Der Spätsommer und Frühherbst bringen nicht nur bunte Blätter und kühleres Wetter, sondern auch unerwünschte kleine Plagegeister mit sich: die Herbstgrasmilben. Diese winzigen Parasiten, auch bekannt als Erntemilben oder Grasmilben, können Mensch und Tier gleichermaßen lästig sein. Besonders Hunde und Katzen leiden oft unter den juckenden Bissen dieser nur 0,3 mm großen Larven. Doch was genau sind Herbstgrasmilben, wie erkennt man einen Befall und wie kann man sich und seine Haustiere schützen? Dieser Artikel gibt Aufschluss und praktische Tipps für einen unbeschwerten Spätsommer.
Was sind Herbstgrasmilben?
Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis) sind in Deutschland weit verbreitet und werden oft mit verschiedenen Namen bezeichnet, darunter Herbstmilben, Erntemilben, Heumilben und eben Grasmilben. Während die erwachsenen Tiere sich von Pflanzenresten am Boden ernähren und somit Vegetarier sind, sind es die orangeroten Larven, die es auf tierische Wirte abgesehen haben. Zwischen Juli und Oktober klettern diese Larven an Pflanzen empor, oft bis zu einer Höhe von etwa einem Meter, und befallen vorbeikommende Wildtiere, Hunde, Katzen und auch Menschen. Besonders in niedrigem Gras, auf Wiesen, Rasenflächen oder in Laubhaufen sind sie häufig anzutreffen.
Die Larven der Herbstgrasmilben beißen nicht im herkömmlichen Sinne. Stattdessen ritzen sie die oberste Hautschicht an und sondern ein Speichelenzym ab, das das Gewebe auflöst. Mit Hilfe dieses Sekrets bilden sie ein Saugrohr, das sogenannte Stylostoma, durch das sie ihre “Mahlzeit” aufnehmen können. Blut wird dabei nur zufällig aufgenommen, wenn beim Anritzen ein kleines Hautgefäß verletzt wird. Nach einigen Stunden bis maximal drei Tagen lassen sich die gesättigten Larven fallen, um sich weiterzuentwickeln. Oft werden sie aber auch schon früher durch Kratzen oder Scheuern vom Wirt entfernt. Obwohl die Verweildauer der Larven am Körper relativ kurz ist, kann der durch ihren Speichel verursachte Juckreiz bis zu zwei Wochen anhalten und wird von vielen als deutlich unangenehmer empfunden als Mückenstiche.
Herbstgrasmilben: Erkennung eines Befalls bei Hund und Katze
Herbstgrasmilben treten typischerweise in Gruppen auf und bevorzugen Körperstellen mit dünner, wenig behaarter und warmer Haut. Bei Menschen sind dies oft die Kniekehlen oder der untere Bauchbereich, bei Hunden und Katzen sind es vor allem Bereiche, die direkten Kontakt mit dem Boden hatten:
- Pfoten und Beine: Besonders zwischen den Zehen sind die Milben oft zu finden.
- Bauch und Brust: Achselhöhlen und Leistenbereiche sind prädestiniert.
- Kopf: Kinn, Ohrenfalten und die Augenpartie können betroffen sein.
An diesen Stellen hinterlassen die Larven zahlreiche kleine, rote Quaddeln, die bei Menschen als Erntekrätze bekannt sind. Bei Hunden und Katzen kann ein starker Befall so aussehen, als litten sie unter einer Hautkrankheit wie Räude. Wenn die Milben noch am Tier sitzen, sind sie als winzige, orangegelbe Pünktchen erkennbar. Glücklicherweise übertragen Herbstgrasmilben in Nordeuropa keine Krankheiten und sind auch nicht von Tier auf Mensch oder umgekehrt übertragbar. Ihre Bisse sind zwar lästig, aber in der Regel nicht gefährlich. Dennoch können allergische Reaktionen bei Hunden und Katzen auftreten, die eine tierärztliche Behandlung erfordern.
Schutzmaßnahmen für Hunde und Katzen
1. Kontakt mit Herbstgrasmilben meiden
Die effektivste Methode ist die Vermeidung von Kontakt mit den Milbenlarven. Eine befallene Wiese auf der Gassirunde mit dem Hund zu umgehen, ist oft praktikabel. Schwieriger wird es, wenn der eigene Garten betroffen ist. Regelmäßiges Rasenmähen und Bewässern kann helfen, die Milbenpopulation zu reduzieren. Wichtig ist dabei, das Schnittgut nicht auf dem Kompost zu entsorgen, da sich dort Kleintiere infizieren könnten.
