Die Chinesische Kobra (Naja atra) ist eine Giftschlange, die durch ihren charakteristischen Nackenschild, der bei Bedrohung aufgestellt wird, sofort erkennbar ist. Dieses imposante Merkmal, oft mit einer doppelten, mondähnlichen Zeichnung, dient als eindrucksvolle Drohkulisse und hat die Schlange zu einer Ikone in vielen Darstellungen von Gefahren gemacht. Trotz ihres Rufs als gefährliches Tier besitzt die Chinesische Kobra eigentlich ein eher ruhiges Gemüt und stellt keine übermäßig hohen Anforderungen an ihre Haltung, was sie prinzipiell zu einem interessanten Kandidaten für das Terrarium macht. Mit ihrer durchschnittlichen Größe von etwa 130 cm und einer Oberseite, die von Schwarz über Braun bis Grau variieren kann und manchmal von weißen Bändern geschmückt wird, ist sie optisch ansprechend. Die Haltung ist jedoch aufgrund ihres hochpotenten Gifts und spezifischer gesetzlicher Bestimmungen, wie der Listung im Washingtoner Artenschutzabkommen (Anhang 2), eine Herausforderung, die nur erfahrenen Haltern empfohlen wird.
Verbreitung und Lebensraum der Chinesischen Kobra
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Chinesischen Kobra erstreckt sich über Südostchina, Nordvietnam und Laos sowie die Inseln Hainan und Taiwan. Die auf Taiwan heimische Unterart wird als Naja atra formosa bezeichnet. Diese Schlangen bewohnen bevorzugt Ebenen und hügelige Gebiete bis zu einer Höhe von 2000 Metern und sind erstaunlich anpassungsfähig, was ihre Lebensräume angeht – sie finden sich sogar in der Nähe menschlicher Siedlungen. Oft suchen sie jedoch die Nähe zu Gewässern. Obwohl sie primär Bodenbewohner sind, sowohl tag- als auch nachtaktiv, klettern sie auf der Jagd nach Beute wie Vogeleiern auch auf Büsche und Bäume. Ihre meiste Zeit verbringen sie jedoch versteckt in einem sicheren Unterschlupf.
Haltung im Terrarium: Anforderungen und Einrichtung
Für eine Schlange von durchschnittlich 100-130 cm Länge, die keinen übermäßigen Bewegungsdrang hat, ist ein mittelgroßes Terrarium ausreichend. Eine Paarhaltung ist möglich, erfordert dann jedoch eine Mindestgröße des Beckens von 150 x 60 x 60 cm (Länge x Tiefe x Höhe). Eine größere Grundfläche ist generell von Vorteil, um Rückzugsmöglichkeiten für jede Schlange zu gewährleisten und die Sicherheit bei Arbeiten am Terrarium und im Umgang mit dem giftigen Tier zu erhöhen. Eine artgerechte Gestaltung ist dabei entscheidend.
Bodengrund, Verstecke und Klettermöglichkeiten
Besonders während der Häutungsphase benötigen die Tiere ausreichend Feuchtigkeit. Ein Bodengrund aus feuchter Erde, bedeckt mit einer Schicht Moos oder Laub, imitiert ihre natürlichen Lebensräume. Eine geeignete Bepflanzung sowie einige Äste bieten Kletter- und Versteckmöglichkeiten. Mehrere Höhlen, darunter eine als Wetbox, sind unerlässlich. Ein ausreichend großes Wasserbecken darf ebenfalls nicht fehlen.
- Unsere Empfehlung für die Einrichtung:
- Waldmoos (z.B. 100g)
- Schlangenhöhle (rund, Ø 26,5 x 12cm)
- Wassernapf (z.B. Repti Rock, 28x18x8cm)
Temperatur, Beleuchtung und Luftfeuchtigkeit
Die Chinesische Kobra bevorzugt moderate Temperaturen. Tagsüber sollte die Temperatur zwischen 25 und 30° C liegen, während sie nachts auf 18 bis 25° C absinken kann. Ein Wärmestrahler kann die notwendigen Temperaturen und einen Sonnenplatz bereitstellen. Falls diese Werte nicht erreicht werden, kann eine Heizmatte Abhilfe schaffen. Leuchtstoffröhren dienen der Grundbeleuchtung des Terrariums. Eine Luftfeuchtigkeit von 60-70 % wird durch regelmäßiges, zwei- bis dreimaliges Besprühen des Bodengrunds und der Einrichtung erreicht.
