Lebensversicherungen spielen in der Finanzplanung eine wichtige Rolle und können für verschiedene Zwecke eingesetzt werden, sei es als Altersvorsorge, zur finanziellen Absicherung der Hinterbliebenen im Todesfall, als Tilgungsträger für Kredite oder zur Besicherung von Darlehen. Doch welche Vorteile und Nachteile bergen sie, und worauf sollten Verbraucher vor und nach dem Abschluss eines Vertrages achten? Dieser Leitfaden beleuchtet die wichtigsten Aspekte.
Die Vielseitigkeit von Lebensversicherungen
Grundsätzlich bieten Lebensversicherungen vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Die gezahlten Prämien können unter bestimmten steuerlichen Bedingungen als Sonderausgaben absetzbar sein, insbesondere wenn die Auszahlung in Form von Rentenzahlungen erfolgt. Allerdings ist zu beachten, dass diese Regelungen im Rahmen der Lohnsteuerreform 2016 angepasst wurden und für Neuanträge nur noch eingeschränkt gelten.
Nachteile und Risiken von Lebensversicherungen
Trotz ihrer potenziellen Vorteile sind Lebensversicherungen nicht ohne Nachteile. Eine der größten Einschränkungen ist die geringe Flexibilität. Bei unerwartetem Kapitalbedarf während der Vertragslaufzeit können vorzeitige Kündigungen zu erheblichen Verlusten führen. Dies liegt daran, dass Teile der Prämien für den Ablebenschutz und die Verwaltungskosten des Versicherers unwiederbringlich verloren sind. Hinzu kommen oft hohe Vermittlungsprovisionen, die sich ebenfalls auf die Rendite auswirken. Die Kapitalbindung ist zudem oft langwierig.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Gewinnbeteiligung, die häufig unverbindlich ist und somit keine feste Rendite garantiert.
Wann ist eine Lebensversicherung möglicherweise überflüssig?
Für die reine Absicherung von Hinterbliebenen ist oft eine Risikolebensversicherung, die ausschließlich den Todesfall abdeckt, die kostengünstigere und passendere Wahl. Diese kann flexibler an die individuelle Lebenssituation angepasst werden, beispielsweise für die Dauer der Ausbildung von Kindern, und bietet in der Regel höhere Versicherungssummen zu geringeren Kosten als eine gemischte Er- und Ablebensversicherung.
Wichtige Überlegungen vor Vertragsabschluss
Der Abschluss einer Lebensversicherung ist eine langfristige finanzielle Verpflichtung. Bevor Sie sich für ein bestimmtes Produkt oder einen Anbieter entscheiden, ist eine umfassende Informationsbeschaffung unerlässlich.
Art der Versicherung verstehen
Es ist entscheidend, die verschiedenen Arten von Lebensversicherungen zu unterscheiden:
- Er- und Ablebensversicherung: Zahlt Kapital nach Ablauf einer bestimmten Laufzeit (Erlebensfall) oder im Todesfall der versicherten Person (Ablebensfall).
- Ablebensversicherung: Eine reine Risikovorsorge, die nur im Todesfall eine vertraglich vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen auszahlt.
- Prämiengeförderte Zukunftsvorsorge: Eine spezielle Form, die staatlich gefördert wird, deren Erträge jedoch oft bescheiden ausfallen und die staatliche Prämie nicht garantiert ist.
Es ist ratsam, Berechnungen zur „Pensionslücke“ kritisch zu hinterfragen und den AK Pensionsrechner für eine realistische Einschätzung der staatlichen Pension zu nutzen.
Finanzielle Belastbarkeit prüfen
Stellen Sie sicher, dass Sie die Prämien auch in finanziell schwierigeren Zeiten aufbringen können, um eine vorzeitige und verlustreiche Kündigung zu vermeiden. Berücksichtigen Sie dabei nicht nur die Grundprämie, sondern auch mögliche Nebenkosten und dynamische Anpassungen.
- Dynamisierungsklauseln: Während die automatische Anpassung der Leistung an die Inflation oder einen Index (z.B. um 4% jährlich) dem Werterhalt dienen kann, kann sie auch zu einer überproportionalen Erhöhung der Prämien führen, insbesondere aufgrund steigender Risikokosten im Alter und der damit verbundenen Gebühren, die einem Neuabschluss ähneln. Überprüfen Sie genau, wie sich solche Erhöhungen auf die Prämienhöhe auswirken. Bei Bedarf kann auf die Dynamik verzichtet werden, um die Kosten stabil zu halten.
