Der Bernhardiner: Ein Riese mit Herz und Geschichte

Der Bernhardiner, ein imposanter Hund von beeindruckender Größe und sanftmütigem Gemüt, ist weit mehr als nur ein Haustier. Seine Geschichte ist tief in den schneebedeckten Alpen der Schweiz verwurzelt, wo er über Jahrhunderte hinweg als unermüdlicher Helfer in Not und als treuer Gefährte diente. Diese Hunderasse, die heute zu den schwersten der Welt zählt, hat eine faszinierende Entwicklung durchlaufen, von einem agilen Rettungshund zu einem majestätischen Koloss, der dennoch die Herzen seiner Besitzer im Sturm erobert.

Die historischen Wurzeln des Bernhardiners

Die Ursprünge des Bernhardiners lassen sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen, als Mönche im Hospiz auf dem Großen Sankt Bernhard Pass begannen, große Berghunde zu züchten. Diese Hunde waren nicht nur als Schutz- und Wachhunde im rauen Gebirgsklima unerlässlich, sondern wurden auch als Lawinen- und Bergführerhunde eingesetzt. Es wird angenommen, dass sie Nachfahren der römischen Molosser waren, die vor etwa 2000 Jahren mit den römischen Truppen in die Alpenregion gelangten und sich im Laufe der Zeit zu den heutigen Sennenhunden entwickelten.

Der wohl berühmteste Vertreter dieser frühen Zucht war der legendäre Lawinenhund Barry, der zwischen 1800 und 1812 auf dem Hospiz lebte. Barry soll als Lawinenhund mindestens 40 Menschen das Leben gerettet haben, was ihm einen unsterblichen Platz in der Geschichte der Rettungshunde sicherte. Die ersten Bernhardiner unterschieden sich jedoch noch erheblich von den Hunden, die wir heute kennen. Sie waren kleiner, leichter und weniger massig. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts begann sich das Erscheinungsbild zu vereinheitlichen, wobei sich neben der Kurzhaarvariante auch die Langhaarvariante entwickelte, die jedoch für die anspruchsvolle Arbeit im Hochgebirge weniger geeignet war. In der Schweiz fanden Bernhardiner schließlich auch als Hirten- und Bauernhunde Verwendung. Der Schweizer Standard für die Rasse wurde 1887 allgemein anerkannt und seither gilt der Bernhardiner als Schweizer Nationalhund.

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Von agilen Rettern zu behäbigen Giganten: Die züchterische Entwicklung

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Bernhardiner deutlich leichter und kleiner als ihre heutigen Nachfahren. Der ursprüngliche Bernhardiner wog selten mehr als 40 bis 50 Kilogramm. Durch gezielte Zucht, die auf Größe und Masse abzielte, entwickelten sich diese einst widerstandsfähigen Arbeitshunde zu den wuchtigen Kolossen, die sie heute sind.

Der heutige Bernhardiner zählt zu den schwersten Hunderassen der Welt. Diese extreme Größe bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Als Rettungshund ist er in seiner ursprünglichen Funktion seit Jahrzehnten nicht mehr geeignet, und in einigen Zuchtlinien sind Anzeichen von Qualzucht, die zu gesundheitlichen Problemen führen, unübersehbar geworden. Erfreulicherweise engagieren sich einige Rassefans gegen diese Fehlentwicklung, was Hoffnung für die Zukunft der Rasse gibt.

Gemäß dem aktuellen Rassestandard erreichen Hündinnen eine Widerristhöhe von mindestens 65 cm und maximal 80 cm, während Rüden zwischen 70 cm und 90 cm groß werden. Das Fell kann stock- oder langhaarig sein, stets mit reichlich Unterwolle. Die Farbgebung ist typischerweise weiß mit rotbraunen Abzeichen oder rotbraun mit weißen Flecken in verschiedenen Abstufungen. Charakteristische weiße Abzeichen an Brust, Pfoten, Nase, Hals und Rutenspitze sowie eine weiße Halskrause und eine symmetrische dunkle Maske sind erwünscht.

