Das Jahr 2022 war ein ereignisreiches Jahr für die deutsche Leichtathletik, geprägt von Welt- und Europameisterschaften sowie internationalen Nachwuchswettbewerben. In diesem Rückblick konzentrieren wir uns auf die Leistungen der deutschen Mittelstreckenläuferinnen über 800 und 1.500 Meter. Moderne Sportarten wie diese stellen stets neue Anforderungen an Athletinnen und Athleten.
Das Jahr der persönlichen Erfolge und internationalen Finalteilnahmen
Für Christina Hering (LG Stadtwerke München) erfüllte sich im August ein lang gehegter Traum: Bei den Europameisterschaften in ihrer Heimatstadt München erreichte sie ihr erstes großes internationales Finale über 800 Meter. Als frühere Universiade-Zweite kämpfte sie im Finale couragiert und führte das Feld zeitweise an. Am Ende sicherte sie sich den siebten Platz, die beste EM-Platzierung einer deutschen 800-Meter-Läuferin seit 2002.
Auch über 1.500 Meter gab es Grund zum Jubeln. Hanna Klein (LAV Stadtwerke Tübingen) belegte trotz eines nicht optimalen Rennverlaufs den fünften Platz, die beste EM-Platzierung für Deutschland über diese Distanz seit zehn Jahren. Katharina Trost, die in diesem Jahr erstmals international über 1.500 Meter antrat, komplettierte das starke deutsche Ergebnis mit einer Top-Ten-Platzierung.
Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) verpasste das 800-Meter-Finale nur knapp und wurde im Halbfinale Neunte. Für Tanja Spill (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) war die Europameisterschaft bereits nach dem Vorlauf über 800 Meter beendet.
Schon vor den Europameisterschaften zeigten die deutschen Mittelstrecklerinnen starke Leistungen. Christina Hering gewann ihren achten deutschen Meistertitel über 800 Meter und zog gemeinsam mit Majtie Kolberg ins WM-Halbfinale in Eugene (USA) ein. Auch die deutsche 1.500-Meter-Meisterin Hanna Klein und Katharina Trost erreichten das Halbfinale der Weltmeisterschaften. Klein lief dort sogar eine persönliche Bestleistung, während Trost knapp den Finaleinzug verpasste.
Nachwuchstalente auf internationaler Bühne
Die U20-Athletinnen konnten international noch nicht ganz an die Spitze anknüpfen. Bei der U20-WM in Cali (Kolumbien) schieden Cosima Ermert (800 m) und die für die 1.500 Meter nominierte Carolin Hinrichs bereits in den Vorläufen aus bzw. konzentrierte sich auf die Hindernisstrecke.
Umso mehr begeisterten die Läuferinnen der U18. Jana Becker (LG Wettenberg) sicherte sich bei der U18-EM in Jerusalem (Israel) die Silbermedaille über 800 Meter. Über 1.500 Meter erreichte Emie Lotta Berger einen starken fünften Platz. Beide Talente werden auch im kommenden Jahr noch in der U18 starten.
Eine herausragende Leistung zeigte Jolanda Kallabis (FT 1844 Freiburg), die vor allem über die Hindernisse für Furore sorgte und ab 2023 in der U20 antreten wird, wobei sie ihren Fokus verstärkt auf die Mittelstrecke legen möchte. Es ist spannend zu beobachten, welche Trendsportarten 2023 und klassischen Disziplinen die jungen Athletinnen für sich entdecken werden.
