Melanie Winiger hat sich in der Schweiz einen Namen gemacht, doch international ist sie vor allem als erfolgreiche Schauspielerin bekannt. Im Gespräch enthüllt sie, wie sie trotz des «Miss Schweiz»-Titels zu einer unkonventionellen und starken Persönlichkeit herangewachsen ist, die auch im Ausland ernst genommen wird. Eine Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden, weiblicher Stärke und dem Finden der eigenen Identität.
Vom Laufsteg auf die Leinwand: Eine unerwartete Karriere
Melanie Winiger wurde 1979 geboren und ging 1996 als jüngste Titelträgerin in die Geschichte der «Miss Schweiz»-Wahlen ein. Doch der frühe Ruhm brachte auch Herausforderungen mit sich. «Ich war zu jung», gesteht sie rückblickend. Über Nacht erwartete man von ihr, erwachsen zu sein, doch sie fühlte sich alles andere als reif für diese Rolle. Dieser frühe Druck formte ihren Charakter und lehrte sie, für ihre Meinung einzustehen, auch wenn dies ihren Weg nicht immer einfach machte.
Ihr Filmdebüt feierte Winiger 2003 in der Schweizer Komödie «Achtung, Fertig, Charlie!». Es folgte eine Schauspielausbildung in Los Angeles, die den Grundstein für ihre internationale Karriere legte. Heute ist sie ein festes Mitglied der deutschen Krimi-Reihe «Mordkommission Istanbul» und bewies 2018 als Co-Produzentin des Dokumentarfilms «#femalepleasure» von Barbara Miller ihre Vielseitigkeit.
Die Herausforderungen des frühen Ruhms
Als Melanie Winiger mit nur 17 Jahren zur «Miss Schweiz» gekrönt wurde, stand sie plötzlich im Rampenlicht. Die Erwartung, sofort eine reife und erwachsene Frau zu sein, stellte eine grosse Belastung dar. «Ich musste mich zurücknehmen, mir überlegen, was ich sage. Welcher Teenager macht das schon?», beschreibt sie die Schwierigkeit, ihre jugendliche Unbekü ব্যাকটেরie mit der öffentlichen Wahrnehmung in Einklang zu bringen.
Diese Erfahrung prägte ihr Selbstverständnis. Besonders die Geburt ihres Sohnes im Alter von 23 Jahren war eine Zeit intensiver Selbstreflexion und öffentlicher Beurteilung. Ihre ehrliche Antwort auf die Frage, ob sie an ihre Grenzen stosse – «Nein, aber mein Sohn geht mir manchmal einfach auf den Sack» – wurde ihr damals übel genommen und führte zu einer Welle der Kritik. «Es war eine schwierige Zeit. Die ganze Schweiz hatte das Gefühl, sie dürfe meine Mutterschaft anfechten», erinnert sie sich. Die Kombination aus mütterlichen Selbstzweifeln und der öffentlichen Debatte war für die junge Mutter äusserst belastend.
Schlagfertigkeit als Überlebensstrategie
Winigers Erfolg als «unkonventionellste und erfolgreichste Miss» der Schweiz erklärt sie selbst mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem direkten Wesen. Sie betont, dass sie sich nie ausschliesslich über ihr Aussehen definiert habe und nicht dem klassischen Schönheitsideal entspreche. «Ohne mein Mundwerk hätte ich den Miss-Titel sicher nicht gewonnen», ist sie überzeugt. Ihr unbeschwerter Umgang mit dem Interview und ihre Fähigkeit, intelligente Antworten zu geben, gaben den Ausschlag.
Diese Schlagfertigkeit wurzelt tief in ihrer Kindheit. Wegen ihrer Hautfarbe wurde sie gehänselt und gemobbt. «In der Schule sagten sie zu mir: ‘Scheiss Marokkanerin, geh zurück in dein Land‘. Die Mädchen haben mich gefesselt und geschlagen», berichtet sie von traumatischen Erlebnissen. Ihr Vater lehrte sie, sich zu wehren: «Willst du das Opfer sein und weinend heimkommen, oder willst du reagieren?» Nach dieser Lektion hörte sie auf, sich unterdrücken zu lassen. Später machten sich Mitschüler über ihren Gerechtigkeitssinn lustig und nannten sie «Supermelanie», doch damit konnte sie besser leben als mit den rassistischen Beleidigungen.
Weiblichkeit neu definieren
Trotz ihrer Erfolge als Schauspielerin spürt Melanie Winiger, dass ihr der «Miss»-Titel in der Schweiz manchmal im Weg steht. «In der Schweiz werde ich weniger ernst genommen. Ich bin froh um die Aufträge aus Deutschland, da interessiert das niemanden», erklärt sie.
Der Dokumentarfilm «#Female Pleasure», an dem sie als Co-Produzentin beteiligt war, thematisiert weibliche Lust und bestärkte sie in ihrer persönlichen Entwicklung. «Im Frausein, ohne es allen Recht machen zu müssen. Ohne Angst zu haben, als Tussi oder doof zu gelten», beschreibt sie die Wirkung des Films. Sie gesteht, dass sie durch den «Tussi-Stempel», der mit dem Miss-Titel einherging, ihre Weiblichkeit zeitweise versteckt habe. Der Film half ihr, zu sich selbst zu stehen – «egal ob mit rotem Lippenstift oder schwarzen Nägeln».
«#Female Pleasure» ist ein Plädoyer für weibliche Selbstbestimmung und ermutigt Frauen, ihre Sexualität und Identität frei auszudrücken. Melanie Winiger ist dankbar, Teil dieses wichtigen Projekts gewesen zu sein, das nicht nur international Beachtung fand, sondern auch ihr eigenes Frauenbild nachhaltig prägte.
«Geboren am …»: Geschichten, die verbinden
Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft
Die vierteilige DOK-Serie «Geboren am …» erzählt inspirierende Geschichten von Menschen, die am selben Tag geboren wurden. Jede Folge beleuchtet drei Lebenswege, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie individuelle Schicksale durch gemeinsame Geburtsdaten verbunden sind.
