Neu-Delhi, Indien – Mit einer beeindruckenden Ausbeute von zweimal Gold und einmal Bronze hat die deutsche Para-Leichtathletik-Nationalmannschaft ihre Medaillensammlung am Abschlusstag der Weltmeisterschaften in Neu-Delhi auf insgesamt elf Edelmetalle erweitert. Damit sichert sich das Team den elften Platz im Medaillenspiegel und demonstriert eindrucksvoll die positive Entwicklung im Vergleich zu den Paralympics in Paris.
Felix Streng krönt sich zum Doppel-Weltmeister
Der absolute Höhepunkt aus deutscher Sicht war die Leistung von Felix Streng. Der 30-jährige Athlet sicherte sich über die 200 Meter in der Klasse T64 überzeugend den Weltmeistertitel und krönte sich damit zum Sprint-König von Neu-Delhi. Bereits über die 100 Meter hatte Streng zuvor Gold gewonnen, was seinen Status als Doppel-Weltmeister unterstreicht. In einem packenden Zweikampf setzte er sich in 21,60 Sekunden knapp gegen den Paralympics-Sieger Sherman Guity Guity aus Costa Rica durch. “Doppel-Weltmeister – das klingt extrem gut und ist wirklich ein Traum”, schwärmte Streng. “Jeder Sprinter wünscht sich, die 100 und 200 Meter zu gewinnen. Nach der langen Saison habe ich eigentlich nicht so richtig damit gerechnet, dass das hier klappen könnte.” Er hob die klimatischen Herausforderungen in Neu-Delhi hervor, mit extremer Hitze und ständiger Schweißbildung, und betonte, wie sehr ihm die Rennen an einem Tag zugesetzt hätten. Dennoch liebt er solche Momente und holt das Beste aus sich heraus.
Johannes Floors unaufhaltsam über 400 Meter
Einen weiteren goldenen Schlusspunkt setzte Johannes Floors, der über die 400 Meter in der Klasse T62 seinen fünften Weltmeistertitel in Folge feierte. Mit einer Zeit von 45,39 Sekunden lief er seine zweitschnellste jemals erzielte Zeit auf der Stadionrunde, nur 13 Hundertstel über seinem eigenen Weltrekord. In Abwesenheit des Paralympics-Siegers Hunter Woodhall konnte nur der Niederländer Olivier Hendriks einigermaßen mithalten, doch auch er hätte gegen die Topform von Floors deutliche Steigerungen benötigt. Floors war in Neu-Delhi fast eine Sekunde schneller als Woodhall bei seinem Sieg vor einem Jahr in Paris. Für den Athleten vom TSV Bayer 04 Leverkusen war es nach Silber über 100 Meter der perfekte Abschluss einer “richtig schönen Saison”. “Im Team hat alles gepasst, die Leistung hat in jedem Rennen gepasst, ich bin Weltrekorde gelaufen, jetzt noch dieser Abschluss – das hätte ich mir kaum anders wünschen können und bin mega happy”, sagte Floors. Seinen nächsten Weltrekord hat er sich für die kommende Saison aufgehoben.
Lindy Ave kämpft sich zu Bronze
Zwischen den beiden deutschen Goldmedaillen sicherte sich Lindy Ave über die 400 Meter in der Startklasse T38 die Bronzemedaille. Mit einer Saisonbestzeit von 1:00,20 Minuten kämpfte sie sich auf den letzten Metern noch nach vorne und verpasste Silber nur um sechs Hundertstel. “Der Lauf war echt anstrengend. Dafür, dass wir so lange auf den Start warten und stehen mussten, bin ich sehr zufrieden mit der Zeit und dass ich hinten raus noch die Kraft hatte, um mich weiter nach vorne zu kämpfen. Daher bin ich stolz auf das Ergebnis”, erklärte die 27-Jährige.
Weitere Athleten zeigen starke Leistungen
Felix Krüsemann verpasste im 1500-Meter-Lauf trotz guter Saisonleistungen mit einer Zeit von 4:03,10 Minuten als Siebter eine Medaille. Er bedauerte, sich nicht getraut zu haben, das Tempo bei 600 Metern mitzugehen. “Leider war die Lücke dann aber zu groß und der Fehler war letztlich, dass ich mich nicht getraut habe mitzugehen”, erklärte der 24-Jährige. Ebenfalls den siebten Platz belegte Jule Roß über 200 Meter. Für die 19-Jährige war es dennoch ein guter Abschluss, nachdem sie in Indien mehrere deutsche Rekorde aufgestellt und bereits Bronze über 400 Meter gewonnen hatte. Titelverteidiger Léon Schäfer schied im Vorlauf über 100 Meter nach einem Sturz bedauerlicherweise aus, gab aber Entwarnung: “Zum Glück ist nichts passiert, es hätte auf jeden Fall schlimmer ausgehen können. Dafür bin ich dankbar. Wir greifen wieder an.”
Elf Medaillen und Rang elf im Medaillenspiegel
Insgesamt gewann das deutsche Team bei der Para-Leichtathletik-WM sechs Goldmedaillen (Felix Streng: 100m, 200m; Johannes Floors: 400m; Markus Rehm: Weitsprung; Max Marzillier: 400m; Niko Kappel: Kugelstoßen), zweimal Silber (Johannes Floors: 100m; Léon Schäfer: Weitsprung) und dreimal Bronze (Lindy Ave: 400m; Andreas Walser: Weitsprung; Jule Roß: 400m). Mit dieser Bilanz belegt Deutschland Platz elf im Medaillenspiegel, hinter Nationen wie Brasilien, China und Gastgeber Indien.
Bundestrainerin Marion Peters zog ein äußerst positives Fazit: “Das Fazit fällt mehr als positiv aus. Wir haben elf Medaillen gewonnen, haben Rang elf im Medaillenspiegel gewonnen und gezeigt: Wir sind wieder zurück.” Sie hob die Teamstruktur und die Leistungen der Top-Athleten hervor und nannte Max Marzillier, Jule Roß und Andreas Walser als große positive Überraschungen. Auch dem Ausrichter Neu-Delhi zollte sie Lob für die Organisation trotz der Herausforderungen.
Die Weltmeisterschaft in Neu-Delhi markiert einen wichtigen Schritt für das deutsche Para-Leichtathletik-Team auf dem Weg zu den Paralympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Die gezeigten Leistungen und die positive Entwicklung geben Grund zur Zuversicht für die kommenden Jahre.

