Adolf Hitlers Schäferhündin “Blondi” und ihr Hundeführer Fritz Tornow sind untrennbar mit den letzten Tagen des NS-Regimes im Führerbunker verbunden. Tornows Schicksal, der von der Wehrmacht über die Nachkriegszeit als Hundefutterfabrikant bis zu seinem Tod in Vergessenheit geriet, ist ein bemerkenswertes Detail in der düsteren Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Dieser Artikel beleuchtet das Leben von Fritz Tornow, seine enge Verbindung zu Hitlers Hunden und die dramatischen Ereignisse, die sich in den letzten Stunden vor Hitlers Selbstmord abspielten.
Von der Wehrmacht zum Führerbunker: Fritz Tornows Rolle
Fritz Tornow, geboren als Paul-Fritz Tornow, diente als Feldwebel der Wehrmacht und wurde zu einer Schlüsselfigur im Leben Adolf Hitlers – nicht wegen militärischer Erfolge, sondern aufgrund seiner Verantwortung für Hitlers geliebte Schäferhündin “Blondi”. Diese Rolle führte ihn an verschiedene Führerhauptquartiere und schließlich in den Bunker unter der Reichskanzlei in Berlin. Hier, inmitten des Chaos und der Verzweiflung der letzten Kriegstage, musste Tornow eine seiner dunkelsten Taten ausführen.
Hitlers Hunde im Fokus: Zwischen Tierliebe und Verzweiflung
Die Beziehung zwischen Diktatoren und ihren Haustieren ist oft ein Thema von historischem Interesse, und Hitlers Bindung an “Blondi” bildet hier keine Ausnahme. Der Schriftsteller Thomas Bernhard zitierte einst in seinem Werk “Beton” die provokante These, dass Kriege durch die “Tierliebe ihrer Beherrscher” ausgelöst werden könnten. Im Fall Hitlers und Tornows kulminierte diese Beziehung in einer Szene von unvorstellbarer Tragik.
Wenige Stunden vor seinem Selbstmord am 30. April 1945 erhielt Tornow den Befehl, nicht nur Hitlers Schäferhündin “Blondi”, sondern auch die Welpen, Eva Brauns Hunde und schließlich seinen eigenen Hund mit Gift oder durch Erschießen zu töten. Hitler, der die Wirkung des von SS-Arzt Ludwig Stumpfegger beschafften Gifts an “Blondi” testen wollte, musste hilflos zusehen, wie seine Hündin starb. Die Szene wurde von Überlebenden wie Hitlers Sekretärin Traudl Junge und seinem Telefonisten Rochus Misch detailliert beschrieben und fand ihren Weg in Verfilmungen wie “Der Untergang”.
Joachim Fests Darstellung in “Der Untergang” beschreibt die Szene wie folgt: Hitler befahl seinem Hundeführer, Feldwebel Fritz Tornow, die Schäferhündin Blondi zu vergiften, um zu verhindern, dass sie in die Hände der Russen fällt. Noch wichtiger war ihm offenbar, die Wirkung des Blausäuregifts zu erproben. Als Tornow die Giftkapsel zerdrückte, fiel das Tier augenblicklich um. Hitler selbst kam später zum Bunkerausgang, um sich von seinem Hund zu verabschieden. Berichten zufolge sah er danach aus wie “seine eigene Totenmaske” und zog sich wortlos in sein Zimmer zurück. Tornow erschoss anschließend die fünf Welpen, die kurz zuvor geboren worden waren.
Die letzten Tage im Bunker: Ein Zeuge der Tragödie
Rochus Misch, Hitlers SS-Leibwächter und Telefonist, schilderte die Ereignisse in seinen Memoiren “Der letzte Zeuge”. Er beobachtete, wie Professor Werner Haase, Hitlers Begleitarzt, und SS-Arzt Prof. Dr. Stumpfegger mit Tornow im Waschraum verschwanden, wo “Blondi” vergiftet wurde. Misch hörte das Geräusch, als Haase eine Giftkapsel zerdrückte, und sah, wie “Blondi” sofort zusammensackte. Hitler kam kurz darauf hinzu, um sich vom Tod seiner Hündin zu überzeugen, und zog sich dann schweigend in sein Zimmer zurück. Die fünf Welpen von “Blondi” wurden von Tornow später im Garten erschossen. Misch war sich sicher, dass Hitler, der sich entschieden hatte, seinen Liebling zu töten, bald darauf folgen würde.
Die Krankenschwester Erna Flegel gab nach ihrer Festnahme zu Protokoll, dass der Tod der Hündin “Blondi” die Menschen im Bunker “mehr erschüttert” habe als der Tod Eva Brauns. Am 2. Mai 1945 ergab sich Fritz Tornow zusammen mit Erna Flegel, dem Elektrotechniker Johannes Henschel und SS-Arzt Prof. Werner Haase den sowjetischen Soldaten.
