Die private Rentenversicherung ist ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge in Deutschland. Sie bietet die Möglichkeit, durch regelmäßige Sparbeiträge im Laufe der Zeit ein Kapital aufzubauen, das im Rentenalter entweder als lebenslange Rente oder als einmalige Kapitalauszahlung zur Verfügung steht. Dieser Artikel beleuchtet die Funktionsweise, Vor- und Nachteile sowie verschiedene Varianten der privaten Rentenversicherung und gibt Orientierung für die richtige Entscheidung.
Die Klassische Private Rentenversicherung: Sparen mit Garantie
Die klassische private Rentenversicherung gliedert sich in zwei Phasen: die Ansparphase und die Rentenphase. Während der Ansparphase zahlt der Versicherte monatlich oder jährlich Beiträge in den Vertrag ein. Ein Teil dieser Beiträge wird vom Versicherer zur Deckung von Kosten und Risiken abgezogen, der verbleibende Betrag wird verzinst.
Garantierte Zinsen und Überschüsse
Der Versicherer übernimmt das Anlagerisiko für den Kunden und garantiert eine Mindestverzinsung des angesparten Kapitals durch den sogenannten Garantiezins. Dieser liegt aktuell bei 0,25 Prozent und wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Zusätzlich zu diesem garantierten Zinssatz können Überschüsse erwirtschaftet werden, die sich aus positiven Kapitalmarktentwicklungen, Kosteneinsparungen des Versicherers und Risikogewinnen ergeben. Diese Überschüsse können die Rendite des Vertrages erhöhen.
Schutz vor dem „Langlebigkeitsrisiko“
Ein wesentlicher Vorteil der privaten Rentenversicherung ist der Schutz vor dem „Langlebigkeitsrisiko“. Der Versicherte erhält eine lebenslange Rente, unabhängig davon, wie alt er tatsächlich wird. Dies bietet eine hohe Planbarkeit für die Altersvorsorge. Die Höhe der garantierten Rente setzt sich aus dem angesparten Kapital zuzüglich der garantierten Zinsen und der voraussichtlichen Überschüsse zusammen.
Lukrative Altverträge mit hohen Garantiezinsen
Die Garantiezinsen für neue Verträge sind in den letzten Jahren stark gesunken. Alte Verträge, die vor dem Jahr 2000 abgeschlossen wurden, weisen oft deutlich höhere Garantiezinsen auf und können daher sehr lukrativ sein. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung des Garantiezinses:
| Vertragsabschluss | Garantiezins Fußnote: 1 |
|---|---|
| Vor Juli 1986 | 3,00 |
| Ab Juli 1986 | 3,50 |
| Ab Juli 1994 | 4,00 |
| Ab Juli 2000 | 3,25 |
| Ab Januar 2004 | 2,75 |
| Ab Januar 2007 | 2,25 |
| Ab Januar 2012 | 1,75 |
| Ab Januar 2015 | 1,25 |
| Ab Januar 2017 | 0,90 |
| Seit Januar 2022 | 0,25 |
Fußnote: 1: Der Garantiezins wird nicht auf den gesamten Beitrag, sondern nur auf den Sparanteil gewährt.
Alternativen zur Privaten Rentenversicherung
Neben der privaten Rentenversicherung gibt es weitere lohnende Optionen für die Altersvorsorge. Freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung können insbesondere für rentennahe Jahrgänge vorteilhaft sein. Informationen hierzu finden Sie in unserem Special “Wann sich freiwillige Einzahlungen in die Rente lohnen”.
Eine weitere Möglichkeit ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Über Direktversicherungen kann der Arbeitgeber zur Altersvorsorge beitragen. Alles Wichtige dazu erfahren Sie in unserem Special “Betriebliche Altersvorsorge“.
Fondsgebundene Rentenversicherung: Chancen und Risiken
Fondsgebundene Rentenversicherungen (Fonds Policen) investieren Teile der Beiträge in Investmentfonds. Die spätere Auszahlung hängt somit von der Entwicklung dieser Fonds ab. Kursgewinne führen zu einer höheren Auszahlung, Kursverluste zu einer niedrigeren. Es ist ratsam, die Fondsperformance regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf die Fonds zu wechseln, um die Renditechancen zu optimieren. Achten Sie auf transparente und kostengünstige Fonds, um die Auszahlungen zu maximieren. Ein Fondssparplan kann eine sinnvolle Alternative sein, wie in unserem Special “Altersvorsorge mit Fonds – das sollten Sie wissen” erläutert wird.
