FC Heidenheim: Zwischen europäischem Traum und Bundesliga-Realität

Der FC Heidenheim (FCH) durchlebt eine spannende, aber auch herausfordernde Zeit. Nach einem vielversprechenden Saisonstart mit beeindruckenden Erfolgen in der Bundesliga, kämpft das Team von Trainer Frank Schmidt nun um die Konstanz in der höchsten deutschen Spielklasse. Gleichzeitig blüht der FCH im europäischen Wettbewerb auf und sammelt wertvolle Erfahrungen. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Situation des Vereins, analysiert die Stärken und Schwächen und wirft einen Blick auf die personellen Entscheidungen, die den Kader für die Doppelbelastung Bundesliga und Conference League prägen.

Die aktuelle Form: Höhenflug in Europa, Dämpfer in der Liga

Nach fünf Bundesliga-Spielen ohne Sieg, darunter vier Niederlagen und nur ein Unentschieden, ist die Unzufriedenheit beim FC Heidenheim spürbar. Die jüngste 0:3-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg verdeutlicht die Schwierigkeiten, die das Team aktuell plagen. Besonders schmerzhaft war zudem das Ausscheiden im DFB-Pokal gegen Hertha BSC. Diese Ergebnisse stehen im Kontrast zum furiosen Saisonstart, als Heidenheim die ersten fünf Bundesligaspiele gewann und zwischenzeitlich sogar die Tabellenspitze zierte.

Auf internationaler Bühne präsentiert sich der FCH jedoch in bestechender Form. In der Conference League feierte das Team drei Siege in drei Spielen und demonstriert zunehmend Selbstvertrauen. Siege gegen Olimpija Ljubljana (2:1), AE Pafos (1:0) und Hearts (2:0) unterstreichen die Europapokal-Tauglichkeit des Aufsteigers. Die nächste große Herausforderung wartet am 28. November mit dem Heimspiel gegen den FC Chelsea, der ebenfalls ungeschlagen die Tabelle der Conference League anführt.

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Personal: Verjüngung und neue Leistungsträger

Der Verlust von Schlüsselspielern wie Tim Kleindienst (12 Tore, 5 Vorlagen), Eren Dinkci (10/6) und Jan-Niklas Beste (8/13), die maßgeblich am Erfolg der Vorsaison beteiligt waren, musste kompensiert werden. Auch Kevin Sessa, der sich einen Stammplatz im offensiven Mittelfeld erkämpft hatte, verließ den Verein. Angesichts dieser Abgänge verdient die Leistung der Vereinsführung um CEO Holger Sanwald, einen wettbewerbsfähigen Kader für Bundesliga und Conference League aufgebaut zu haben, höchste Anerkennung.

Besonders hervorzuheben sind die Neuzugänge: Paul Wanner (Leihgabe vom FC Bayern München) im offensiven Mittelfeld, der defensive Mittelfeldspieler Niklas Dorsch (FC Augsburg), Flügelspieler Leo Scienza (SSV Ulm 1846) und Mittelstürmer Maximilian Breunig (SC Freiburg) haben sich als wertvolle Verstärkungen erwiesen. Mathias Honsak von Darmstadt 98 steuerte auf der linken Außenbahn drei Assists und ein Tor bei. Auch Sirlord Conteh und Mikkel Kaufmann sind neue Optionen im Kader.

Die Achse der Defensive bildet weiterhin ein erfahrenes Gerüst um Torhüter Kevin Müller (33), Kapitän Patrick Mainka (30), Benedikt Gimber (27), Jonas Föhrenbach (28) und Omar Traoré (26), die bereits in der Vorsaison tragende Säulen waren. Im zentralen Mittelfeld sorgen Jan Schöppner und Lennard Maloney für Stabilität, nun ergänzt durch Niklas Dorsch. Im Angriff hat sich Marvin Pieringer als würdiger Nachfolger von Tim Kleindienst etabliert und ist mit vier Treffern aktuell der Top-Torjäger des Teams – bereits ein Tor mehr als in der gesamten letzten Spielzeit.

Probleme: Chancenverwertung und fehlende Durchschlagskraft

Trotz teils überzeugender Leistungen, wie im Spiel gegen den VfL Wolfsburg, mangelt es dem FC Heidenheim oft an Durchschlagskraft im letzten Drittel. Trainer Frank Schmidt bemängelte nach der jüngsten Niederlage: “Wir hatten so viel Platz – überraschend viel Platz. Aber wir waren im Strafraum nicht gut genug. Wir hätten Wolfsburg bestrafen können. Im Angriff müssen wir aus den vielen Situationen noch mehr klare Gelegenheiten herausspielen, sonst reicht es nicht, wie wir heute gesehen haben.” Diese fehlende Effizienz und Cleverness vor dem Tor war auch im torlosen Remis gegen die TSG Hoffenheim offensichtlich. Die “Rot-Blauen” haben hier definitiv noch Verbesserungspotenzial.

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Die kommenden Wochen versprechen weitere Herausforderungen mit namhaften Gegnern wie Bayer 04 Leverkusen, Eintracht Frankfurt, dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart. Torhüter Kevin Müller kommentierte die schwere Spielzeit mit einem Augenzwinkern: “Besser könnte es nicht sein, oder?” Die Mannschaft muss lernen, aus ihren zahlreichen Balleroberungen und Spielanteilen mehr Kapital zu schlagen, um in diesen Duellen bestehen zu können.

Stärken: Defensive Stabilität und Kampfgeist

Trotz der Probleme in der Offensive zeichnet sich der FC Heidenheim durch eine solide Defensive aus. Mit nur 15 Gegentoren stellen sie die achtbeste Abwehr der Liga und konnten in sieben Spielen bereits zu Null spielen. Ein wesentlicher Grund dafür ist die hohe Zweikampfquote des Teams. Mit durchschnittlich 112 Zweikämpfen pro Spiel gehört der FCH zu den Teams mit der höchsten Intensität in Deutschland. Eine Erfolgsquote von 53% gewonnenen Zweikämpfen unterstreicht die physische Präsenz und den unbedingten Siegeswillen der Mannschaft.

Heidenheim ist auch im Konterspiel schwer zu schlagen und hat erst ein Gegentor nach schnellen Umschaltmomenten des Gegners kassiert. Diese Eigenschaften, gepaart mit Mut und Teamgeist, sollen dem FC Heidenheim helfen, die bevorstehenden schwierigen Spiele zu meistern. “Wir haben letzte Saison gezeigt, dass wir auch gegen Mannschaften, von denen man nichts erwartet, ein Ergebnis erzielen können. Wenn Angst da ist, braucht man Mut, um diese Angst ganz schnell verschwinden zu lassen”, weiß Trainer Frank Schmidt. Mit dieser Einstellung und dem Rückhalt aus den europäischen Erfolgen könnte dem FCH die Überraschung auch gegen die Top-Teams der Bundesliga gelingen.