Der 1. FC Köln steht vor einem bedeutenden Abschied: Jonas Hector, eine wahre Legende des Vereins, wird am Ende der Saison seine Fußballschuhe an den Nagel hängen. Nach einer beeindruckenden Karriere, die ihn über ein Jahrzehnt lang an die Spitze des deutschen Fußballs brachte, bereitet sich der 32-jährige Kapitän auf den nächsten Lebensabschnitt vor. Die Kölner Fans und der Verein planen, ihm den gebührenden Abschied zu bereiten, den er sich verdient hat.
Abschied nach wegweisendem Sieg
Der jüngste 3:1-Sieg gegen die TSG Hoffenheim am 29. Spieltag der Bundesliga war eigentlich ein Grund zum Feiern. Die drei Punkte sicherten dem FC Köln den Klassenerhalt und damit das wichtigste Ziel für die Saison. Doch inmitten der Freude mischten sich auch Wehmut und emotionale Momente. Nur wenige Minuten nach Abpfiff verkündete Jonas Hector seine Entscheidung, seine aktive Karriere zu beenden. Der Linksverteidiger ist eine Ikone im RheinEnergieSTADION und hat seit seinem Debüt im Jahr 2012 über 300 Pflichtspiele für die Geißböcke absolviert.
“Jonas hat uns im Vorfeld informiert”, erklärte Sportdirektor Christian Keller nach dem ersten Kölner Auswärtssieg in Hoffenheim seit acht Jahren. “Ohne ins Detail gehen zu wollen, alle Gründe, die er für seinen Rücktritt genannt hat, sind absolut nachvollziehbar. Die Mannschaft hat Jonas den verdienten Applaus geschenkt, und nach der Saison werden wir ihm unseren Dank aussprechen.”
Hector selbst hielt sich angesichts des nahenden Karriereendes mit öffentlichen Äußerungen zurück. “Nach meiner Familie war es mir wichtig, meine Mitspieler und den Staff zu informieren. Für den Moment kann ich nur sagen, dass ich dankbar bin für alles, was wir gemeinsam erreicht haben. Jetzt wollen wir den Rest der Saison genießen”, sagte der gebürtige Saarländer, der vor zwölf Jahren aus der Jugend des SV Auersbachs nach Köln kam. Kurioserweise fällt das letzte Bundesligaspiel der Saison, ein Heimspiel gegen den FC Bayern München, auf Hectos 33. Geburtstag am 27. Mai. Dieses Spiel wird somit den Schlusspunkt unter eine außergewöhnliche Laufbahn setzen.
Vom Mittelfeldspieler zum Abwehrchef und Nationalspieler
Obwohl er nicht aus einer großen Jugendakademie stammt, wurde Hector von den Kölnern entdeckt und spielte zunächst zwei Saisons in der Reserve, bevor er den Sprung in die Profimannschaft schaffte. Ursprünglich als offensiver Mittelfeldspieler ausgebildet, wurde er zum Linksverteidiger umgeschult und entwickelte sich schnell zu einem Schlüsselspieler. Nach dem Wiederaufstieg Kölns in die Bundesliga im Jahr 2014 wurde Hector in die deutsche Nationalmannschaft berufen. Mit dem DFB-Team gewann er 2017 den Confederations Cup und vertrat Deutschland bei den Europameisterschaften 2016 sowie der Weltmeisterschaft 2018. In 43 Länderspielen erzielte er drei Tore.
Auf Vereinsebene wuchs Hector mit jeder Saison weiter, entwickelte sich zu einem Führungsspieler und Publikumsliebling. Er verkörpert den Gegenpol zum stereotypischen modernen Profifußballer: Er studiert abseits des Platzes, hat keine Social-Media-Präsenz und ist bodenständig geblieben. Seine Loyalität scheint keine Grenzen zu kennen. Nachdem er nach einer starken Europameisterschaft 2016 lukrative Angebote ausschlug, wurde er zum “Fußballgott” ernannt. Selbst nach dem Abstieg Kölns im Jahr 2018 widerstand der deutsche Nationalspieler erneut den Verlockungen reicherer Vereine und blieb den Kölnern treu.
“Ich hätte bei anderen Vereinen mehr verdienen können, keine Frage. Aber ich habe kein Interesse daran, am Ende meiner Karriere einen Kontostand von 400 Millionen Euro zu haben. Die Emotionen sind wichtiger”, erklärte er kurz nach seiner Vertragsverlängerung vor fünf Jahren der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”, was ihm Respekt weit über die Stadtgrenzen hinaus einbrachte.
Ein schmerzlicher Verlust für den FC
Sein Abschied ist ein erheblicher Verlust für den 1. FC Köln. Hector hinterlässt eine große Lücke, sowohl sportlich als auch menschlich. Ob auf der linken Abwehrseite oder im Mittelfeld – er war über Jahre hinweg ein entscheidender Faktor in guten wie in schlechten Zeiten für einen Verein, den er zweimal (2017 und 2022) auf europäischer Bühne als Kapitän auf das Feld führte. Sein Standing bei den Fans mag nur von wenigen anderen Spielern, wie etwa Lukas Podolski, übertroffen werden. Tausende von Anhängern zeigten ihre Zuneigung, als die Nachricht von Hectos Abschied die Runde machte, und sie werden ihm auch am 34. Spieltag einen gebührenden Abschied bereiten.
Jonas Hectors Karriere beim 1. FC Köln ist ein Beispiel für Loyalität, Beständigkeit und fußballerische Klasse. Sein Abgang markiert das Ende einer Ära, und sein Erbe wird noch lange im RheinEnergieSTADION nachhallen.

