Kürbiskerne: Kleine Kraftpakete für Gesundheit und Wohlbefinden

Kürbisse sind nicht nur ein Symbol des Herbstes und ein vielseitiges Gemüse in der Küche, sondern ihre Kerne bergen wahre Schätze für unsere Gesundheit. Während das Fruchtfleisch oft im Mittelpunkt steht, werden die Kerne häufig unterschätzt. Doch gerade sie sind wahre Nährstoffbomben, reich an wertvollen Fettsäuren wie Linolsäure, essentiellen Spurenelementen wie Mangan, Selen und Zink, sowie den Vitaminen B1 und E und sekundären Pflanzenstoffen. Die einzigartigen Eigenschaften von Kürbiskernen und dem daraus gewonnenen Öl machen sie zu einem “Superfood” mit medizinischer Bedeutung. Erfahren Sie mehr über gesunde Ernährungsgewohnheiten.

Von der Frucht zur Nährstoffquelle: Die Evolution des Kürbisses

Die ursprüngliche Züchtung von Kürbissen erfolgte primär wegen ihrer nahrhaften Kerne. Das Fruchtfleisch des “Urkürbis” war aufgrund des bitteren und giftigen Stoffes Cucurbitacin für den Verzehr ungeeignet. Erst durch die Entwicklung von Kulturformen, bei denen dieser Bitterstoff herausgezüchtet wurde, avancierte der Kürbis auch zu einem beliebten Gemüse. Die konzentrierte Ladung an Nährstoffen und medizinisch wirksamen Substanzen verblieb jedoch in den Kernen. Insbesondere der steirische Ölkürbis, dessen Kerne kaum Schale besitzen, wird auch heute noch gezielt wegen seiner charakteristischen, dunkelgrünen Kerne angebaut.

Kürbiskernöl: Flüssiges Gold mit gesundheitlichem Mehrwert

Der hohe Anteil an wertvollen Inhaltsstoffen der Kürbiskerne spiegelt sich auch im Kürbiskernöl wider. Ungesättigte Fettsäuren wie Linolsäure, verschiedene Vitamine und Vitaminvorstufen wie Vitamin E (Tocopherol) sowie Carotinoide sind hier reichlich vorhanden. Kürbiskernöl liefert somit wichtige antioxidative und entzündungshemmende Komponenten, die zur Prävention von Krankheitsrisiken, insbesondere im Bereich der Augen- und Herz-Kreislauf-Gesundheit, beitragen können.

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Für medizinische Zwecke werden sowohl kaltgepresstes als auch mittels chemischer Verfahren gewonnenes Kürbiskernöl eingesetzt. Diese Öle sind heller und weisen einen milderen Geschmack auf als das bekannte steirische Kürbiskernöl. Letzteres wird durch Röstung beim Herstellungsprozess veredelt, was ihm seinen typischen, intensiven und nussigen Geschmack verleiht. Interessanterweise bleibt das Fettsäureprofil auch nach der Röstung relativ stabil, und das Öl lässt sich zudem länger lagern als kaltgepresstes Kürbiskernöl.

Kürbiskern-Pesto: Eine köstliche Art, von den Kernen zu profitieren

Kürbiskerne sind nicht nur gesund, sondern auch eine fantastische Zutat für kulinarische Kreationen. Ein Kürbiskern-Pesto ist eine wunderbare Möglichkeit, die wertvollen Inhaltsstoffe auf schmackhafte Weise zu genießen.

Nährstoffreich und blutzuckerfreundlich: Die Power der Kürbiskerne

Im Gegensatz zum kalorienarmen Kürbisfruchtfleisch sind Kürbiskerne, ähnlich wie Nüsse und andere Kerne, nährstoff- und kalorienreich. 100 Gramm Kürbiskerne liefern etwa 559 Kilokalorien, eine beachtliche Menge an Ballaststoffen und rund 36 Gramm Protein – mehr als beispielsweise Hühnerbrust oder Thunfisch. Für eine rein pflanzliche Ernährung sind sie zudem eine exzellente Quelle für Zink und Magnesium.

Mit ihrem sehr niedrigen glykämischen Index eignen sich Kürbiskerne hervorragend als gesunder Snack, insbesondere für Menschen mit Typ-2-Diabetes, da sie den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen. Der hohe Fettanteil von knapp 50 Gramm pro 100 Gramm besteht größtenteils aus einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Rund 21 Gramm sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Linolsäure. Eine Ernährung, die reich an Linolsäure ist, kann zur Normalisierung des Cholesterinspiegels beitragen und wird sogar mit einem präventiven Effekt gegen Krebs in Verbindung gebracht.

Kürbiskernöl in der Kosmetik: Pflege für Haut und Haar

Dank seiner entzündungshemmenden, antiseptischen und antiallergischen Eigenschaften findet Kürbiskernöl auch als Trägeröl in der Kosmetik Anwendung. Es hält die Haut geschmeidig und ist sowohl für trockene als auch für fettige Hauttypen geeignet. Darüber hinaus wird es zur Pflege bei Haarausfall und zur Nagelpflege eingesetzt.