Reinigung und sicherer Umgang
Regelmäßige Entfernungen von Kot, Futter- und Häutungsresten sowie die ständige Sauberhaltung der Wasserschale und die Erneuerung von Laub und Moos sind unerlässlich. Der Umgang mit der Chinesischen Kobra erfordert höchste Vorsicht. Ihr Gift wirkt auf das Nerven- und Herz-Kreislauf-System und kann ohne Behandlung in bis zu zehn Prozent der Fälle tödlich enden. Symptome eines Bisses können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, lokale Schmerzen, Schwellungen, Entzündungen, Nekrosen, Lähmungserscheinungen (auch der Atemwege) umfassen. Im Notfall ist sofort der Notarzt zu rufen. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes kann eine Kompressionsbinde helfen. Das richtige Gegengift ist entscheidend zur Vermeidung von Todesfällen. Da die Schlange ihr Gift auch mehrere Meter weit spucken kann, ist äußerste Vorsicht geboten.
Die Handhabung der Tiere sollte idealerweise mit einem Schlangenhaken erfolgen. Das Tragen von Handschuhen bietet zusätzlichen Schutz. Es ist von größter Bedeutung, dass das Terrarium absolut ausbruchssicher gestaltet ist.
Ernährung der Chinesischen Kobra
Im natürlichen Lebensraum ernährt sich die Chinesische Kobra vielfältig von Nagern, anderen kleinen Säugetieren, Vögeln und deren Eiern, Fischen, Amphibien und sogar anderen Schlangen. Im Terrarium lässt sich die Ernährung jedoch unkompliziert mit Frostfutter gestalten.
- Unsere Empfehlung für Futtertiere:
- Frostfutter-Mäuse (z.B. 15-20g, 10 Stück)
- Frostfutter-Ratten (mittel, ca. 30-60g, 10 Stück)
- Frostfutter-Küken (1 Tag alt, 1 Kg)
Eine abwechslungsreiche Fütterung im Terrarium ist möglich. Angeboten werden können verschiedene Größen von Fischen, Küken, Mäusen und Ratten. Ein Futtertier-Abo kann die Versorgung mit regelmäßig benötigten Futtertieren vereinfachen.
Winterruhe und Zucht
Eine ausgeprägte Winterruhe im eigentlichen Sinne halten Chinesische Kobras nicht. Eine leichte Absenkung der Temperatur um wenige Grad und die damit verbundene verringerte Aktivität im Zeitraum von Dezember bis Februar bei etwa 20° C tut den Tieren jedoch gut und wirkt sich positiv auf die Zucht aus.
Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen. Eine erhöhte Luftfeuchtigkeit durch vermehrtes Sprühen ist in dieser Zeit empfehlenswert. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen nach etwa 40 Tagen Tragezeit ein Gelege von 10 bis 15 Eiern. Bemerkenswert ist, dass Chinesische Kobras ein Nest für ihre Eier bauen, indem sie Erde um das Gelege anhäufen. Dieses Nest wird von der Mutter bewacht, und sie muss während dieser Zeit gefüttert werden. Die Jungtiere schlüpfen nach knapp zwei Monaten und müssen separat aufgezogen werden, um Kannibalismus zu vermeiden.
Fazit: Ein Pfleger für Experten
Die Chinesische Kobra ist zweifellos ein ausgesprochen schönes und faszinierendes Tier, das keine extremen Haltungsansprüche stellt. Ihr sehr potentes, für den Menschen lebensgefährliches Gift macht sie jedoch zu einer Schlangenart, die ausschließlich in die Hände von sehr erfahrenen Haltern gehört. Interessierte sollten sich unbedingt vorab über die spezifischen Haltungsbedingungen und gesetzlichen Bestimmungen in ihrem jeweiligen Bundesland informieren, bevor sie die Anschaffung einer Naja atra in Erwägung ziehen.

