Hohe Kosten bei Lebensversicherungen: Wenn die Rendite schmilzt

Lebensversicherungen sind für viele Deutsche ein zentraler Baustein der Altersvorsorge. Doch hohe Kosten können die Rendite erheblich schmälern und im schlimmsten Fall dazu führen, dass die eingezahlten Beiträge nicht ausreichen, um spätere Versorgungslücken zu schließen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat daher die Kostenbelastung von Lebensversicherungsanlageprodukten genauer unter die Lupe genommen und dabei Defizite im Produktfreigabeverfahren sowie im Umgang mit Interessenkonflikten im Vertrieb aufgedeckt. mehr über die Lebensversicherung Auszahlung Allianz erfahren.

Versicherungsanlageprodukte und ihre Kostenstruktur

Versicherungsanlageprodukte, oft auch als fondsgebundene Lebensversicherungen oder Policen mit Sparanteil bekannt, sind darauf ausgelegt, Kapital für die Zukunft anzulegen. Sie sind Marktschwankungen ausgesetzt und können in verschiedenen Formen angeboten werden. Die Europäische Union hat durch die sogenannte PRIIPs-Verordnung (“Packaged Retail and Insurance-Based Investment Products”) spezielle Informationspflichten für solche Produkte geschaffen. Ein zentraler Aspekt ist die Ausweisung der sogenannten Effektivkosten. Diese geben an, wie stark die jährliche Rendite eines Produkts durch alle anfallenden Gebühren gemindert wird. Versicherer sind verpflichtet, ihre Kunden vor Vertragsabschluss über diese Effektivkosten zu informieren und die Daten für Musterverträge im Basisinformationsblatt zu veröffentlichen.

Wenn Kosten die Rendite auffressen

Hohe Effektivkosten können ein Indikator für ein mangelhaftes Preis-Leistungs-Verhältnis sein. Dies widerspricht den Anforderungen an das Produktfreigabeverfahren, das sicherstellen soll, dass die Produkte den Bedürfnissen und Merkmalen der Zielkunden entsprechen. Insbesondere bei fondsgebundenen Lebensversicherungen steht das Preis-Leistungs-Verhältnis europaweit im Fokus der Aufsichtsbehörden. Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) hat hierzu Leitlinien veröffentlicht.

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Darüber hinaus können hohe Kosten auch auf Interessenkonflikte im Vertrieb hindeuten, die durch hohe Provisionszahlungen an Vermittler entstehen. Dies ist ein Bereich, den die BaFin im Rahmen ihrer Überwachungstätigkeit genau betrachtet. Stellt die BaFin Mängel fest, fordert sie die Unternehmen zur Beseitigung auf und kann gegebenenfalls auch Anordnungen erlassen.

BaFin-Umfrage deckt Kostenspread auf

Im vergangenen Jahr hat die BaFin deutsche Lebensversicherer befragt, um sich einen branchenweiten Überblick über die Effektivkosten zu verschaffen. Die Ergebnisse zeigen teils erhebliche Unterschiede zwischen den Anbietern und Produkten. Insbesondere bei fondsgebundenen Lebensversicherungen wurden Effektivkosten ermittelt, die teilweise deutlich über 4 Prozent liegen. Bei solchen Kosten muss die zugrundeliegende Kapitalanlage bereits sehr hohe Renditen erzielen, damit für den Kunden überhaupt noch ein Anlagegewinn verbleibt.

Die BaFin hat dabei die Kosten für klassische Sparprodukte mit Zinsgarantie und für fondsgebundene Produkte analysiert. Für die meistverkauften Produkte im ersten Halbjahr 2021 wurden die Effektivkosten nach Eintrittsalter und Vertragslaufzeit aufgeschlüsselt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass kürzere Vertragslaufzeiten tendenziell mit höheren Effektivkosten einhergehen.

Rückvergütungen: Ein zweischneidiges Schwert

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Rückvergütungen, die Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) an Lebensversicherer oder auch direkt an Vermittler zahlen. Diese Rückvergütungen werden aus den Fondskosten finanziert. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen werden diese Rückvergütungen oft über spezielle Überschussanteile an die Versicherungsnehmer weitergegeben. Die BaFin-Abfrage ergab, dass dies bei einem Großteil des Neugeschäfts geschieht.

Allerdings gibt es auch Fälle, in denen diese Rückvergütungen nicht oder nur unzureichend an die Kunden weitergegeben werden. Dies kann dazu führen, dass die Versicherungsnehmer nicht angemessen an den Erträgen beteiligt werden, was die Rendite weiter schmälert. Zudem können diese Praktiken die Transparenz über die tatsächlichen Abschluss- und Vertriebskosten erschweren und den Kunden einen falschen Eindruck von der Gesamtkostenbelastung vermitteln.

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Interessenkonflikte im Vertrieb und ihre Folgen

Wenn Vermittler Rückvergütungen von KVGen erhalten, besteht die Gefahr, dass sie Kunden bevorzugt Fonds mit hohen Rückvergütungen empfehlen, unabhängig davon, ob diese die beste Wahl für den Kunden darstellen. Um solche Interessenkonflikte wirksam zu managen, ist es für Lebensversicherer unerlässlich, die Höhe der Rückvergütungen zu kennen. Fehlt diese Transparenz, kann dies die gesetzlichen Vorgaben zur Vertriebsvergütung unterlaufen und das Preis-Leistungs-Verhältnis aus Kundensicht negativ beeinflussen.

Die BaFin wird die Entwicklungen in diesem Bereich weiterhin aufmerksam beobachten und gegebenenfalls regulatorische Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass die Interessen der Versicherungsnehmer gewahrt bleiben und die Altersvorsorgeprodukte ihren Zweck erfüllen.

Verfasst von:
Dr. Guido Werner
Roland Paetzold
Grundsatzreferat Lebensversicherungen


Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im BaFinJournal wieder und wird nicht nachträglich aktualisiert.