Die Welt des Kryptogeldes hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung durchgemacht, die nicht nur von technischen Innovationen, sondern auch von einem beispiellosen Marketing geprägt war. Stars aus Film, Musik und Sport haben ihre Popularität genutzt, um für Kryptowährungen, Handelsplattformen und NFTs zu werben. Namen wie Kim Kardashian, Madonna, LeBron James und Justin Bieber sind nur einige der prominenten Persönlichkeiten, die sich in diesem lukrativen, aber auch umstrittenen Geschäft engagiert haben. Doch nach dem Krypto-Crash und dem Zusammenbruch von Börsen wie FTX werden diese Werbeaktionen nun kritisch hinterfragt und führen zu rechtlichen Auseinandersetzungen. Dieser Beitrag beleuchtet das gefährliche Spiel mit dem Kurs und die Rolle von Prominenten in der Kryptowerbung.
Der Hype um Kryptowährungen und die Macht der Stars
Das Jahr 2021 und der Beginn 2022 markierten den Höhepunkt des Krypto-Booms. Bitcoin und andere Kryptowährungen erreichten Rekordhöhen, und der Markt für Non-Fungible Tokens (NFTs) erlebte einen regelrechten Run. Hollywood-Größen wie Matt Damon warben für Kryptobörsen mit Slogans wie „Glück gehört den Mutigen“. Paris Hilton tauschte sich in Late-Night-Shows über ihre NFT-Sammlung aus, während Gisele Bündchen und Tom Brady als Testimonials für die US-Kryptobörse FTX auftraten. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung waren die Werbespots von Kryptounternehmen wie FTX, eToro, Crypto.com und Coinbase während der Superbowl-Pause im Februar 2022. Diese massive Präsenz in den Medien und die Beteiligung von Stars schürten die Begeisterung und lockten viele Anleger an, oft getrieben von der Angst, etwas zu verpassen (FOMO – Fear of Missing Out).
Ein Bild eines Aktienkurses, mit einigen Münzen darauf. Dazu der Text: #Krypto #Werbung #Stars
Der Absturz und die juristischen Folgen
Zwei Jahre nach dem Hype hat sich das Bild drastisch gewandelt. Der Zusammenbruch von FTX hinterließ viele Anleger mit erheblichen Verlusten, und der Gründer Sam Bankman-Fried sieht sich in den USA mit rechtlichen Konsequenzen konfrontiert. Der Wert von Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist stark gefallen, was als „Kryptowinter“ bezeichnet wird. Dieser Marktabschwung führte auch zu einem Rückgang der Werbedeals mit Stars.
Darüber hinaus sehen sich Prominente, die für Kryptowerte geworben haben, nun mit Klagen konfrontiert, insbesondere wenn sie nicht offengelegt haben, dass sie für ihre Werbung bezahlt wurden. Im Fall von Kim Kardashian führte ihre Instagram-Werbung für EMAX-Token trotz Kennzeichnung als „#AD“ zu einer Klage, da das Gericht befand, dass die Kennzeichnung nicht ausreichte, um die erhaltene Bezahlung von 250.000 Dollar zu verdeutlichen. Der EMAX-Token fiel nach einem kurzen Anstieg rapide, und Kardashian wurde zu 1,26 Millionen Dollar verklagt und mit einem dreijährigen Werbeverbot für Kryptoassets belegt. Auch gegen FTX, Yuga Labs und Moonpay laufen Sammelklagen in den USA, an denen Prominente wie Paris Hilton, Snoop Dogg, Jimmy Fallon, Justin Bieber und Madonna beteiligt sind.
Diese Art der Werbung ist kein rein amerikanisches Phänomen. In Europa werden ebenfalls Stimmen laut, die sich kritisch mit der Beeinflussung von Kryptokursen durch Werbung auseinandersetzen. Netflix hat Kryptowerbung verboten, und auch die UEFA hat entsprechende Richtlinien eingeführt. Facebook/Meta hingegen hat ein früheres Verbot aufgehoben. In Deutschland sind Sammelklagen dieser Art zwar nicht möglich, aber die Erfahrungen mit der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre zeigen, dass der Nachweis eines kausalen Zusammenhangs zwischen Werbung und Kauf vor Gericht schwierig sein kann.
Regulatorische Reaktionen und Verbraucherschutz
Viele Faktoren beeinflussen Kryptokurse, darunter Angebot und Nachfrage, politische Entscheidungen, Zinserhöhungen und Regulierungsbestrebungen. Die Geschichten von Bitcoin-Millionären befeuern zudem FOMO-Effekte, die durch gezieltes Marketing verstärkt werden. Angesichts der Risiken wird auch in Europa über die Regulierung von Kryptowerbung diskutiert. Großbritannien hat beispielsweise ein Verbot für die Werbung mit virtuellen Währungen eingeführt, das mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden kann.
Eine Studie des europäischen Verbraucherverbands BEUC mit dem Titel „Hype or harm“ untersucht die Gefahren von Krypto-Werbung in sozialen Medien. Die Studie identifiziert Plattformen wie Instagram, YouTube, Twitter und TikTok als Hauptakteure, die irreführende Werbung für Kryptoassets unterstützen. BEUC hat Beschwerden bei der EU-Kommission und nationalen Verbraucherschutzbehörden eingereicht. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Debatte über die Regulierung und die demokratischen Auswirkungen des Krypto-Geschäfts noch lange nicht abgeschlossen ist. Es ist entscheidend, dass Verbraucher:innen über die Risiken aufgeklärt werden und dass klare Regeln für die Werbung in diesem Sektor geschaffen werden, um sie vor finanziellen Verlusten zu schützen.