Ein kinderlieber Beschützer mit starkem Charakter

Bernhardiner sind von Natur aus sehr sozial und territorial motiviert. Angesichts ihrer Geschichte als Rettungs-, Hof- und Wachhunde ist dies kaum verwunderlich. Gegenüber ihrer Familie zeigen sie sich sanftmütig, liebevoll und anhänglich, insbesondere im Umgang mit Kindern. Sie genießen den engen Kontakt zu ihren Menschen. Diese liebevolle Natur geht jedoch Hand in Hand mit einer ausgeprägten Eigenständigkeit und einem starken Schutzinstinkt. Sie verteidigen ihre Familie und ihr Territorium gegebenenfalls ohne Kompromisse und äußerst wirkungsvoll, wenn man sie gewähren lässt.

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Für Besitzer eines Bernhardinerwelpen ist es daher ratsam, frühzeitig eine Hundeschule zu besuchen. Dort erhalten sie umfassende Informationen, wie sie dem Hund von Beginn an die Verantwortung für das Territorium abnehmen können. Welpenkurse unterstützen zudem bei der wichtigen Sozialisierung dieser großen Hunde. Auch die artgerechte und rassespezifische Auslastung des Bernhardiners wird hier thematisiert. Besonders im Winter ist der Bernhardiner für lange Spaziergänge, Mantrailing, Fährtenarbeit und Zughundesport zu begeistern. Bei wärmeren Temperaturen ist jedoch Vorsicht geboten und langsame Annäherung an Aktivitäten ratsam.

Großer Hund, große gesundheitliche Herausforderungen

Die extreme Größe des Bernhardiners stellt für ihn selbst eine erhebliche gesundheitliche Belastung dar. Welpen und Junghunde wachsen oft zu schnell heran, was den gesamten Körper stark beansprucht. Auch die Köpfe wurden teilweise ungesund groß gezüchtet, was bereits bei der Geburt zu Komplikationen führen kann. Ektropium (Hängeauge oder Hängelid) ist bei großen Köpfen ein häufiges Problem, das besondere Pflege erfordert und im schlimmsten Fall die Augen nachhaltig schädigen kann. Die Tiermedizinische Hochschule Hannover zählt den Bernhardiner zu den Rassen mit einer erhöhten Anfälligkeit für Epilepsie.

Darüber hinaus leiden Bernhardiner, wie viele große Rassen, häufig unter Hüftgelenksdysplasie, Osteosarkomen (Knochenkrebs) und anderen Erkrankungen des Skelettsystems. Auch Magendrehungen treten bei dieser Rasse vermehrt auf.

Die durchschnittliche Lebenserwartung des Bernhardiners ist daher leider gering. Studien zeigen, dass 30 Prozent der Hunde nicht älter als fünf Jahre werden, 52 Prozent sterben vor ihrem achten Geburtstag, und 74 Prozent erreichen kein Alter von zehn Jahren.

Die Legende vom Fässchen und die Popkultur

Viele Menschen assoziieren den Bernhardiner automatisch mit einem Lawinenhund, der ein kleines Fässchen mit Schnaps oder Rum um den Hals trägt, wie er oft in den Schweizer Alpen dargestellt wird. Diese Vorstellung ist jedoch weitgehend eine Legende und eher einem Marketing-Gag der Werbewirtschaft geschuldet. Dennoch trägt selbst der ausgestopfte Barry im Naturhistorischen Museum in Bern symbolisch ein Schnapsfass um den Hals.

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Ein weiterer Beitrag zur Bekanntheit der Rasse leistete die beliebte Filmkomödie “Ein Hund namens Beethoven” aus dem Jahr 1992. In diesem Film stellt ein Bernhardiner das Leben einer Familie auf den Kopf und sorgt mit seinen stets neuen, lustigen Streichen für zahlreiche Lacher.