Hygge – Die dänische Art, Glück zu finden

Was ist wirklich wichtig, um im Leben glücklich zu sein? Ein neuer, aber altbewährter Trend ist in aller Munde. Laut dem World Happiness Report gelten die Dänen seit langem als das glücklichste Volk der Welt. Doch was ist ihr Geheimnis? Wenn man sich die Lebensphilosophie der Dänen genauer ansieht, stößt man immer wieder auf das Wort Hygge. Aber was verbirgt sich dahinter wirklich?

Hygge hat seinen Ursprung in Norwegen und bedeutet „Wohlbefinden“. Für die Dänen ist Hygge eine Tradition und eine Lebensweise, bei der es um Achtsamkeit, Geborgenheit, gegenseitige Unterstützung und die Verbindung mit anderen geht. Es geht darum, eine gemütliche und herzliche Atmosphäre zu schaffen, in der man eine schöne Zeit mit seinen Lieben verbringen kann und dies möglichst oft tut. Lassen Sie uns also genauer betrachten, was das im Alltag bedeutet und wie wir es selbst zu Hause erleben können.

Was bedeutet Hygge im Detail?

Hygge ist mehr als nur ein Trend; es ist eine tief verwurzelte kulturelle Praxis, die das Wohlbefinden und die Zufriedenheit in den Vordergrund stellt. Es geht darum, bewusste Momente der Freude und Verbundenheit im Alltäglichen zu schaffen, oft in einer warmen und einladenden Umgebung. Dies kann durch einfache Dinge erreicht werden, die eine gemütliche und entspannte Atmosphäre fördern.

10 Tipps für mehr Hygge im Alltag

  1. Kerzenlicht: Das wichtigste Element ist die Schaffung einer gemütlichen Atmosphäre durch warmes Licht und Kerzen. Nicht umsonst verbrauchen die Dänen durchschnittlich 6 kg Kerzen pro Kopf und Jahr – deutlich mehr als viele andere Nationen. Dieses sanfte Licht schafft eine beruhigende und einladende Stimmung, die perfekt für entspannte Abende ist.
  2. Gemeinsame Zeit: Ob beim Essen, Grillen oder Spielen – die Hauptsache ist, gemeinsame Zeit zu verbringen und sich gegenseitig zu unterstützen. Hygge bedeutet, dass das „Wir“ im Vordergrund steht und man mit geliebten Menschen im Moment lebt. Das Ausschalten von Handys, Fernsehern und Computern fördert die tiefere Verbindung und das bewusste Erleben des Augenblicks. Sich mit anderen Menschen verbunden zu fühlen, gibt unserem Leben Sinn und Zweck und fördert das Wohlbefinden. Studien zeigen sogar, dass ein intensives Sozialleben unser Immunsystem stärkt.
  3. Sich Zeit nehmen: Ein gutes Buch lesen, malen, sich in der Badewanne bei Kerzenschein entspannen oder gemeinsam singen – all dies sind Wege, hyggelige Zeit zu verbringen. Gemeinsames Singen setzt beispielsweise das Glückshormon Oxytocin frei, was unser Wohlbefinden steigert und das Gefühl der Verbundenheit stärkt.
  4. Gegenseitige Hilfe: Es ist zutiefst hyggelig, einander zu helfen. Gemeinsam lassen sich Aufgaben viel schneller und leichter erledigen. Ob beim Aufräumen nach einer gemütlichen Grillparty, bei den Vorbereitungen für den nächsten Geburtstag oder beim gemeinsamen Lernen – füreinander da zu sein, fördert die Zufriedenheit und senkt das Stresslevel.
  5. Umdeuten von Situationen: Der Apfelkuchen ist innen matschig geworden? Kein Problem, dann wird er eben als Dessert mit dem Löffel gegessen. Das Fußballspiel fällt wegen Regen aus? Dann wird eben drinnen Monopoly gespielt. Versuchen Sie, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Häufig sind negative Situationen auf den ersten Blick schlimmer, als sie tatsächlich sind. Auch aus scheinbar misslungenen Ereignissen kann etwas sehr Schönes entstehen, wenn wir es nur zulassen. Diese Fähigkeit zur positiven Umdeutung ist ein Kernaspekt von Hygge.
  6. Achtsamkeit: Wann haben Sie das letzte Mal kurz inne gehalten und Ihre Umgebung oder sich selbst ganz bewusst wahrgenommen? Solche kurzen Erholungsphasen sind wichtig, um Stress abzubauen, den Blutdruck zu senken und die emotionale Widerstandskraft (Resilienz) zu steigern. Ein kurzes Morgenritual kann ein bewusster Start in den Tag sein. Bleiben Sie nach dem Aufwachen noch ein paar Minuten ruhig liegen und spüren Sie bewusst in Ihren Körper hinein. Welche Körpersignale nehmen Sie wahr? Ist Ihnen kalt oder warm? Sind Ihre Beine schwer oder kribbelt Ihre Hand? Dieses bewusste Spüren hilft Ihnen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was Ihr Körper braucht, um gut in den Tag zu starten.
  7. Eine Hygge-Oase zu Hause schaffen: „Weniger ist mehr“ ist das heimliche Motto von Hygge. Entrümpeln Sie Ihren Kleiderschrank und trennen Sie sich von unnötigem Ballast, um Ordnung zu schaffen. Schaffen Sie dann Gemütlichkeit: Ein kuscheliges Sofakissen, Kerzen, ein Obstkorb, gedeckte Farben – all das verleiht Ihrer Wohnung Hygge.
  8. Spazieren gehen: Ob bei Regen, Schnee oder Sonnenschein, Spaziergänge sind für die Dänen bei jedem Wetter hyggelig. Sie helfen dabei, zur Ruhe zu kommen und Stress abzubauen. Die Bewegung an der frischen Luft, kombiniert mit der bewussten Wahrnehmung der Umgebung, ist ein wichtiger Bestandteil eines hyggeligen Lebensstils.
  9. Der „Hygge-Eid“: Schließen Sie einen Hygge-Eid mit Ihrer Familie ab. Dabei geht es darum, sich darauf zu einigen, beim gemeinsamen Zusammensein nur im Augenblick zu sein. Alle Ablenkungen wie Handys oder Laptops bleiben den Familientreffen fern. Auch sollten alle Probleme zu Hause gelassen werden und sich nur auf das Hier und Jetzt konzentriert werden. Vielleicht versuchen Sie auch einmal, Ihre gewohnten Kommunikationsmuster zu durchbrechen. Eine herzliche und nicht anklagende Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil von Hygge.
  10. Belastungen gemeinsam tragen: Sich guten Freunden und Angehörigen anzuvertrauen, hilft Stress zu reduzieren und Belastungen schneller zu bewältigen. Wenn es Ihnen schwerfällt, mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden über solche Themen zu reden, kann es auch hilfreich und entlastend sein, mit jemandem von außen, wie zum Beispiel einem Psychotherapeuten, darüber zu sprechen. Diese Offenheit und gegenseitige Unterstützung sind essenziell für das Wohlbefinden.
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Nach diesen alltäglichen Tipps möchte ich Ihnen noch einige andere Bereiche vorstellen, die durch Hygge geprägt sind. Denn Hygge ist ein Lebensstil, der sich in Dänemark durch alle Lebensbereiche zieht. Schon in der Schule lernen die Kinder, wie wichtig die Gemeinschaft ist. Und auch Frauen nach der Geburt erhalten in Dänemark besondere Unterstützung.

