Luka Modric: Kroatiens ewiger Kapitän und die Nationalmannschaft

Schon lange gilt er als alter Fussballer, doch Luka Modric kickt die Zweifel weg.

Luka Modric, das Herzstück der kroatischen Fussballnationalmannschaft, verkörpert eine Geschichte von unermüdlicher Leidenschaft und außergewöhnlicher Langlebigkeit im Profifußball. Während viele seiner Zeitgenossen längst ihre Karriere beendet haben, denkt der mittlerweile 40-jährige Mittelfeldregisseur nicht ans Aufhören, sondern blickt fest auf die nächste Weltmeisterschaft. Seine Präsenz auf dem Spielfeld ist nach wie vor entscheidend, nicht nur für seinen Verein, sondern auch für die Ambitionen der kroatischen Fussballnationalmannschaft. Seine Leistungen sind untrennbar mit den Erfolgen Kroatiens verbunden, die er mit seiner unvergleichlichen Spielintelligenz und Führungsstärke maßgeblich prägt. Modric beweist eindrucksvoll, dass Alter im Sport lediglich eine Zahl ist, wenn die Hingabe und die Liebe zum Spiel ungebrochen bleiben.

Ein Karrierehöhepunkt nach dem anderen: Modrics unglaubliche Bilanz

Modrics Weg ist gespickt mit Rekorden und Auszeichnungen, die ihn zu einem der größten Mittelfeldspieler aller Zeiten machen. Sein Zähler steht nach über 900 Klubmatches und 191 Länderspielen bei unvorstellbaren 81.299 gespielten Minuten. Im Jahr 2018 unterbrach er als einziger Spieler eine zwölfjährige Doppelherrschaft von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo beim Ballon d’Or, eine Anerkennung seiner überragenden individuellen Leistungen und seiner Bedeutung für das Spiel. Mit 28 Titeln gewann er mehr als jeder andere in der Geschichte von Real Madrid und führte die kroatische Nationalmannschaft durch den Turnierbaum der WM 2022 zu weiteren Erfolgen, die Kroatien weltweit bekannt machten. Der komplizierte Außenristpass wurde durch ihn zu einer lässigen Standardübung, ein Markenzeichen seiner technischen Brillanz. Trainer, Teamkollegen und Fans können immer noch nicht genug von ihm bekommen – und er selbst sowieso nicht, denn die Motivation kommt aus seinem Innersten.

Abschied von Real und der Triumph in Mailand

Im Mai wurde Luka Modric im Santiago-Bernabéu-Stadion in Madrid verabschiedet. Obwohl Real Madrid der Meinung war, es sei an der Zeit für einen Abschied, wollte Modric gerne bleiben. Es gab Tränen, herzliche Hommagen und die allgemeine Annahme, dass er seine Karriere nun in Saudi-Arabien oder den USA ausklingen lassen würde, ähnlich wie Ronaldo, Messi und viele andere Größen seiner Generation. Doch Modric, unermüdlich wie eh und je, schraubte zunächst bei der Klub-WM sein Saisonpensum auf beeindruckende 76 Partien, mehr als jeder andere Profi europaweit. Danach flog er nach Mailand, um einen Vertrag bei der AC Milan zu unterschreiben und ein neues Kapitel aufzuschlagen.

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Wenige Monate später gilt der Vorjahresachte Milan als ernsthafter Titelkandidat und hat kürzlich im bisher besten Serie-A-Match der Saison den Titelverteidiger Napoli besiegt. Die italienischen Medien sind voll des Lobes für Modric, der als treibende Kraft hinter diesem Aufschwung gilt. Modric ist unter anderem der Ligaprofi mit den meisten erfolgreichen Pässen und ist auch in Kategorien wie Balleroberungen und Laufleistung im statistischen Spitzenfeld zu finden. Vor allem aber hat er einer desorientierten Mannschaft wieder einen Kompass gegeben und sie neu ausgerichtet.

Schon lange gilt er als alter Fussballer, doch Luka Modric kickt die Zweifel weg.Schon lange gilt er als alter Fussballer, doch Luka Modric kickt die Zweifel weg.

Italiens Nationaltrainer Gennaro Gattuso bringt es auf den Punkt: „Modric ist ein Gigant, von ihm lernt man schon beim Zusehen.“ Die spanische Sportzeitung „As“ bedauerte sogar: „War Modric hier wirklich überschüssig?“, was die anhaltende Hochachtung vor seinen Fähigkeiten unterstreicht.

Die Serie A: Ein Refugium für erfahrene Meister

Bei Bekanntwerden des Wechsels konnte man unweigerlich an eine ergreifende Szene von der EM 2024 denken. Kroatien war gerade durch ein spätes Gegentor in der achten Minute der Nachspielzeit gegen Italien ausgeschieden, doch zuvor war Modric zum ältesten Torschützen der Turniergeschichte avanciert. Trotz des bitteren Ausscheidens wurde er für seine überragende Leistung zum „Mann des Spiels“ gewählt und musste als solcher in der offiziellen Pressekonferenz erscheinen. Der Kapitän sprach leise, wirkte gebrochen, und alle rechneten damit, dem Ende seiner Nationalmannschaftskarriere beigewohnt zu haben. Doch entgegen den üblichen Gepflogenheiten einer Fragestunde hob ein italienischer Reporter zu einer Eloge auf ihn an, die in der Bitte gipfelte, er möge nie mit dem Fussball aufhören. Modrics Miene hellte sich auf, seine Augen wurden feucht, und er bedankte sich „aus tiefstem Herzen“.

