Die Werbung verspricht es, viele Sportler schwören darauf: Ein kühles, alkoholfreies Bier nach der Anstrengung soll die perfekte Erfrischung und Regeneration sein. Ob beim Fußball, Klettern oder Laufen – das Getränk mit dem vermeintlich geringen Alkoholgehalt wird oft als Durstlöscher und isotonischer Helfer angepriesen. In Deutschland allein wurden 2023 fast 665 Millionen Liter alkoholfreies Bier produziert, und der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei etwa 8 Litern. Doch hält alkoholfreies Bier, insbesondere Weizenbier, was es verspricht? Ist es wirklich die optimale Wahl nach dem Sport, oder gibt es bessere Alternativen?
Der menschliche Körper und die Schweißproduktion
Wer körperlich aktiv ist, verliert Flüssigkeit durch Schwitzen. Um leistungsfähig und gesund zu bleiben, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unerlässlich. Die Menge des ausgeschiedenen Schweißes hängt von verschiedenen Faktoren ab: Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch verliert bei 18 Grad Celsius und einem Lauftempo von 10 km/h etwa 0,8 Liter Schweiß pro Stunde, während eine 90 Kilogramm schwere Person unter denselben Bedingungen fast einen Liter verlieren kann. Generell gilt: Je höher das Körpergewicht des Sportlers, je intensiver die Belastung und je wärmer die Umgebungstemperatur, desto stärker ist die Schweißproduktion. Auch der Trainingszustand spielt eine Rolle. Die verlorene Flüssigkeit muss nach dem Sport wieder aufgefüllt werden.
Alkoholfreies Weizenbier als isotonisches Getränk?
Nicht nur die Menge der getrunkenen Flüssigkeit, sondern auch ihre Zusammensetzung beeinflusst die Aufnahme im Körper. Isotonische Getränke, die Elektrolyte enthalten, werden besonders gut vom Körper aufgenommen. Dr. Heike Niemeier, Ökotrophologin, erklärt: „Isotonische Getränke enthalten die gleiche Anzahl gelöster Teilchen wie unser Blut. Dadurch werden sie besonders schnell vom Körper aufgenommen, der Stoffwechsel kann auch nach dem Sport effizient und zielgerichtet ablaufen.“ Darüber hinaus versorgen sie den Körper mit wichtigen Mineralstoffen, die durch das Schwitzen verloren gegangen sind.
Was genau ist alkoholfreies Bier?
Im Handel finden sich zahlreiche Produkte mit der Kennzeichnung „0,0 %“ oder „alkoholfrei“. Diese reichen von obergärigen bis zu untergärigen Bieren verschiedener Sorten wie Pils, Alt, Helles oder Weizen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass „alkoholfrei“ nicht zwangsläufig bedeutet, dass überhaupt kein Alkohol enthalten ist. Laut Gesetz darf alkoholfreies Bier bis zu 0,5 Volumenprozent Alkohol enthalten. Lediglich bei den als „0,0 %“ gekennzeichneten Bieren kann davon ausgegangen werden, dass sie tatsächlich keinen Alkohol enthalten.
Alkoholfreies Bier, insbesondere Weizenbier, kann neben Flüssigkeit, Kohlenhydraten und B-Vitaminen auch Hefe enthalten, was es potenziell isotonisch macht. Ob dies es jedoch zu einem besonders gesunden Sportgetränk macht, ist umstritten. Die Ernährungsberaterin Susanne Schmidt-Tesch vom Institut für Ernährungsmedizin der TU München merkt an, dass die Studienlage spärlich und oft nicht eindeutig ist. Viele Studien wurden an zu wenigen Probanden durchgeführt, um verlässliche Aussagen treffen zu können.
Wer sollte auf alkoholfreies Bier verzichten?
Für bestimmte Personengruppen kann alkoholfreies Bier problematisch sein. Die Purine in der Hefe können bei Gichtpatienten Beschwerden verursachen, weshalb sie auf den Konsum verzichten sollten. Stefan Wenger von der Suchtberatung Condrobs e.V. in München rät ebenfalls von alkoholfreiem Bier für seine Klienten ab, insbesondere für Menschen mit einer Suchterkrankung. Er erklärt, dass der Konsum von alkoholfreiem Bier die mühsam aufgebaute Hürde des Verzichts auf Bier abbauen kann. Geschmack, Aussehen und Gefühl von Bier können Trigger sein, die das Suchtgedächtnis aktivieren und Sehnsüchte nach Alkohol wecken, selbst bei Bieren mit 0,0 % Alkoholgehalt.
Zuckerfallen in isotonischen Fertiggetränken
Wer seinen Körper nach dem Sport mit Mineralstoffen, Vitaminen und Kohlenhydraten versorgen möchte, muss nicht zwangsläufig zu Bier greifen. Eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse ist eine gute Alternative. Neben alkoholfreiem Bier gibt es auch gezielt als isotonisch deklarierte Fertiggetränke, sogenannte Iso-Drinks. Diese enthalten jedoch häufig sehr viel Zucker anstelle der nach dem Schwitzen benötigten Salze. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe ist daher ratsam: Ein Liter sollte idealerweise nicht mehr als 60 bis 80 Gramm Kohlenhydrate und etwa ein Gramm Salz enthalten.
Wann sind isotonische Getränke wirklich sinnvoll?
Ob Bier oder ein anderes Getränk – isotonische Flüssigkeiten können bei Belastungen, die länger als eine Stunde dauern, sinnvoll sein. Für Freizeitsportler, deren Trainingseinheiten kürzer sind, sind sie jedoch meist nicht notwendig. In vielen Fällen reicht reines Wasser aus, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken. Das vermehrte Trinken von Kalorien durch isotonische Getränke kann bei kürzeren Belastungen sogar kontraproduktiv sein.
Wer nach dem Sport auf Geschmack nicht verzichten möchte, greift besser zu selbstgemachten Schorlen. Susanne Schmidt-Tesch empfiehlt hierfür eine Mischung aus Mineralwasser und Apfelsaft im Verhältnis 3:1, da dies in Bezug auf den Energiegehalt oft die sinnvollere Wahl ist.
Einfache Zubereitung eines selbstgemachten Iso-Drinks
Eine einfache Möglichkeit, einen eigenen isotonischen Drink herzustellen, ist die Mischung von einem halben Liter Apfelsaft mit einem Gramm Salz und zwei Esslöffeln Traubenzucker. Anschließend wird das Ganze mit Mineralwasser auf einen Liter aufgefüllt.
Alkohol nach dem Sport: Ein klares No-Go
Die Annahme, dass alle Sportler zur Regeneration auf alkoholfreies Bier zurückgreifen sollten, ist laut Expertenmeinung falsch. Was jedoch unumstritten ist: Alkoholhaltiges Bier sollte nach dem Sport unbedingt vermieden werden. Alkohol hemmt die Fettverbrennung, da der Körper ihn priorisiert abbauen muss. Zudem wirkt Alkohol entwässernd und steht somit im Widerspruch zum Ziel, den durch das Schwitzen verloren gegangenen Flüssigkeitshaushalt auszugleichen.

