Die Impfung ist ein Eckpfeiler der modernen Medizin und ein entscheidendes Instrument zur Prävention von Infektionskrankheiten. In Deutschland hat die Impfpolitik eine lange Tradition und wird kontinuierlich weiterentwickelt, um die öffentliche Gesundheit zu schützen und die Ausbreitung von Krankheitserregern einzudämmen. Dieser Leitfaden beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Impfung in Deutschland, von den empfohlenen Impfungen für verschiedene Altersgruppen bis hin zu den wissenschaftlichen Grundlagen und der Bedeutung für die individuelle und kollektive Gesundheit. Ziel ist es, umfassende Informationen bereitzustellen und das Vertrauen in die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen zu stärken.
Warum sind Impfungen wichtig?
Impfungen sind eine der effektivsten Methoden, um Menschen vor Krankheiten zu schützen, die durch Viren oder Bakterien verursacht werden. Sie funktionieren, indem sie das Immunsystem darauf vorbereiten, mit einem bestimmten Krankheitserreger umzugehen. Wenn eine geimpfte Person später mit dem echten Erreger in Kontakt kommt, kann ihr Immunsystem schnell und effektiv reagieren, wodurch eine schwere Erkrankung verhindert oder deren Verlauf deutlich abgemildert wird.
Die Bedeutung von Impfungen geht über den individuellen Schutz hinaus. Sie sind entscheidend für die Herdenimmunität. Wenn ein ausreichend hoher Anteil der Bevölkerung geimpft ist, zirkuliert der Krankheitserreger weniger und kann sich nicht leicht ausbreiten. Dies schützt auch diejenigen, die nicht geimpft werden können, z. B. Säuglinge, immungeschwächte Personen oder Menschen mit bestimmten Allergien.
Impfempfehlungen in Deutschland
Das Robert Koch-Institut (RKI) ist die zentrale Institution in Deutschland, die die Impfempfehlungen herausgibt. Diese Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und werden regelmäßig aktualisiert. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI prüft fortlaufend neue Studienergebnisse und passt die Empfehlungen entsprechend an.
Die Impfempfehlungen decken verschiedene Lebensphasen ab:
Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder
- Sechsfachimpfung: Schützt vor Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten), Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Polio (Kinderlähmung) und Hepatitis B. Sie wird in mehreren Dosen im ersten Lebensjahr verabreicht.
- Pneumokokken-Impfung: Schützt vor invasiven Infektionen durch Pneumokokken-Bakterien, wie Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung.
- Masern-, Mumps-, Röteln-Impfung (MMR): Eine zweimalige Impfung ist empfohlen, um diese hochansteckenden Krankheiten zu verhindern. Masern können zu schweren Komplikationen führen.
- Windpocken-Impfung: Schützt vor Varizellen, die bei Kindern meist mild verlaufen, aber bei Erwachsenen oder immungeschwächten Personen gefährlich sein können.
Impfungen für Kinder und Jugendliche
Die zweite MMR-Impfung wird üblicherweise im Alter von 9-15 Monaten und die zweite Windpocken-Impfung im Alter von 15-23 Monaten verabreicht. Weitere Auffrischungen können je nach Impfstoff und Alter notwendig sein.
Impfungen für Erwachsene
Auch im Erwachsenenalter sind Impfungen wichtig, um den Schutz aufrechtzuerhalten und sich vor altersbedingten oder berufsbedingten Risiken zu schützen:
- Auffrischimpfungen: Regelmäßige Auffrischungen für Tetanus und Diphtherie (alle 10 Jahre) sowie Pertussis sind für Erwachsene empfohlen.
- Grippeimpfung (Influenza): Besonders empfohlen für Personen über 60 Jahre, Schwangere, Menschen mit chronischen Vorerkrankungen und medizinisches Personal. Die Impfung erfolgt jährlich, da sich die Grippeviren ständig verändern.
- Güsterose-Impfung (Gürtelrose): Empfohlen für Personen ab 50 Jahren, da das Risiko, an Güsterose zu erkranken, mit dem Alter steigt.
- Humane Papillomviren (HPV)-Impfung: Empfohlen für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 17 Jahren, um das Risiko für HPV-bedingte Krebsarten, insbesondere Gebärmutterhalskrebs, zu senken. Die Impfung kann bis zum Alter von 26 Jahren nachgeholt werden.
- FSME-Impfung (Frühsommer-Meningoenzephalitis): Empfohlen für Personen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und Zeckenkontakt haben könnten.
Impfungen für Reisende
Für Auslandsreisen können je nach Reiseziel zusätzliche Impfungen erforderlich oder empfohlen sein. Dies umfasst Impfungen gegen Krankheiten wie Hepatitis A, Typhus oder Gelbfieber. Eine Beratung durch einen Reisemediziner ist hierfür unerlässlich.
Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen
Die Sicherheit von Impfstoffen hat oberste Priorität. Bevor ein Impfstoff in Deutschland zugelassen wird, durchläuft er strenge Prüfverfahren durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Prüfung und Zulassung von Humanimpfstoffen zuständig ist. Nach der Zulassung wird die Sicherheit durch ein umfassendes Überwachungssystem kontinuierlich weiter beobachtet.
Nebenwirkungen von Impfungen sind in der Regel mild und vorübergehend, wie z.B. Rötungen, Schwellungen an der Einstichstelle oder leichtes Fieber. Schwere Nebenwirkungen sind äußerst selten. Die Vorteile einer Impfung – der Schutz vor potenziell lebensbedrohlichen Krankheiten – überwiegen bei weitem die Risiken von Nebenwirkungen.
Die Rolle von Impfungen in der öffentlichen Gesundheit
Impfungen sind ein entscheidender Faktor für die öffentliche Gesundheit. Sie haben dazu beigetragen, viele Krankheiten, die früher weit verbreitet und tödlich waren, drastisch zu reduzieren oder sogar auszurotten. Die Impfkampagnen in Deutschland tragen maßgeblich dazu bei, die Bevölkerung vor Krankheiten zu schützen und das Gesundheitssystem zu entlasten.
Fazit und Ausblick
Die Impfung ist ein unverzichtbares Werkzeug zur Erhaltung der individuellen und kollektiven Gesundheit. Die Impfempfehlungen in Deutschland sind wissenschaftlich fundiert und werden ständig an neue Erkenntnisse angepasst. Es ist wichtig, sich regelmäßig über die empfohlenen Impfungen zu informieren und diese wahrzunehmen, um sich und andere zu schützen. Die anhaltende Forschung und Entwicklung im Bereich der Impfstoffe verspricht auch zukünftig weitere Fortschritte im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Ihren persönlichen Impfstatus und die für Sie relevanten Impfungen.