Die „Neue Klassik“: Garantien auf Beitragsniveau
Einige Versicherer bieten Produkte unter dem Begriff „neue Klassik“ an. Hierbei sind die Garantien im Vergleich zur klassischen Variante reduziert. Oftmals wird nur noch der Erhalt der eingezahlten Beiträge garantiert, nicht mehr die Kapitalvermehrung. Dies kann durch die Inflation zu einer realen Wertminderung führen. Einige Anbieter gehen noch weiter und garantieren nur noch einen Teil der Beiträge.
Überschüsse bei der „Neuen Klassik“
Als Ausgleich für die gesenkten Garantien werden höhere Überschüsse in Aussicht gestellt. Die tatsächliche Mehrverzinsung fällt jedoch oft gering aus. Zudem behalten sich die Versicherer häufig vor, die Verrentung der Überschüsse erst im Rentenalter festzulegen, was die Planbarkeit einschränkt.
Überschüsse in der Lebensversicherung: Wie sie entstehen
Die Auszahlung einer klassischen Rentenversicherung setzt sich aus einem garantierten Teil und einem variablen Teil aus Überschüssen zusammen. Überschüsse entstehen, wenn der Versicherer am Kapitalmarkt höhere Renditen erzielt als garantiert, durch Kosteneinsparungen oder Risikogewinne. Ein Teil der Überschüsse wird laufend ausgezahlt, ein anderer Teil wird zum Vertragsende gutgeschrieben (Schlussüberschuss).
Kündigung und Verkauf einer Lebensversicherung
Eine Kündigung einer Lebensversicherung ist möglich, führt aber oft zu Verlusten, da in den ersten Jahren hohe Kosten abgezogen werden. Der Rückkaufswert liegt dann häufig unter den eingezahlten Beiträgen. Eine Kündigung ist nur dann sinnvoll, wenn der Vertrag sehr teuer ist und schlecht läuft. Bei kurz vor dem Vertragsende stehenden Verträgen ist Durchhalten meist die bessere Option, um vom Schlussüberschuss zu profitieren.
Eine alternative zur Kündigung ist der Verkauf der Lebensversicherung an spezialisierte Unternehmen. Diese zahlen in der Regel mehr als den Rückkaufswert. Seien Sie jedoch vorsichtig bei unseriösen Anbietern und holen Sie im Zweifel professionellen Rat ein.
Steuervorteile alter Lebensversicherungen
Alte Lebensversicherungsverträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, bieten oft erhebliche Steuervorteile. Beiträge können teilweise als Sonderausgaben abgesetzt werden. Bei einer einmaligen Kapitalauszahlung nach Erfüllung bestimmter Voraussetzungen (mindestens 12 Jahre Laufzeit, 5 Jahre Beitragszahlung) sind die Erträge steuerfrei.
Verträge, die nach 2005 abgeschlossen wurden, unterliegen der Abgeltungsteuer auf die Erträge (25% zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer), sofern die Mindestlaufzeit von 12 Jahren und das 60. bzw. 62. Lebensjahr (je nach Vertragsabschlussdatum) nicht erfüllt sind. Bei Erfüllung dieser Kriterien greift eine ermäßigte Besteuerung von 50 Prozent der Erträge zum individuellen Steuersatz. Bei Auszahlung als Rente wird nur der Ertragsanteil besteuert, dessen Höhe vom Alter bei Rentenbeginn abhängt.
| Rentenbeginn mit dem … Lebensjahr | 59 | 60/61 | 62 | 63 | 64 | 65 / 66 | 67 | 68 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ertragsanteil (Prozent) | 23 | 22 | 21 | 20 | 19 | 18 | 17 | 16 |
Eine Lebensversicherung kann ein wertvoller Baustein der Altersvorsorge sein. Bei älteren Verträgen, insbesondere wenn sie mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung kombiniert sind, ist ein Behaltenswert oft ratsam. Vergleichen Sie sorgfältig alle Optionen und informieren Sie sich umfassend, um die für Sie beste Entscheidung für Ihre finanzielle Zukunft zu treffen.