- Zahlweise der Prämien: Regelmäßige Zahlungen (monatlich, viertel- oder halbjährlich) sind oft mit sogenannten Unterjährigkeitszuschlägen verbunden, die die Gesamtkosten erheblich erhöhen können. Die jährliche Zahlweise ist in der Regel die kostengünstigste Option. Der AK Versicherungsspesenrechner kann hier zur Kalkulation wertvolle Dienste leisten.
Sinnhaftigkeit von Zusatztarifen
Zusätzliche Optionen wie Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen können die Prämie stark ansteigen lassen. Prüfen Sie kritisch, ob diese Leistungen wirklich notwendig sind und ob sie nicht günstiger als Einzelpolizzen erhältlich wären. Ein Vergleich mit Angeboten für Einzeltarife ist hier empfehlenswert.
Kosten und Rendite vergleichen
- Mehrere Angebote einholen: Die Kostenstrukturen von Versicherungen können stark variieren. Eine Erhebung der Arbeiterkammer zeigte Unterschiede von mehreren hundert Euro bei den Abschlusskosten zwischen verschiedenen Anbietern. Ein genauer Kostenvergleich ist daher unerlässlich.
- Garantiezinssätze beachten: Seit 2016 ist die Angabe des effektiven Garantiezinssatzes, der die Kosten bereits berücksichtigt, verpflichtend. Eine weitere wichtige Kennzahl ist die effektive Gesamtverzinsung, die den voraussichtlichen Ertrag nach Kosten angibt. Eine detaillierte Kostenübersicht muss Kunden vor Vertragsabschluss zur Verfügung gestellt werden. Die „Sparprämie“ – der Anteil der Prämie, der nicht für Kosten und Risiken verwendet wird – ist ebenfalls ein wichtiger Indikator.
- Garantierte vs. unverbindliche Leistungen: Unterscheiden Sie klar zwischen vertraglich zugesicherten Leistungen und unverbindlichen Prognosen, die oft auf aktuellen Gewinnbeteiligungen beruhen und sich ändern können. Die Differenzen zwischen garantierten und prognostizierten Endbeträgen können erheblich sein.
Rücktrittsrecht nutzen
Verbraucher haben bei Lebensversicherungen ein 30-tägiges Rücktrittsrecht nach Vertragsabschluss. Dieses bietet eine wichtige Absicherung, um den Vertrag nochmals zu überdenken oder von einem besseren Angebot Gebrauch zu machen.
Was tun bei vorzeitiger Kündigung?
Eine vorzeitige Auflösung eines Lebensversicherungsvertrags kann kostspielig sein. Informieren Sie sich daher gründlich über die Kündigungsmodalitäten und die damit verbundenen Rückkaufswerte. Diese Werte, die in der Police ausgewiesen sein müssen, sind in den ersten Vertragsjahren oft deutlich niedriger als die eingezahlten Prämien.
Als Alternative zur Kündigung bietet sich die Prämienfreistellung oder Teilprämienfreistellung an. Dabei wird die Prämienzahlung ausgesetzt, der Vertrag läuft jedoch mit einer reduzierten Vertragssumme weiter. Beachten Sie, dass auch in diesem Fall Verwaltungskosten anfallen können. Das Online-Tool „Versicherung kündigen“ kann hierbei unterstützend wirken.
Vertragsende: Rente oder Kapitalleistung?
Am Ende der Vertragslaufzeit stehen Verbraucher oft vor der Wahl zwischen einer lebenslangen monatlichen Rentenzahlung oder einer einmaligen Kapitalleistung. Ein Vergleich der prognostizierten Rentenzahlungen über eine angenommene Lebensspanne mit der sofort verfügbaren Kapitalleistung ist ratsam. Die Entscheidung hängt nicht nur von der erwarteten Inflation ab, sondern auch von Ihrem persönlichen Kapitalbedarf, beispielsweise zur Tilgung von Schulden oder für größere Anschaffungen.
Wir hoffen, dieser Leitfaden gibt Ihnen wertvolle Einblicke und unterstützt Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung rund um das Thema Lebensversicherungen.

