Die vielfältigen Vorteile des Schwimmens: Mehr als nur ein Sommerspaß

Schwimmen ist weit mehr als nur eine erfrischende Aktivität für heiße Sommertage im Freibad oder am See. Ob in der Halle oder im Freien, diese Wasserbewegung bietet eine Fülle von Vorteilen, die weit über die reine sportliche Betätigung hinausgehen und sowohl Körper als auch Seele guttun. Besonders für Menschen mit körperlichen Einschränkungen eröffnet Schwimmen einzigartige Möglichkeiten zur Bewegung und Stärkung. Tauchen Sie mit uns ein in die Welt des Schwimmens und entdecken Sie, warum diese Sportart so wertvoll ist.

1. Herz und Immunsystem: Ein starkes Duo

Als hervorragender Ausdauersport stärkt Schwimmen gezielt den Herzmuskel und kurbelt das Herz-Kreislauf-System an. Darüber hinaus wird das Immunsystem durch die Aktivierung zahlreicher Stoffwechselprozesse gestärkt. Die Sportmedizinerin Dr. Katrin Kauschke vom Institut für Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg erklärt: „Der Körper erhält beim Schwimmsport Reize, an die er sich anpassen muss. Dadurch wird er robuster.“ Regelmäßige sportliche Betätigung führt zu einem Anstieg von Immunglobulinen, essenziellen Eiweißen für die Abwehr von schädlichen Substanzen. Zudem werden die sogenannten Natürlichen Killerzellen (NZ-Zellen) aktiviert, die eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von virusinfizierten Zellen und Tumorzellen spielen. Ein gut funktionierendes Kreislaufsystem unterstützt zudem die Gehirnleistung und Konzentration. „Durch die hohe Herzfrequenz und das höhere Herzschlagvolumen zirkuliert das Blut stärker und versorgt den Körper mit viel Sauerstoff“, so Kauschke.

2. Konzentration und mentale Stärke

Regelmäßiger Sport, wie Schwimmen, schult die Fähigkeit, sich auf eine einzelne Aufgabe zu konzentrieren, anstatt viele Dinge gleichzeitig im Blick zu haben. Das wiederholte Üben spezifischer Bewegungsabläufe mit Bedacht stärkt die Konzentrationsfähigkeit nachhaltig. Ausdauersport fördert zudem die Aktivität im Gehirn, was sich positiv auf Neurotransmitterstoffe auswirkt – die chemischen Botenstoffe unseres Körpers. Dennoch ist es wichtig, auf die Signale des Körpers zu hören: „Bewegung ist gesund, doch zu viel Sport in zu hoher Intensität kann den Körper überfordern und ihn anfälliger machen“, warnt Kauschke. Regeneration und Pausen sind daher unerlässlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen als Faustregel mindestens 150 Minuten moderates Training pro Woche, ergänzt durch muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen.

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3. Ein Ganzkörpertraining im Wasser

Schwimmen ist ein äußerst effektives Training, das fast alle Muskeln des Körpers beansprucht, unabhängig vom gewählten Schwimmstil wie Brust-, Kraul-, Rücken- oder Schmetterlingsschwimmen. Der Sportwissenschaftler Robert Collette von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz betont: „Wir brauchen beim Schwimmen unsere Rumpfmuskulatur, um stabil im Wasser zu liegen. Gleichzeitig brauchen wir aber auch unsere Arme und Beine, um voranzukommen.“ Beim Schwimmen werden zudem die verschiedenen Muskelschlingen im Körper aufeinander abgestimmt und koordiniert, sodass Muskelgruppen synergistisch zusammenarbeiten.

4. Perfekt für Einsteiger und Gelenkschonung

Für alle, die bisher keinen oder wenig Sport gemacht haben, ist Schwimmen ein idealer Einstieg. Im Vergleich zu anderen Sportarten stößt der Körper hier nicht so schnell an seine Grenzen, und die Belastung lässt sich individuell steuern und anpassen. „Es überfordert einen nicht direkt. Man ist zwar müde und auch erschöpft, aber man bekommt keinen Muskelkater“, beschreibt Collette. Anfängern wird geraten, nach jeder Bahn eine kurze Pause einzulegen, um die Energie nicht zu schnell zu verbrauchen.