Test: Befallene Rasenflächen erkennen
Um festzustellen, ob eine Wiese oder der eigene Rasen von Herbstgrasmilben befallen ist, kann ein einfacher Test durchgeführt werden: Legen Sie an einem sonnigen Tag ein Stück weißes Papier oder Stoff ins Gras. Erscheinen nach einiger Zeit orangefarbene Pünktchen darauf, ist die Fläche wahrscheinlich von Milbenlarven besiedelt.
Für Katzen, deren Revier stark von Herbstgrasmilben betroffen ist, kann es während der Hauptsaison ratsam sein, tagsüber im Haus zu bleiben. Das Risiko eines Befalls ist bei Nässe sowie am frühen Morgen und in der Nacht deutlich geringer. Ein nächtlicher Freigang für Katzen oder Spaziergänge in der Dämmerung oder bei Regen können daher eine Erleichterung für die Tiere darstellen.
2. Milbenlarven nach dem Freigang entfernen
Idealerweise sollten die Herbstgrasmilben-Larven entfernt werden, bevor sie sich festsetzen und zu fressen beginnen. Eine Fellkontrolle nach jedem Spaziergang ist daher ratsam. Direkt nach der Rückkehr lassen sich die Milben oft noch leicht abspülen, insbesondere an den gefährdeten Pfoten. Auch beim Bürsten können einige Milben aus dem Fell entfernt werden, obwohl aufgrund ihrer geringen Größe und Tarnung nicht alle Larven erfasst werden.
Haben sich die Milben bereits festgebissen, können spezielle Shampoos oder Sprays vom Tierarzt helfen, sie abzutöten. Auch das Auftragen von Öl auf die Larven kann diese ersticken.
3. Abwehrende Mittel gegen Herbstgrasmilben
Produkte, die natürliches Pyrethrum aus Chrysanthemen oder dessen synthetische Abkömmlinge, die Pyrethroide (z.B. Permethrin), enthalten, können Herbstgrasmilben abwehren und abtöten. Diese Wirkstoffe lähmen das Nervensystem der Parasiten.
Pyrethrum, gewonnen aus “Insektenblumen”, wird bereits seit der Antike zur Abwehr von Ungeziefer eingesetzt. Da es UV-Licht gegenüber empfindlich ist, müssen heutige Pyrethrum-Sprays oft täglich aufgetragen werden.
Synthetische Pyrethroide sind länger wirksam und stärker als natürliches Pyrethrum. Sie sind als Bestandteil von Zeckenmitteln in Form von Spot-ons (für Hunde) oder Sprays für Hunde und Katzen erhältlich. Speziell für Herbstgrasmilben zugelassene Repellentien gibt es laut Parasitologen derzeit nicht. Pyrethroide werden kaum über die Haut aufgenommen und sind für Säugetiere generell wenig giftig. Allerdings können Katzen empfindlich auf zu hoch dosierte Pyrethroide reagieren, da sie diese langsamer abbauen und bei der Fellpflege aufnehmen können. Daher sind hochkonzentrierte Hunde-Spot-ons für Katzen lebensgefährlich. Sprays sollten bei Katzen stets vorsichtig und nach Herstellerangaben angewendet werden.
Wichtiger Hinweis: Pyrethroid-haltige Spot-ons bieten Hunden zwar einen langanhaltenden Schutz, dürfen aber niemals bei Katzen angewendet werden, da sie tödliche Vergiftungen auslösen können. Da Pyrethroide auch für Fische schädlich sind, sollten Hunde nach der Behandlung mit Spot-on oder Spray nicht schwimmen gehen.
Gegen den Juckreiz: Was tun bei Herbstgrasmilben-Bissen?
Es ist eine Herausforderung, aber Hunde und Katzen sollten davon abgehalten werden, an den Bissstellen zu lecken oder zu knabbern, um Infektionen mit Bakterien zu vermeiden. Kühlende Umschläge können Linderung verschaffen. Auch spezielle Sprays oder Gele, die den Juckreiz mindern, können helfen.
Bei wundgeleckten Stellen kann eine pflegende Lotion wie die Jolostrum Lotion die Wundheilung unterstützen. Kleine, offene Wunden, die durch das Kratzen entstanden sind, sollten gereinigt werden, beispielsweise mit alfavet PolySpray, das zusätzlich Bitterstoffe enthält, um weiteres Lecken zu verhindern.
Wenn Hausmittel nicht ausreichen oder das Tier allergisch reagiert, können juckreizlindernde Medikamente vom Tierarzt verschrieben werden.
Dr. Hölter und sein Team wünschen Ihnen und Ihren Vierbeinern einen unbeschwerten Spätsommer ohne lästige Milben!

