Ein Hund, der beißt, handelt selten aus purer Bosheit. Vielmehr ist ein solches Verhalten oft das Ergebnis eines langen Missverständnisses in der Mensch-Hund-Kommunikation. Das Erkennen und Verstehen dieser Signale ist entscheidend, um zukünftige Aggressionen zu vermeiden. Die Zusammenarbeit mit einem professionellen Hundetrainer kann hierbei ungemein helfen, die tieferen Ursachen aufzudecken und proaktiv gegenzusteuern. Es ist eine häufige Fehleinschätzung, dass nur große oder als gefährlich geltende Hunde zu Beißern werden. Oftmals entwickeln auch kleine oder scheinbar gutmütige Hunde aggressive Tendenzen, weil ihre Erziehung vernachlässigt wurde. Ein Umdenken auf Seiten des Halters ist daher unerlässlich.
Sicherheit geht vor: Der Maulkorb als Präventionsmaßnahme
Wenn ein Hund aggressives Verhalten zeigt, steht die Vermeidung von Schaden an erster Stelle. Ein Hund, der potenziell beißen könnte, sollte in der Öffentlichkeit stets einen Maulkorb tragen. Auch im häuslichen Umfeld können vorbeugende Maßnahmen notwendig sein. Wichtig ist dabei eine positive Gewöhnung an das Tragen des Maulkorbs, um dem Hund diese notwendige Einschränkung so angenehm wie möglich zu gestalten.
Aggressionen zwischen Hunden: Ursachen und Lösungsansätze
Aggressives Verhalten gegenüber Artgenossen kann oft schon in einem frühen Stadium entschärft werden. Erste Anzeichen einer angespannten Begegnung, wie zirkuläres Umkreisen oder Knurren, sollten vom Halter ernst genommen werden. In solchen Situationen ist es ratsam, ruhig und entschlossen zu bleiben und mit den Hunden in verschiedene Richtungen weiterzugehen. Wenn bekannt ist, dass der eigene Hund nur gegenüber bestimmten Hundetypen aggressiv reagiert (z.B. Rüden oder bestimmte Rassen wie Schäferhunde), können vorausschauende Spaziergänge und Absprachen mit anderen Hundebesitzern helfen, stressige Begegnungen zu vermeiden. Parallel dazu sollte jedoch unbedingt ein gezieltes Training stattfinden.
Wenn es zum Kampf kommt: Richtiges Handeln in Notsituationen
Sollte es doch zu einer Auseinandersetzung zwischen Hunden kommen, handelt es sich bei gut sozialisierten Tieren oft um einen sogenannten Kommentkampf, der nicht auf ernsthafte Verletzungen abzielt. Dennoch können auch diese Kämpfe gravierende Folgen haben, insbesondere bei deutlichen Größenunterschieden. Deutlich besorgniserregender sind unangekündigte Angriffe von Hunden, die kein artgerechtes Sozialverhalten zeigen. Ein solcher Vorfall kann für den angegriffenen Hund prägend sein und dazu führen, dass er künftig selbst aggressiv auf Hundebegegnungen reagiert.
Wichtig: Gehen Sie niemals direkt zwischen beißende Hunde. Schreien oder Schlagen mit der Leine verschlimmert die Situation und bringt Sie selbst in Gefahr. Versuchen Sie auch niemals, verbeißte Hunde auseinanderzuziehen, da dies die Verletzungen verschlimmern kann. Eine mögliche Methode ist, die Hunde durch ein lautes Geräusch, wie das Platzen einer Plastiktüte, oder durch Wasser aus einer Sprühflasche zu irritieren, sodass Sie sie sicher trennen und anleinen können.
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Wenn Sie nicht sicherstellen können, dass Ihr Hund unterwegs niemanden beißt, ist das Tragen eines Maulkorbs unerlässlich. Achten Sie darauf, dass der Hund damit uneingeschränkt hecheln kann. Nach einer Eingewöhnungsphase stört ein gut angepasster Maulkorb den Hund kaum noch, und Sie strahlen mehr Sicherheit aus, was sich positiv auf das Training auswirkt.
Aggressionen gegenüber Menschen: Die vielfältigen Ursachen
Wie bereits erwähnt, können vielfältige Ursachen zu aggressivem Verhalten bei Hunden führen. Häufig liegen eine mangelnde Sozialisierung, daraus resultierende Unsicherheit oder Angst zugrunde. Bei manchen Rassen kann auch der Schutzinstinkt problematisch werden. Erziehungsfehler spielen ebenfalls eine große Rolle: Hat ein Hund gelernt, dass Drohgebärden oder Schnappen zum Erfolg führen – sei es, um auf dem Sofa bleiben zu dürfen oder sein Spielzeug zu behalten – wird dieses Verhalten gefestigt. In solchen Fällen ist eine professionelle Unterstützung durch einen Hundetrainer ratsam, um die Rangordnung zu klären.
Präventives Training vom Welpenalter an
Lenken Sie potenzielle Gefahrensituationen bereits in der Welpenzeit positiv. Ist Ihr junger Hund beispielsweise Fremden gegenüber aggressiv, kann folgende Übung helfen: Bei Besuch lässt der Hund “Sitz” machen. Wenn das gut klappt, darf der Besucher ihm ein Leckerli geben. Bei ersten Anzeichen unerwünschten Verhaltens ist sofortiges Gegensteuern gefragt. Trainieren Sie den Grundgehorsam und verwenden Sie bei geringsten Anzeichen von Aggression ein Abbruchsignal wie “Aus”. Zeigen diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, kann ein lautes Geräusch, etwa durch eine Wurfkette, zur Ablenkung und Lösung der Situation beitragen.
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Strahlen Sie stets Ruhe und Gelassenheit aus. Hunde spüren Nervosität und Angst bei ihren Haltern sofort, was aggressives Verhalten verstärken kann. Haben Sie familiäre Rangordnungsprobleme, bei denen der Hund sich gegenüber bestimmten Mitgliedern aggressiv zeigt, ist eine einheitliche Vorgehensweise aller Familienmitglieder entscheidend. Unterschiedliche Regeln verunsichern den Hund. Aggressive und dominante Hunde sollten ihren Schlafplatz eher abseits haben. Strategisch wichtige Orte wie Türen können ihre vermeintliche “Chef-Position” verstärken. Es kann hilfreich sein, den Hund aus bestimmten Räumen auszuschließen, um die Rangordnung bei dominanten Tieren besser kontrollieren zu können.
Bedenken Sie stets, dass Ihr Hund auch während des Trainings keine Gefahr für andere darstellen darf. Nach Beißvorfällen ist die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe durch einen erfahrenen Hundetrainer dringend anzuraten.