Ein herausragendes Merkmal des Schwimmens ist die geringe Verletzungsgefahr und die Schonung der Gelenke. Dies macht es zu einer exzellenten Alternative zum Joggen, insbesondere für ältere Menschen, Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen oder Sportler mit Verletzungen. Menschen mit Einschränkungen können die Auftriebskraft des Wassers nutzen, um Bewegungen auszuführen, die an Land nicht möglich wären. Auch für Menschen mit Übergewicht oder Arthrose ist Schwimmen ideal, da die Bewegung im Wasser die Gelenke und die Wirbelsäule entlastet. Schwangere profitieren ebenfalls von der schonenden Art dieser Sportart, um Bauch und Gelenke zu entlasten. Bei Rückenschmerzen kann das Wasser helfen, Verspannungen zu lösen und die Rumpfmuskulatur zu stärken. Lockeres Schwimmen kann zudem die Muskulatur nach anderen sportlichen Aktivitäten regenerieren und dehnen.

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5. Individuell anpassbare Schwimmstile

Jeder Schwimmstil hat seine spezifischen Vorteile, jedoch können bestimmte Stile bei vorbestehenden körperlichen Beschwerden ungeeignet sein.

  • Brustschwimmen: Bei falscher Ausführung oder bereits bestehenden Knieproblemen kann dieser Stil problematisch sein, da die „X-Bein-Position“ das Knie belasten kann. Ebenso kann Brustschwimmen bei einer Fehlhaltung des Kopfes, der zu verkrampft über der Wasseroberfläche gehalten wird, Nackenprobleme verursachen, da dies zu einer Überstreckung der Halswirbelsäule führt. Experten raten, den Kopf beim Brustschwimmen mit ins Wasser zu nehmen.

  • Kraulschwimmen: Für Personen mit Knieproblemen, die mehrmals pro Woche schwimmen, ist Kraulen oft die bessere Wahl. Die Auf- und Abwärtsbewegungen der Arme und Beine schonen die Knie, und der Hals wird nicht überstreckt. Schwimmschnorchel, die zentral über Kopf und Nase geführt werden, können dabei helfen, den Kopf zum Atmen nicht drehen zu müssen, was den Nacken entspannt und die Konzentration auf die Technik fördert.

  • Rückenschwimmen: Dieser Stil gilt als besonders rückenschonend, da der Körper in einer neutralen, vom Wasser getragenen Position liegt. Der Nacken wird nicht überdehnt, und die Arm- und Beinbewegungen mobilisieren und lockern gleichzeitig die Muskulatur.

6. Kalorienverbrauch und Gewichtsmanagement

Schwimmen leistet einen wertvollen Beitrag zum Gewichtsmanagement, mit einem durchschnittlichen Kalorienverbrauch von etwa 500 Kalorien pro Stunde. Der genaue Verbrauch variiert jedoch je nach Schwimmstil, wobei Delfinschwimmen den höchsten Kalorienverbrauch aufweist, gefolgt von Brust-, Rücken- und Kraulschwimmen. Der hohe Energieaufwand resultiert aus der Notwendigkeit, den Wasserwiderstand mit Muskelkraft zu überwinden. Individuelle Faktoren wie Geschlecht, Alter, Grundfitness, Technik und Koordinationsvermögen beeinflussen den Kalorienverbrauch zusätzlich. Trainierte Sportler mit mehr Muskelmasse verbrauchen tendenziell mehr Kalorien, da sie diese gezielter einsetzen können. Ein Leistungssportler kann bei hohem Tempo bis zu 1000 Kalorien pro Stunde verbrennen.

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7. Wohltat für die Psyche

Bewegung, und insbesondere Schwimmen, hat nachweislich positive Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden. Sport löst nicht nur muskuläre Verspannungen, sondern setzt auch die stimmungsaufhellenden Hormone Dopamin und Serotonin frei. Die Schwerelosigkeit im Wasser wirkt entspannend, und gerade im Sommer sorgt die Erfrischung für eine angenehme Abkühlung und kann zu besserem Schlaf beitragen. Die rhythmischen Bewegungen und die gleichmäßige Atmung beim Schwimmen haben eine beruhigende Wirkung. Viele Menschen empfinden das Eintauchen ins Wasser als eine besondere, zentrierende Erfahrung, bei der sie ganz allein mit sich und dem Element sind.


Quelle: DPA