Marseille vs. Eintracht Frankfurt: Fan-Gewalt, Anklage und offene Fragen

Pyrotechnik und Unruhen auf der Tribüne beim Champions-League-Spiel Marseille gegen Eintracht Frankfurt

Die Champions League ist die größte Bühne des europäischen Klubfußballs, ein Traum für jeden Verein und seine Anhänger. Doch was am 7. September 2022 beim historischen Auswärtsspiel von Eintracht Frankfurt gegen Olympique Marseille geschah, überschattete den sportlichen Erfolg der Hessen. Einem Eintracht-Fan wurde durch einen Raketenbeschuss aus dem gegnerischen Block schwere Verletzungen zugefügt, was nun zu einer Anklage wegen versuchten Mordes führte. Die Partie, die mit einem denkwürdigen 1:0-Sieg für die SGE endete – dem ersten Erfolg in der Königsklasse überhaupt –, wurde zum Schauplatz schwerer Ausschreitungen, deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind.

Schwere Krawalle in Marseille: Ein historischer Sieg im Schatten der Gewalt

Vor dem Anpfiff und während des Spiels kam es im Stade Vélodrome zu massiven Auseinandersetzungen zwischen den Fanlagern von Olympique Marseille und Eintracht Frankfurt. Die Befürchtungen im Vorfeld waren groß, wie Eintracht-Vorstandsmitglied Philipp Reschke nach der Partie betonte: „Zunächst einmal wurden unsere Befürchtungen hier deutlich übertroffen. Wer sich mit Olympique de Marseille beschäftigt, weiß, was ihn bei solchen Spielen hier erwartet. Wenn man sich die Partien gegen PAOK Saloniki oder Feyenoord Rotterdam aus der Vergangenheit anschaut, dann sind das vergleichbare Szenen gewesen.“ Er beschrieb die Situation im Stadion als „ein Stück weit ein rechtsfreier Raum“ aufseiten der Olympique-Fans, eine Einschätzung, die die Brutalität der Ereignisse unterstreicht. Für viele Fans, die gespannt auf die Champions League heute im TV blicken, bleiben diese Vorfälle eine dunkle Erinnerung an die Schattenseiten des Fußballs.

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Pyrotechnik und Unruhen auf der Tribüne beim Champions-League-Spiel Marseille gegen Eintracht FrankfurtPyrotechnik und Unruhen auf der Tribüne beim Champions-League-Spiel Marseille gegen Eintracht Frankfurt

Während der Partie wurde ein 65-jähriger Anhänger von Eintracht Frankfurt aus Friedrichsdorf Opfer einer besonders heimtückischen Attacke. Eine Leuchtrakete, die gezielt aus dem Marseille-Block in den Gästeblock abgefeuert wurde, traf ihn im Halswirbelbereich. Der Mann stürzte und zog sich schwere Verletzungen zu, die umgehend medizinische Behandlung erforderlich machten. Seine 64-jährige Partnerin, die versuchte, das gefährliche Geschoss zu entfernen, erlitt ebenfalls Blessuren. Nach ersten Behandlungen in einem Marseiller Krankenhaus musste der verletzte Fan zur weiteren Versorgung in die Universitätsklinik Frankfurt verlegt werden. Solche Szenen werfen immer wieder Fragen zur Sicherheit in europäischen Fußballstadien auf, insbesondere bei Spielen, die eine hohe Brisanz wie Marseille gegen Eintracht Frankfurt mit sich bringen.

Anklage wegen versuchten Mordes: Ein Marseille-Fan vor Gericht

Die französische Staatsanwaltschaft hat nun die Konsequenzen aus diesem gravierenden Vorfall gezogen. Ein 26-jähriger französischer Fan von Olympique Marseille wurde wegen versuchten Mordes angeklagt. Die Anklageschrift umfasst zudem weitere schwere Delikte: vorsätzliche Gewalt, Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung sowie die Einführung, der Besitz und der Gebrauch von Raketen oder Feuerwerkskörpern in einer Sportstätte. Der Beschuldigte hat zugegeben, „das Geschoss in Richtung des Gästeblocks“ abgefeuert zu haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Trotz der Schwere der Anschuldigungen und des Geständnisses entschied der Haftrichter, den mutmaßlichen Täter zunächst auf freiem Fuß zu belassen. Diese Entscheidung stieß auf Unverständnis und löste eine sofortige Reaktion der Staatsanwaltschaft aus, die gegen die Freilassung Berufung einlegte. Das juristische Nachspiel dieses Vorfalls wird zeigen, welche Konsequenzen derartige Fan-Gewalt in Frankreich nach sich zieht und ob die Täter für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit bleibt hoch, nicht zuletzt da viele wichtige Spiele über Plattformen wie ZDF Champions League verfolgt werden und solche Vorfälle das Image des Sports stark beschädigen können.

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Eintracht Frankfurt: Zwischen sportlicher Herausforderung und der Aufarbeitung von Gewalt

Die Ausschreitungen von Marseille waren ein Schock für Eintracht Frankfurt und seine Fans. Der Verein bekräftigte stets sein Engagement für ein friedliches und sicheres Stadionerlebnis und verurteilte die Gewalt scharf. Solche Vorfälle lenken nicht nur vom sportlichen Geschehen ab, sondern hinterlassen auch tiefe Narben bei den Betroffenen und schaden dem Ruf des Fußballs als völkerverbindendes Ereignis. Die Aufarbeitung solcher Ereignisse ist von entscheidender Bedeutung, um zukünftige Eskalationen zu verhindern und die Sicherheit aller Stadionbesucher zu gewährleisten.

Parallel zur juristischen Aufarbeitung der Vorfälle musste Eintracht Frankfurt den Fokus schnell wieder auf den sportlichen Alltag legen. Trainer Oliver Glasner stand vor der Herausforderung, den Schwung des Erfolgs aus der Königsklasse mit in die Bundesliga zu nehmen, obwohl der Terminplan dichtgedrängt ist und Improvisation, insbesondere in der Abwehr, gefordert war. Die nächste große Aufgabe war die Bundesliga-Partie gegen Mönchengladbach. Die Spieler hangeln sich durch einen straffen Zeitplan, und die Bundesliga hat dabei höchste Priorität. Deshalb verzichtete Trainer Glasner auf große Experimente und Rotationen, um keine unnötigen Risiken einzugehen, gerade vor dem wichtigen Spiel mönchengladbach eintracht frankfurt.

Der Vorfall bei Marseille gegen Eintracht Frankfurt bleibt ein Mahnmal für die Schattenseiten des Fußballs. Er unterstreicht die Notwendigkeit, sowohl präventive Maßnahmen gegen Fan-Gewalt zu verstärken als auch Täter konsequent zur Verantwortung zu ziehen. Nur so kann der Fußball seine Faszination als Sport für alle, frei von Angst und Bedrohung, bewahren. Die weiteren Entwicklungen im französischen Gerichtsverfahren werden mit Spannung erwartet.