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Diese Wertschätzung mag ein wichtiger Faktor für seine Entscheidung gewesen sein. Die Serie A, Italiens höchste Fussballliga, gilt als ein Paradies für reife Spieler. Das Durchschnittsalter ihrer Profis liegt ein Jahr über dem europäischen Schnitt, und in der Vergangenheit verlängerten dort schon Größen wie Paolo Maldini, Billy Costacurta, Zlatan Ibrahimović – alle bei der AC Milan –, Francesco Totti, Gianluigi Buffon oder Javier Zanetti ihre Karriere bis ins fünfte Lebensjahrzehnt. Die Tradition der „Senatoren“, das etwas gemächlichere Tempo und die dafür umso größere Bedeutung von Taktik, Erfahrung und Spielverständnis – all das trotzt dem Jugendtrend im übrigen Fussball.

Der Stürmer Ibrahimović verhalf dem Klub mit 40 noch zur bis heute letzten Meisterschaft 2022, der Verteidiger Costacurta spielte mit 41 noch Champions-League-Minuten auf dem Weg zum bis heute letzten Europacup-Sieg 2007. Doch einen 40-jährigen Stammspieler im zentralen Mittelfeld, der laufintensivsten und körperlich anspruchsvollsten Position des Fussballs – das hat selbst Mailand noch nicht gesehen und unterstreicht Modrics Ausnahmestellung. Modrics Mailänder Teamkollege Adrien Rabiot sagte, ihm „fehlen die Worte“, wenn er „einen 40-Jährigen mit so viel Präzision, Professionalität, Intensität und Engagement trainieren sieht“. Diese Bewunderung spricht Bände über seinen Einfluss und seine Vorbildfunktion.

Luka Modric liebt das Spiel. Hier jubelt er am Ende eines Serie-A-Spiels zwischen der AC Milan und der SSC Napoli.Luka Modric liebt das Spiel. Hier jubelt er am Ende eines Serie-A-Spiels zwischen der AC Milan und der SSC Napoli.

Die unermüdliche Liebe zum Spiel und die kroatische Seele

Zur Wahrheit gehört auch, dass ein Luka Modric in bestem Alter für Milan schlicht nicht zu bezahlen gewesen wäre. Giuseppe Marotta, Präsident des Stadtnachbarn Inter, sagte kürzlich über die ökonomischen Realitäten im Vergleich zu anderen Topligen: „Heutzutage kommen Spieler im Abschwung zu uns.“ Dennoch sei Modric ein Gewinn für die Serie A, so Marotta: „Unsere Kinder verlieben sich, wenn sie so einen Spieler sehen können.“ Modric bringt nicht nur seine Klasse in den Klub, sondern auch sein Vorbild. Bei Milan soll er ein Leader sein, Spieler wie den unsteten Außenstürmer Rafael Leão inspirieren, bei dem die Fans an einer notorischen Schere zwischen Talent und Kontinuität verzweifeln. Wenn Modric Leão nicht zur totalen Hingabe für das Spiel verleiten kann – wer dann?

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Modric profitiert davon, dass er sich nie schwer verletzt hat. Schon in Madrid arbeitete er zusätzlich mit einem Privattrainer und einem Kinesiologen zusammen. Doch so etwas machen andere auch. Die unendliche Geschichte des kleinen Luka, sie wäre nicht erklärbar ohne die Motivation, die von innen kommt; die unermüdliche Liebe zum Fussball. Diese Leidenschaft trug ihn schon durch seine Kindheit, als er im Jugoslawienkrieg seinen Großvater verlor und als Flüchtling in einem Hotel leben musste. Sie ist der Motor, der ihn antreibt und der ihn mit Sicherheit auch nächsten Sommer zur Weltmeisterschaft in Amerika tragen wird. Nicht als Frührentner in einen dortigen Soccerklub, sondern als Kapitän Kroatiens zum dann wohl 200. Länderspiel, als lebende Legende der kroatischen Fussballnationalmannschaft.

Luka Modric ist mehr als nur ein Spieler; er ist ein Symbol für Ausdauer, Talent und bedingungslose Liebe zum Fussball. Seine Geschichte inspiriert Generationen und zeigt, dass mit Leidenschaft und harter Arbeit scheinbar unüberwindbare Grenzen verschoben werden können. Die Kroatische Fussballnationalmannschaft kann sich glücklich schätzen, einen solchen Anführer in ihren Reihen zu haben, der auch mit 40 Jahren noch das Niveau und die Mentalität besitzt, um auf höchstem internationalem Niveau zu bestehen. Verfolgen Sie weiterhin die packende Reise dieses Ausnahmespielers und der talentierten kroatischen Auswahl.