Lukas Klostermann: Ein Spätberufener mit Athleten-Genen

Lukas Klostermanns sportliche Laufbahn begann nicht auf dem Fußballplatz, sondern auf der Tartanbahn und im Sand des Weitsprungs. Schon als Kind zeigte er außergewöhnliche athletische Fähigkeiten, die ihn zu einem vielversprechenden Talent im Mehrkampf machten. Seine Sprintrekorde und Sprungweiten lassen erahnen, welches Potenzial in ihm steckte. Doch Klostermann verfolgte einen anderen Weg, einen, der ihn erst später zum Fußball führte. In einer Zeit, in der junge Talente früh in spezialisierten Akademien gefördert werden, ist Klostermanns Umstieg eine Besonderheit.

Vom Leichtathletik- zum Fußballtalent

Bereits 2007 beeindruckte ein junger Lukas Klostermann mit einer Weite von 5,43 Metern im Weitsprung der Altersklasse U11. Nur ein Jahr später, im Alter von 10 Jahren, rannte er im Berliner Olympiastadion vor 70.000 Zuschauern die 50 Meter in 7,21 Sekunden und gewann das Finale des “Super Sprint”. Diese frühen Erfolge in der Leichtathletik prägten seinen athletischen Charakter. Dennoch entschied sich Klostermann in seinen Teenagerjahren, den Ball statt der Hürden zu jagen. Dies war ein ungewöhnlicher Schritt im heutigen Profifußball, wo Spieler oft schon in jungen Jahren spezialisiert werden. Seine Eltern, selbst aktive Leichtathleten, unterstützten ihn bei dieser Entscheidung.

Der Weg nach Leipzig

Seine fußballerische Ausbildung begann Klostermann bei seinem Heimatverein Gevelsberg, bevor er den Weg nach Bochum einschlug. Dort entwickelte er sich zum deutschen Jugendnationalspieler. Mit 17 Jahren debütierte er in der 2. Bundesliga. Im Jahr 2014 entdeckten die Talentscouts Wolfgang Geiger und Sebastian Barth von RB Leipzig das Ausnahmetalent. “Unsere Scouts sind auf ihn aufmerksam geworden wegen seiner Schnelligkeit”, erinnert sich Ralf Rangnick. Der damalige Sportdirektor von RB Leipzig schildert die Reaktion des damaligen Bochumer Trainers Peter Neurürer auf Klostermanns Wechsel in den Osten: “Wir waren gerade in die zweite Liga aufgestiegen, da sagte Neurürer, dass Klostermann einen riesigen Fehler macht und sich einen anderen Berater suchen soll.” Klostermann entwickelte sich schnell zu einer festen Größe im Team und gilt als einer der größten Scouting-Erfolge des Vereins. “Es lief richtig gut für ihn”, meint Rangnick.

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RB Leipzig: Mehr als nur ein reiches Team

RB Leipzig ist in Deutschland nicht unumstritten. Viele Fans sehen in Dietrich Mateschitz’ finanziellem Engagement den alleinigen Grund für den Erfolg. Doch die Geschichte ist vielschichtiger. Klostermann wechselte für lediglich eine Million Euro nach Leipzig. Zusammen mit Spielern wie Marcel Halstenberg, Emil Forsberg, Marcel Sabitzer, Peter Gulacsi und Willi Orban, die teils schon in der 2. oder sogar 3. Liga für RB spielten, bildet er den Kern des Teams. Diese Achse war entscheidend für den Einzug ins Halbfinale der Champions League 2020 und die konstant guten Leistungen in der Bundesliga.

Charakter und Stärken: Der ruhige Profi

Trainern und Wegbegleitern von Klostermann fallen vor allem die von seinen Eltern vermittelten Werte auf. “Lukas ist ein ruhiger Typ”, sagt Rangnick. “Voll auf seinen Job fokussiert. Er hat eine sehr klare Meinung zu Dingen, sagt sie aber nicht ungefragt.” Besonders beeindruckte Rangnick Klostermanns Fähigkeit, nach einer Kreuzbandrissverletzung 2016 gestärkt zurückzukommen. “Ich habe ihn als großartigen Menschen und großartigen Profi kennengelernt.”

Auch Julian Nagelsmann, aktueller Trainer von Leipzig, lobt Klostermann: “Lukas ist ein außergewöhnlich guter Spieler und ein bodenständiger Typ.” Er sei stets verlässlich und habe ihn nie enttäuscht, weder mental noch von der Qualität her. “Er arbeitet immer, hört zu, gibt für das Team sein Bestes und erledigt die Aufgaben, die wir als Trainerteam für ihn geplant haben, ohne zu klagen.”

Vielseitigkeit auf höchstem Niveau

Der 25-jährige Klostermann ist kein Individualist, sondern ein klassischer Teamplayer, der perfekt in ein System passt, das auf Körperlichkeit und Zusammenhalt setzt. “Seine Schnelligkeit ist herausragend, seine Zweikampf- und Kopfballstärke ebenfalls”, so Nagelsmann. Auch seine Fähigkeit, präzise Pässe zu spielen, habe sich verbessert. Klostermann verliert selten seine Laufduelle und setzt seinen Körper gezielt ein, um Gegner fair vom Tor wegzudrängen. Ein seltenes Missgeschick war der Elfmeter, den er im Champions-League-Viertelfinale 2020 gegen João Félix verursachte. “Er verteidigt seriös und ist flexibel”, ergänzt Nagelsmann. Diese Flexibilität ist seine größte Stärke: Klostermann kann alle Positionen in der Abwehr bekleiden, sei es Innenverteidiger oder Außenverteidiger, links oder rechts, in einer Vierer- oder Fünferkette.

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Obwohl Klostermann vielleicht nicht der Spieler ist, den deutsche Fans am schmerzlichsten vermissen würden, wenn Joachim Löw ihn bei der Europameisterschaft nicht nominieren würde, bedeutet seine Vielseitigkeit, dass er wahrscheinlich weit oben auf der Kaderliste steht. In den Länderspielen im März wurde er in zwei von drei Partien eingesetzt. Für Löw ist die Defensive seit Jahren eine Baustelle, und Klostermanns Chancen auf einen Platz in der Startelf steigen. Seine defensiven Qualitäten als Außenverteidiger könnten ihn zu einer wichtigen Wahl gegen starke Gegner machen. Mit einem ähnlichen Spielertyp wie Benedikt Höwedes wurde Deutschland 2014 Weltmeister.

Lukas Klostermanns Weg vom Leichtathletik-Star zum Schlüsselspieler in der Abwehr von RB Leipzig und der deutschen Nationalmannschaft ist eine inspirierende Geschichte über Talent, harte Arbeit und die Fähigkeit, sich an neue Herausforderungen anzupassen. Seine Vielseitigkeit und sein unermüdlicher Einsatz machen ihn zu einem wertvollen Spieler für jedes Team.