Nachkriegszeit: Vom Bunkertod zum Hundefutter-Fabrikanten
Die Sowjets brachten Tornow in die Sowjetunion, wo er in Moskau verhört und gefoltert wurde. Mitte der 1950er-Jahre wurde er in den Westen entlassen. Nach seiner Rückkehr lebte er zunächst in Gelsenkirchen, wo er eine Hundepension betrieb und mit der Herstellung von Hundefutter begann. In den 1960er-Jahren zog er auf den Paulinenhof in Hervest-Dorsten und setzte dort seine Produktion fort, bis er die Firma 1976 verkaufte. Das Unternehmen “Paul Tornow” existierte bis 2018 in Gelsenkirchen. Fritz Tornow lebte noch einige Jahre in Dorsten-Wulfen, bevor er Anfang der 1980er-Jahre in die Nähe von Ibbenbüren zog und in den 1990er-Jahren in ein Altenheim nach Gelsenkirchen kam, wo er Ende des Jahrzehnts verstarb. Trotz seines bewegten Lebens sprach er gerne mit Kunden und Mitarbeitern über seine Zeit als Hitlers Hundeführer.
Das internationale Interesse an “Blondi” und Tornow
Interessanterweise gibt es im Internet, insbesondere auf US-amerikanischen Websites, tausende von Seiten, die sich mit Hitlers Hündin “Blondi” und ihrem Führer Fritz Tornow beschäftigen. Diese Diskussionen reichen von spekulativen Mutmaßungen über Tornows Rolle bis hin zu detaillierten Diskussionen über “Blondis” Aussehen. Oftmals werden dabei falsche Behauptungen über seine Tätigkeit als Tierarzt oder sein vermeintliches Ende verbreitet. Die tatsächlichen Fakten über Tornows Leben und seine Rolle sind jedoch weniger bekannt als die dramatischen Ereignisse im Führerbunker.
Die genauen Umstände der Tötung der Hunde wurden auch von sowjetischer Seite untersucht. Berichte von L. A. Besymenki, basierend auf Obduktionsbefunden, bestätigen die Vergiftung von “Blondi” und eine Kopfverletzung bei einem kleineren Hund, mutmaßlich “Wolf”, einem Sohn von “Blondi”. Die Interpretation von Gerichtsmedizinern deutet darauf hin, dass eine Giftampulle im Maul zerdrückt und ein Hund verschluckt und dann erschossen wurde. Dies korrespondiert mit den Aussagen von Hitlers SS-Adjutant Otto Günsche, der die Szene detailliert beschrieb.
Der sowjetische Autor L. A. Besymenki schilderte in der ZEIT Nr. 31/1968, gestützt auf Obduktionsbefunde, das Ableben von Hitler, seiner Frau und auch Hitlers Hund “Blondi”. Besymenki gehörte dem Stab des Sowjetmarschalls G. K. Shukow an. Die gefundenen Hundekadaver wiesen Spuren einer Vergiftung und bei einem Hund eine Kopfverletzung auf. Professor Dr. Wladimir Michajlowitsch Smoljaninow, ein renommierter sowjetischer Gerichtsmediziner, deutete dies als “Toxikologische Probe”: Ein Hund wurde vergiftet, der andere erschossen.
Otto Günsche berichtete, dass Feldwebel Tornow nach der Tötung der Welpen und anderer Hunde völlig betrunken im Bunker herumrannte und schrie: “Der Führer ist gestorben, rette sich, wer kann!”. Dies löste Panik unter den Insassen aus.
Der Führerbunker, eine 16 Meter unter der Neuen Reichskanzlei gelegene Anlage, diente in den letzten Kriegswochen als letzte Befehlszentrale und Wohnsitz Hitlers sowie der Familie Goebbels. Hier heiratete Hitler am 29. April Eva Braun und nahm sich am folgenden Tag mit ihr das Leben.
Quellen/Literatur:
- Bulloch „A. Hitler. Study in Tyranny“, Penguin Books 1962.
- „Die Zeit“ Nr. 31/1968 „So starb Hitler“ (Bericht von L. A. Besymenki).
- Armin D. Lehmann „In Hitler’s Bunker: A Boy Soldier’s Augenzeugenbericht. Last Days des Führers“.
- Joachim Fest „Der Untergang“, Fest 2001.
- Traudl Junge „Bis zur letzten Stunde. Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben“, Clasen, 2002.
- Verfilmung „Der Untergang“ von Bernd Eichinger und Oliver Hirschbiegel, 2004.
- „Hitlers nurse breaks 60 years of silence“ in „The Guardian“, London, vom 2. Mai 2005.
- Rochus Misch „Der letzte Zeuge. Ich war Hitlers Telefonist, Kurier und Leibwächter“, 2007.
- Peter Tillmann, Gelsenkirchen (Sohn des Teilhabers der Paul Tornow- Futtermittelfabrik), Gelsenkirchen 2019.

