Kohlenhydrate sind neben Fetten und Eiweißen einer der drei wichtigsten Grundnährstoffe und spielen eine zentrale Rolle in unserer Ernährung. Sie sind bekannt als effektive Energielieferanten, doch gleichzeitig werden sie oft als Ursache für Übergewicht und eine Reihe von Gesundheitsproblemen betrachtet. Die Rede ist von “schnellen” und “langsamen” oder “einfachen” und “komplexen” Kohlenhydraten – doch was verbirgt sich hinter diesen Begriffen und wie beeinflussen sie unseren Körper?
Die Rolle der Kohlenhydrate im Blutzuckerstoffwechsel
Kohlenhydrate sind in nahezu allen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten und bilden die Basis für Produkte, die Zucker oder Getreide enthalten. Unser Körper ist darauf ausgelegt, Kohlenhydrate zu verarbeiten, da sie die primäre Energiequelle für den Zuckerkreislauf darstellen. Chemisch gesehen bestehen Kohlenhydrate aus Zuckermolekülen, die in unterschiedlichen Kettenlängen angeordnet sind: von Einfachzuckern (Monosaccharide) über Zweifachzucker (Disaccharide) bis hin zu Mehrfachzuckern (Polysaccharide). Während der Verdauung werden diese Ketten in kleinere Bausteine zerlegt, hauptsächlich Glukose.
Glukose, auch bekannt als Traubenzucker oder Blutzucker, ist der wichtigste Energielieferant für unsere Zellen, insbesondere für das Gehirn und die Muskeln. Wenn wir kohlenhydratreiche Nahrung zu uns nehmen, zerlegt unser Verdauungssystem diese in Glukose, die dann ins Blut gelangt.
Insulin: Der Schlüssel zum Energiestoffwechsel
Das Hormon Insulin, das von der Bauchspeicheldrüse produziert wird, spielt eine entscheidende Rolle dabei, die Glukose aus dem Blut in die Zellen zu transportieren, wo sie zur Energiegewinnung verbrannt wird. Insulin fungiert hierbei wie ein Schlüssel, der die Zellwände für die Glukose öffnet. Überschüssige Glukose, die nicht sofort benötigt wird, wandelt der Körper in Glykogen (Speicherzucker) oder Fett um. Sowohl die Speicherung von Glykogen als auch die Fettbildung werden durch Insulin gefördert. Gleichzeitig hemmt Insulin den Fettabbau. Diese vielfältige Wirkung von Insulin ist ein Grund dafür, warum eine hohe Kohlenhydratzufuhr, insbesondere in Form von einfachen Zuckern, zu Gewichtszunahme und gesundheitlichen Problemen wie Prädiabetes oder Diabetes Typ 2 führen kann.
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Einfache Kohlenhydrate: Der schnelle Energie-Kick mit Folgen
Lebensmittel, die reich an einfachen Kohlenhydraten sind, lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Dazu gehören vor allem Zucker in seinen verschiedenen Formen wie Haushaltszucker, Honig, Sirup, aber auch Produkte aus Weißmehl, zuckerhaltige Getränke, Süßigkeiten und Fast Food. Diese Lebensmittel haben oft einen hohen glykämischen Index (GI), was bedeutet, dass die Glukose rasch ins Blut aufgenommen wird. Der darauf folgende schnelle Abfall des Blutzuckerspiegels kann zu Heißhungerattacken, Konzentrationsschwäche und sogar Kopfschmerzen führen.
Beispiele für Lebensmittel mit einfachen Kohlenhydraten:
- Säfte, Softdrinks, Cocktails
- Cornflakes, Frühstückscerealien
- Marmelade, süße Brotaufstriche
- Weißbrot, Toastbrot, helle Brötchen
- Kuchen, Pfannkuchen
- Süßigkeiten, Chips
- Tütensuppen
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Komplexe Kohlenhydrate: Langfristige Sättigung und Energie
Komplexe Kohlenhydrate, auch Polysaccharide genannt, sind langkettige Zuckermoleküle, die vom Körper langsamer aufgespalten werden. Dazu gehören stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffeln, Nudeln und Brot. Der Blutzuckeranstieg wird durch den Gehalt an Ballaststoffen in diesen Lebensmitteln gebremst, insbesondere in Vollkornprodukten. Komplexe Kohlenhydrate führen zu einem moderateren und länger anhaltenden Blutzuckeranstieg, was zu einer langanhaltenden Sättigung führt und Heißhungerattacken vorbeugt.
Gute Quellen für komplexe Kohlenhydrate sind:
- Gemüse
- Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen, Bohnen)
- Nüsse, Mandeln, Kerne und Samen
- Pellkartoffeln
- Vollkornbrot
- Haferflocken und andere Getreideflocken
- Quinoa, Amarant
- Vollkornreis, Vollkornnudeln
Ballaststoffe: Wichtig für Verdauung und Blutzuckerregulierung
Ballaststoffe sind unverdauliche Kohlenhydrate, die dennoch eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit spielen. Sie regen die Darmtätigkeit an, beugen Verstopfung vor und dienen als Nahrung für nützliche Darmbakterien, was die Darmflora stärkt. Bestimmte Ballaststoffe können zudem helfen, den Blutzucker- und Cholesterinspiegel zu regulieren. Resistente Stärke, die sich in abgekühlten stärkehaltigen Lebensmitteln bildet, wirkt ebenfalls wie ein Ballaststoff und kann die Verdauung positiv beeinflussen.
“Low Carb” und “Flexi Carb”: Ansätze zur Ernährungsumstellung
Die “Low Carb”-Diät konzentriert sich auf eine Reduzierung der Kohlenhydratzufuhr, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und den Fettabbau zu fördern. Sie basiert hauptsächlich auf Eiweiß- und Fettreichen Lebensmitteln, ergänzt durch Gemüse und zuckerarmes Obst. Eine kohlenhydratreduzierte Ernährung kann zum Abnehmen effektiv sein, wenn sie ausgewogen gestaltet wird.
Die “Flexi Carb”-Methode verfolgt einen flexibleren Ansatz: Sie empfiehlt, die Kohlenhydratzufuhr an den individuellen Energiebedarf anzupassen. Sportler oder körperlich aktive Menschen können mehr Kohlenhydrate zu sich nehmen als Menschen mit sitzender Tätigkeit. Generell sind komplexe Kohlenhydrate in Form von Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten für eine gesunde und nachhaltige Energieversorgung die beste Wahl.

