, mit bürgerlichem Namen Giulia Berghella, erkannte Hunzikers Bedürfnis nach Bestätigung und Liebe und begann, sie in ihr Netz zu ziehen. Zunächst schien Clelias Einfluss positiv: Hunzikers Haarausfall verschwand, sie hörte auf zu rauchen und fand in Clelia eine Person, die ihr zuhörte. Doch dies war nur der Anfang.

Die Gruppe, die sich “Krieger des Lichts” nannte, predigte die Rettung der Seelen durch eine Meisterin, die Botschaften aus vergangenen Leben channelte. Hunziker glaubte, in früheren Leben die Schwester Jesu oder die Frau eines SS-Mannes gewesen zu sein, und fühlte sich von Schuldgefühlen geplagt. Clelia nutzte diese Überzeugungen aus, um Hunzikers Weltbild zu manipulieren und sie von ihrer Familie und ihren Freunden zu isolieren. Sogar ihre Ehe mit Eros Ramazzotti zerbrach, als er sie vor die Wahl stellte: “die Sekte oder ich”. Hunziker entschied sich für ihre neue “Familie”. Marito Michelle Hunziker war zu dieser Zeit bereits eine öffentliche Figur, was die Tragweite ihrer Verstrickung noch verstärkte.

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Isolation und Gehirnwäsche

Die Sekte forderte Hunziker auf, sich von Menschen zu trennen, die sie nicht liebten – eine Strategie, um die Abhängigkeit von der Gruppe zu erhöhen. Anrufe und Nachrichten wurden gelöscht, und sie war vier Jahre lang von ihrer Mutter und ihren Freunden abgeschnitten. Auch ihr Vermögen wurde geschröpft. Ihr Telefon wurde kontrolliert und Anrufe/Nachrichten gelöscht. Die Mitglieder wurden dazu angehalten, sich von ihren früheren Leben zu trennen und jegliche Verbindung zu negativen Einflüssen zu kappen, was auch ihre Ehe mit Eros Ramazzotti einschloss.

Der lange Weg zur Befreiung

Hunziker beschreibt ihre Zeit in der Sekte als eine emotionale Achterbahnfahrt, geprägt von der Liebe zu ihrer Tochter Aurora und den Fesseln der Gruppe. Die Trennung von Ramazzotti und der daraus resultierende Sorgerechtsstreit um Aurora machten die Situation öffentlich und schmerzvoll. Trotz des Beifalls des Publikums in ihrer Rolle bei “Deutschland sucht den Superstar” fühlte sie sich tief im Inneren ungeliebt, da die Bewunderung der Masse die fehlende persönliche Nähe und Zuneigung nicht ersetzen konnte.

Der Wendepunkt kam im Jahr 2006, als interne Konflikte und Bestrafungen innerhalb der Sekte Hunziker zu viel wurden. Obwohl ihr mit dem Tod gedroht wurde, wenn sie die Gruppe verlasse, entschied sie sich in einem Akt der Verzweiflung für die Freiheit, um Zeit mit ihrer Tochter verbringen zu können.

Ein Warnruf aus der Vergangenheit

Nach ihrer Befreiung fand Hunziker Unterstützung bei Priestern, Therapeuten und Journalisten. Sie konnte den Kontakt zu ihrer Mutter wiederherstellen und fand zurück ins Leben, moderierte sogar an der Seite von Thomas Gottschalk bei “Wetten, dass..?”. Doch die Gefahr ist nicht gebannt. Hunziker warnt, dass die Sekte, auch wenn sie aus Mailand geflohen ist, weiterhin existiert und in Apulien ein Zentrum betreibt, das mit “Life Coaching”-Kursen lockt. Besonders besorgniserregend sei, dass “viele Engländer und Deutsche” dorthin reisen. Rechtlich sei gegen die Gruppe, die sich als “Religion” bezeichnet, kaum etwas auszurichten, was Hunziker mit ernster Miene feststellt.

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Michelle Hunzikers Geschichte ist ein eindringliches Zeugnis dafür, wie schnell man in die Fänge einer Sekte geraten kann, selbst als erfolgreicher und scheinbar gefestigter Mensch. Es ist eine Warnung, aber auch eine Botschaft der Hoffnung: Befreiung ist möglich, und es ist wichtig, auf die eigenen innere Stimme zu hören und sich von manipulativen Einflüssen zu lösen.