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Phytosterine im Kürbiskernöl: Ein Baustein zur Cholesterinsenkung?

Ein weiterer medizinisch relevanter Inhaltsstoff ist ß-Sitosterol, ein Phytosterin. Phytosterine ähneln dem menschlichen Cholesterin und werden beispielsweise in “Functional Food” wie Margarine eingesetzt, um den Cholesterinspiegel zu senken. Dies erfordert jedoch eine erhebliche tägliche Aufnahme von etwa eineinhalb bis drei Gramm Phytosterinen. Ob eine alleinige Zufuhr durch Kürbiskerne oder Kürbiskernöl ausreicht, ist fraglich. Zudem wird kontrovers diskutiert, ob und für wen die Senkung des Cholesterinspiegels durch pflanzliche Phytosterine generell sinnvoll ist.

Kürbiskerne und Prostatavergrößerung: Linderung von Symptomen

Studien mit Kürbiskernextrakten, die der täglichen Aufnahme von etwa zwei Esslöffeln Kürbiskernen entsprechen, zeigten eine moderate Linderung der Symptome einer gutartigen Prostatavergrößerung. Es wird vermutet, dass ß-Sitosterol hierbei eine Rolle spielt, indem es die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmt. Im Gegensatz zu synthetischen Medikamenten, die denselben Mechanismus verfolgen, können Kürbiskernpräparate die Prostata jedoch nicht verkleinern. Der Wirkmechanismus beruht wahrscheinlich auf einem polyvalenten pharmakologischen Profil, also auf vielfältigen, unterschiedlichen medizinischen Wirkungen. In Deutschland und Österreich werden Kürbiskernpräparate häufig bei gutartiger Prostatavergrößerung eingesetzt. In den USA sind Präparate aus Sägepalmenextrakt (Sabal serrulata), der ebenfalls ß-Sitosterol enthält, gebräuchlicher. Oft werden Kürbiskerne und Sägepalmenextrakte zur Linderung von Prostatabeschwerden kombiniert.

Unklare Studienlage bei Prostatabeschwerden

Trotz der Anwendung ist die wissenschaftliche Evidenz bezüglich einer deutlichen Überlegenheit von Kürbispräparaten gegenüber Placebo nicht eindeutig. Da diese Therapie jedoch keine schwerwiegenden Nebenwirkungen hat, wird sie Patienten empfohlen, die synthetische Behandlungen ablehnen.

Wirkung von Kürbiskernen bei Reizblase

Bei einer überaktiven Blase, auch Reizblase genannt, ist die Blasenmuskulatur übermäßig aktiv, was zu häufigem Harndrang führt, unabhängig vom Füllstand der Blase. Dies kann sowohl tagsüber als auch nachts störend sein und den Schlaf beeinträchtigen, insbesondere bei Frauen, die häufiger betroffen sind. Die Wirkstoffe in Kürbiskernen wie Linolsäure, Carotinoide und Tocopherole, sowie Spurenelemente wie Mangan und Selen, könnten zur Entspannung der Muskulatur beitragen und somit die Symptome lindern. Eine ergänzende Maßnahme kann ein spezielles Blasentraining sein.

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Kürbiskernöl und Haarausfall: Ein Blick auf die Forschung

Eine südkoreanische Studie wird oft als Beleg für die Wirksamkeit von Kürbiskernen bei erblich bedingtem Haarausfall bei Männern zitiert. Allerdings enthielt das verwendete Präparat neben Kürbiskernen auch zahlreiche andere pflanzliche Inhaltsstoffe, was eine eindeutige Zuordnung der Wirkung erschwert. Es ist unklar, ob der Effekt auf den Kürbisanteil oder die anderen Bestandteile zurückzuführen ist. Es wird diskutiert, dass die günstigen Wirkungen möglicherweise primär durch die entzündungshemmenden Substanzen erklärt werden können.

Der Gehalt an Spermidin in Kürbiskernen: Ein vielversprechendes Forschungsfeld

Kürbiskerne und Kürbiskernöl enthalten auch Spermidin, eine körpereigene Substanz, deren Einfluss auf Alterungsprozesse, Demenz, Krebs und Infektionskrankheiten wie SARS-CoV-2 derzeit intensiv erforscht wird. Die genaue Rolle einer erhöhten Aufnahme durch die Nahrung ist jedoch noch unklar.

Experten und weitere Informationen

Einblick in die Thematik geben das Deutsche Medizinhistorische Museum Ingolstadt und die Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde in Bamberg. Die Sendung “Visite” im BR Fernsehen thematisierte das Thema am 21.10.2025.

Kulinarische Vielfalt: Hokkaido-Quiche mit Tomaten und Kürbiskernen

Eine köstliche Art, Kürbiskerne zu genießen, ist in Form einer Quiche. Diese Hokkaido-Quiche, verfeinert mit Tomaten und Kürbiskernen, bietet ein herzhaftes Geschmackserlebnis. Der Teig wird aus Dinkelmehl zubereitet und mit Zwiebeln, Tomaten und Kürbisspalten belegt.

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Ernährung