Die Bildung, die Zuwanderer mitbringen, ist ein entscheidender Faktor für ihre erfolgreiche Integration in ein neues Land. Traditionell wird dabei vor allem der Blick auf das im Zielland anerkannte Qualifikationsniveau gerichtet – die sogenannte absolute Bildung. Diese Perspektive ist nachvollziehbar, da die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in der Regel im Zielland Anwendung finden sollen. Jedoch vernachlässigt dieser Ansatz wichtige Aspekte der mitgebrachten Bildung, die für die individuelle Integrationserfahrung von großer Bedeutung sein können.
Die Berücksichtigung des Herkunftslandes, die als relative Bildung bezeichnet wird, liefert hier wertvolle Ergänzungen. Ein Grund dafür ist die Vielfalt der Bildungssysteme weltweit. Internationale Abschlüsse sind nicht immer unmittelbar vergleichbar, und selbst formal gleichwertige Qualifikationen können in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Kompetenzen führen. Darüber hinaus beeinflusst die gesellschaftliche Wertschätzung eines Bildungsabschlusses, wie viele Personen diesen im jeweiligen Bildungssystem erlangen. Ein mittlerer Abschluss mag in einer Gesellschaft, in der nur wenige diese Qualifikation erreichen, einen höheren Stellenwert haben als in einer, in der dies die Norm ist. Eine differenziertere Beschreibung der Qualifikationen von Zuwanderern wird somit ermöglicht, indem ihre im Herkunftsland erworbene Stellung mitberücksichtigt wird. Diese erweiterte Perspektive kann auch Aufschluss über weitere, nicht direkt messbare Merkmale von Zuwanderern geben, die für Integrationsprozesse relevant sind, wie beispielsweise das hochwertige Bildungsniveau.
Die Analysen in diesem Bericht vereinen beide Blickwinkel: die absolute und die relative Bildung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Geflüchteten, die zwischen 2013 und 2016 nach Deutschland gekommen sind. Hierbei werden die Daten der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten herangezogen. Zum Vergleich dienen andere Gruppen von Neuzuwanderern, die sich seit maximal fünf Jahren im Land aufhalten und deren Daten aus dem Mikrozensus (2008–2014) stammen.
Bildungsabschlüsse im Herkunfts- und Zielland
Die Einordnung von Bildungsabschlüssen ist komplex, da jedes Land sein eigenes Bildungssystem mit spezifischen Standards und Wertigkeiten hat. Die absolute Bildung fokussiert sich auf das im Zielland anerkannte Niveau, beispielsweise ein Bachelor- oder Masterabschluss. Diese Perspektive ist relevant, wenn es um die unmittelbare Anerkennung und den Einsatz von Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt geht.
Die relative Bildung hingegen betrachtet, wie diese Abschlüsse im Herkunftsland eingeordnet sind. Hat man beispielsweise in einem Land studiert, in dem der angestrebte Abschluss nur von wenigen erreicht wird, kann dies auf ein höheres Kompetenzniveau oder eine selektivere Ausbildung hindeuten, als wenn derselbe Abschluss in einem Land mit breiterem Zugang zum Hochschulsystem erworben wurde.
Herausforderungen beim Vergleich von Bildungssystemen
Der Vergleich von Bildungssystemen ist eine Herausforderung. Unterschiede in Curricula, Prüfungsordnungen und der Dauer von Ausbildungsabschnitten erschweren eine direkte Gleichsetzung. Dies gilt sowohl für formale Abschlüsse als auch für die erworbenen Kompetenzen. Die herkömmliche Betrachtung der absoluten Bildung kann hier zu vereinfachenden Schlussfolgerungen führen. Eine ergänzende Betrachtung der relativen Bildung ist daher unerlässlich, um ein umfassenderes Bild der Qualifikationen von Zuwanderern zu erhalten und ihre Integrationschancen realistisch einzuschätzen. Dies ist auch für die Anerkennung von Bildungsabschlüssen relevant, ein Thema, das die Integration maßgeblich beeinflusst.
Daten und Methodik der Analyse
Für die Analyse werden Daten von Geflüchteten herangezogen, die zwischen 2013 und 2016 nach Deutschland eingereist sind. Diese stammen aus der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten. Zusätzlich werden andere Neuzuwanderergruppen betrachtet, die maximal fünf Jahre in Deutschland leben und deren Daten aus dem Mikrozensus (2008–2014) stammen. Bei der Analyse des Mikrozensus wird die Nationalität in Kombination mit dem Zuzugszeitpunkt genutzt, um Rückschlüsse auf das Herkunftsland zu ziehen. Insgesamt fließen MigrantInnen aus 25 Ländern in die Untersuchung ein. Die Bildungsverteilungen in den jeweiligen Herkunftsländern werden zusätzlich mithilfe länderspezifischer Datensätze geschätzt. Diese umfassende Datengrundlage ermöglicht eine differenzierte Betrachtung der Bildung von Zuwanderern. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die frühkindliche Bildung, die oft unterschätzt wird, aber eine entscheidende Grundlage für die weitere Bildungsbiografie legt. Das Bildung Kindergarten ist ein Schlüssel für den frühen Spracherwerb und die soziale Integration.
Schlussfolgerung: Ein differenzierter Blick für bessere Integration
Die Integration von Zuwanderern ist ein vielschichtiger Prozess, bei dem die mitgebrachte Bildung eine Schlüsselrolle spielt. Eine rein auf das Zielland fokussierte Betrachtung der absoluten Bildung greift zu kurz. Erst durch die Ergänzung mit der Perspektive der relativen Bildung, die die Einordnung der Qualifikationen im Herkunftsland berücksichtigt, wird ein umfassendes Bild der Kompetenzen von Zuwanderern möglich. Dies ermöglicht nicht nur eine realistischere Einschätzung ihrer Fähigkeiten, sondern auch die Entwicklung gezielterer Unterstützungsmaßnahmen. Die Erkenntnisse aus dieser Analyse helfen, Integrationsprozesse besser zu verstehen und zu gestalten, um Zuwanderern eine erfolgreiche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Es ist entscheidend, die Vielfalt der Bildungshintergründe anzuerkennen und die Potenziale zu nutzen, die durch die unterschiedlichen Bildungswege entstehen. Die Förderung von Bildung, auch im Bereich der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, ist eine Investition in die Zukunft und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