Hygge in der Schule

Bereits die Jüngsten lernen in Dänemark, wie wichtig das „Wir“ ist. Die dänischen Schüler zwischen 6 und 16 Jahren haben eine Stunde pro Woche „Klassens tid“, was so viel bedeutet wie Empathie-Lernstunde. In dieser Stunde setzen sich die Kinder gemeinsam mit den Belastungen ihrer Mitschüler auseinander und überlegen, wie sie diese unterstützen können. Sich selbst zugunsten des Anderen zurückzunehmen, um das Zusammensein angenehmer und friedlicher zu gestalten, steht hier im Vordergrund. Die Kinder arbeiten von klein auf an Gruppenarbeiten und lernen, die Stärken und Schwächen anderer zu erkennen und ihnen zu helfen. Der Fokus liegt nicht darauf, andere zu übertreffen, sondern Verantwortung zu tragen und zu helfen. Auch beim Sport gibt es keine Preise oder Trophäen, um Wettbewerb zu vermeiden und den Gemeinschaftssinn zu fördern.

Hygge für junge Mütter

In Dänemark kommt in der ersten Woche nach der Entbindung eine Hebamme vorbei. Neben der Grundversorgung gibt die Hebamme der jungen Mutter die Namen und Kontaktdaten aller anderen Frauen in der Nachbarschaft, die ein Kind entbunden haben, inklusive der Information, wie alt die Kinder sind. Einmal pro Woche treffen sich die Mütter dann zum Erfahrungsaustausch und unterstützen sich gegenseitig im Alltag. Erscheint eine Frau nicht zu einem Treffen, dann rufen die Anderen sie an oder besuchen sie zu Hause. Diese Form der sozialen Unterstützung ist ein wichtiger Pfeiler des dänischen Wohlbefindens, insbesondere für frischgebackene Mütter.

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Wenn Sie nun Lust bekommen haben, ein bisschen mehr Hygge in Ihren Alltag zu bringen, dann ist noch eines wichtig zu betonen: Fangen Sie langsam an und seien Sie nicht frustriert, wenn es nicht gleich klappt, achtsam in den Tag zu starten oder mehr Zeit mit Freunden zu verbringen. Machen Sie sich keinen Stress und vergessen Sie nicht: Hygge bedeutet Entschleunigung, Entspannung, Geborgenheit und positives Umdeuten – also alles ein wenig lockerer zu sehen. Beginnen Sie mit kleinen Schritten und finden Sie Ihren ganz persönlichen Weg zu mehr Wohlbefinden und Glück.