Internationale Erfolge im Überblick
| Disziplin | Medaille | Finalplatzierung |
|---|---|---|
| Hallen-WM | – | – |
| WM | – | – |
| EM | – | 5. Platz Hanna Klein (1.500 m), 7. Platz Christina Hering (800 m), 10. Platz Katharina Trost (1.500 m) |
| U20-WM | – | – |
| U18-EM | Silber: Jana Becker (800 m) | 5. Platz: Emie Lotta Berger (1.500 m) |
| EYOF | – | – |
Persönlichkeiten des Jahres
Ass des Jahres:
- Christina Hering (LG Stadtwerke München)
- Deutsche Meisterin 800 m
- EM-Siebte 800 m
- WM-Halbfinalistin
Talent des Jahres:
- Jana Marie Becker (LG Wettenberg)
- U18-EM-Silbermedaille 800 m
- Deutsche U18-Meisterin 800 m
Deutsche Jahresbestenlisten 2022
800 Meter
| Zeit (min) | Name | Jahrgang | Verein |
|---|---|---|---|
| 1:59,51 | Christina Hering | 1994 | LG Stadtwerke München |
| 2:00,80 | Katharina Trost | 1995 | LG Stadtwerke München |
| 2:01,20 | Majtie Kolberg | 1999 | LG Kreis Ahrweiler |
| 2:01,70 | Hanna Klein | 1993 | LAV Stadtwerke Tübingen |
| 2:01,98 | Tanja Spill | 1995 | LAV Bayer Uerdingen/Dormagen |
| 2:02,59 | Lucia Sturm | 2002 | TSV Moselfeuer Lehmen |
| 2:02,94 | Jennifer C. Hauke | 1993 | SCC Berlin |
| 2:04,65 | Jolanda Kallabis | 2005 | FT 1844 Freiburg |
| 2:04,66 | Alina Ammann | 1998 | TuS Esingen |
| 2:04,95 | Jana Becker | 2006 | LG Wettenberg |
1.500 Meter
| Zeit (min) | Athletin | Jahrgang | Verein |
|---|---|---|---|
| 4:03,46 | Hanna Klein | 1993 | LAV Stadtwerke Tübingen |
| 4:03,53 | Katharina Trost | 1995 | LG Stadtwerke München |
| 4:04,60 | Konstanze Klosterhalfen | 1997 | TSV Bayer 04 Leverkusen |
| 4:10,06 | Lea Meyer | 1997 | ASV Köln |
| 4:10,77 | Vera Coutellier | 1995 | ASV Köln |
| 4:11,00 | Caterina Granz | 1994 | LG Nord Berlin |
| 4:11,17 | Sara Benfares | 2001 | LG Rehlingen |
| 4:11,47 | Elena Burkard | 1992 | LG farbtex Nordschwarzwald |
| 4:13,64 | Fabiane Meyer | 2002 | TV Westfalia Epe |
| 4:13,86 | Verena Meisl | 2001 | LG Olympia Dortmund |
Statistiken und Vergleiche
Die deutschen Mittelstreckenläuferinnen zeigen eine stabile Leistung, auch wenn die absolute Weltspitze weiterhin außer Reichweite liegt. Insbesondere über 800 Meter hat sich Christina Hering wieder als deutsche Nummer eins etabliert. Die Leistungsdichte bei den Top-Athletinnen ist hoch, was sich in den Durchschnittszeiten der Top 3 und Top 10 widerspiegelt. Über 1.500 Meter bilden Hanna Klein und Katharina Trost ein starkes Duo, das sich im Vergleich zum Vorjahr noch näher zusammengerückt ist.
International dominieren weiterhin Athletinnen wie Athing Mu (USA) und Keely Hodgkinson (Großbritannien) über 800 Meter, während über 1.500 Meter Faith Kipyegon (Kenia) und Laura Muir (Großbritannien) die Maßstäbe setzen. Der Abstand der deutschen Läuferinnen zur Weltspitze ist beachtlich, was die Herausforderungen für die Zukunft unterstreicht. Dennoch sind die Entwicklungen im Nachwuchsbereich vielversprechend und lassen auf zukünftige Erfolge hoffen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung und das Interesse an Trendsportarten zeigen, wie dynamisch die Welt des Sports ist.
Ausblick und Fazit
Das Jahr 2022 war ein Jahr des Aufbaus und der Konsolidierung für die deutschen Mittelstreckenläuferinnen. Mit starken Leistungen bei nationalen und internationalen Meisterschaften haben die Athletinnen bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist. Die jungen Talente zeigen vielversprechende Ansätze, und die etablierten Läuferinnen behaupten sich auf hohem Niveau. Die Leichtathletik bleibt ein spannendes Feld mit ständigen Entwicklungen, und es bleibt abzuwarten, welche Erfolge die deutschen Mittelstrecklerinnen in den kommenden Jahren feiern werden. Bleiben Sie dran und verfolgen Sie die aufregenden Wettkämpfe, denn die Saison 2023 verspricht weitere Höhepunkte.
