Kaninchen sind beliebte Haustiere, doch leider werden sie oft in engen Käfigen gehalten. Dabei lieben Kaninchen die Freiheit und benötigen viel Platz, um ihrem natürlichen Verhalten nachzugehen. Dieser Artikel beleuchtet, wie eine artgerechte Freilaufhaltung von Kaninchen aussehen kann und welche Vorteile sie mit sich bringt. Die Haltung in Käfigen kann zu Langeweile, Frust und Stress führen, was sich negativ auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere auswirkt. Es ist daher an der Zeit, Alternativen zur herkömmlichen Käfighaltung zu überdenken und unseren Kaninchen mehr Raum zur Entfaltung zu bieten.
Vom Käfig in den Freilauf: Ein Paradigmenwechsel
Viele Kaninchenhalterinnen und -halter besitzen einen schönen Garten, nutzen diesen aber oft nur temporär für einen Mini-Freilauf während schöner Wetterperioden. Die dauerhafte Haltung im Freien wird seltener umgesetzt, obwohl bekannt ist, dass Platzmangel und ständige Revierwechsel zu Problemen führen können. Traditionelle Freigehege, oft aus Maschendraht und Holz, sind nicht immer ideal. Sie können die Lebensqualität der Tiere stark einschränken und Langeweile sowie Stress verursachen. Kaninchen sind von Natur aus neugierig, bewegungsfreudig und brauchen Anregung. Eine artgerechte Haltung sollte diesem Bedürfnis Rechnung tragen.
Erfolgreiche Freilaufhaltung mit Elektrozaun
Vor zwei Jahren begann die Autorin dieses Berichts, ihren Kaninchen einen 365-tägigen Freilauf in einem naturbelassenen Garten zu ermöglichen. Der teilweise hügelige und dicht bewachsene Garten mit Büschen und Bäumen bietet ideale natürliche Verstecke und Erhebungen, die für Kaninchen besonders interessant sind. Um dieses unebene Gelände kaninchensicher einzuzäunen, ohne die natürliche Vegetation zu stören, wurde ein flexibles Elektrozaunnetz für die Freilandhaltung von Nutztieren fündig. Insbesondere das hochwertige Geflügelnetz der Firma “horizont” erwies sich als robust und langlebig. Mit einem 50 Meter langen Zaun wurde ein ca. 300 qm großes Revier abgesteckt, das den Kaninchen von Sonnenaufgang bis zur Dämmerung frei zugänglich ist. Der Zaun passt sich dem Gelände an und schützt gleichzeitig das Gemüsebeet. Innerhalb weniger Stunden war der Zaun installiert. Auf ihrer Weide können die Kaninchen nach Herzenslust grasen, springen, Haken schlagen und sich bei Gefahr unter den Büschen verstecken. Die Tiere kehren abends selbstständig ins Haus zurück, wo sie ihre abendliche Fütterung mit Haferflocken erhalten. Durch konsequente Fütterung und ein spezielles Kaninchentürchen können die Tiere dieses Verhalten erlernen.
Sicherheit und Vertrauen: Ängste und Realität
Die Vorstellung, Kaninchen frei laufen zu lassen, weckt bei vielen Haltern Ängste vor Fluchtversuchen oder Angriffen durch Fressfeinde wie Milane, Bussarde, Füchse oder Wiesel. Es wurde befürchtet, dass die Tiere nicht lange überleben würden. Auch die Sorge, dass Kaninchen unkontrolliert graben oder Zäune überwinden könnten, war groß. Die Autorin und ihr Mann machten sich jedoch weniger Sorgen als vielmehr Gedanken darüber, wie sie die Umgebung für ihre frei laufenden Kaninchen sicher gestalten können. Der Elektrozaun ist ein wirksames Rückhaltesystem, aber er bietet keinen hundertprozentigen Schutz, wenn die Umgebung nicht kaninchensicher ist.
Natürliche Gestaltung und Versteckmöglichkeiten
Um Kaninchen optimal zu schützen, sind zusätzliche Sicherheitskomponenten notwendig. Ausreichend Versteckmöglichkeiten sind essenziell für das scheue Fluchttier. Wenn natürliche Verstecke im Garten fehlen, können einfache Mittel Abhilfe schaffen: Büsche pflanzen, den Rasen nicht zu kurz schneiden und eine “wilde Wiese” wachsen lassen. Dies bietet nicht nur Verstecke, sondern erhöht auch den ökologischen Wert und dient als Futtergrundlage. Einfache Holzkisten, Gartenbänke oder Holzstapel können ebenfalls als Unterschlupfe dienen. Wichtig ist, dass sich die Kaninchen unentdeckt und sicher fühlen, um Stress zu vermeiden.
Die Umgebung um das Kaninchenrevier muss sicher sein. Ein uneinsehbarer Bereich oder ein ausreichend hoher, stabiler Zaun sind ratsam, besonders wenn das Grundstück nah an einer Straße liegt oder Hunde als potenzielle Räuber vorhanden sind. Kaninchen möchten ihr Revier aktiv mitgestalten. Sie knabbern gerne an Pflanzen, fressen Kräuter und erkunden ihre Umgebung. Ein interessantes Stück Natur zur freien Verfügung erfüllt ihre Bedürfnisse. Ein kleiner, kurz gemähter Rasenstreifen ist auf Dauer nicht ausreichend und führt oft zu Ausbruchsversuchen. Ein flexibler Weidezaun ist hier die kostengünstigste und einfachste Lösung, um ein natürliches Revier mit geringem Aufwand zu schaffen.
Das Elektrozaunprinzip in der Praxis
Das Prinzip des Elektrozauns hat sich in der Praxis bewährt. Die Kaninchen lernen schnell den Stromimpuls in der Nähe des Zauns zu spüren und meiden ihn. Wichtig ist eine richtige Einführung in die Freilaufhaltung. Die Weidefläche sollte ausreichend groß sein und der Zaun mindestens 100 cm hoch. Das grellgelbe Geflügelnetz von “horizont” hat sich als besonders effektiv erwiesen, da die Maschenweite kleine wie große Fressfeinde abhält. Absolute Sicherheit gibt es jedoch nie. Innerhalb der Kaninchengruppe können, wie in jeder Familie, kleinere Auseinandersetzungen auftreten, besonders bei Jungtieren. Ein genügend großer Freiraum, viele Rückzugsmöglichkeiten, Kastrationen und die ununterbrochene Gruppenhaltung in einem vertrauten Revier sorgen für ein harmonisches Miteinander.
Wichtiger Hinweis: Kaninchen, die bisher nur im Haus gehalten wurden, sollten erst ab dem warmen Frühling (Mai) an die Freilaufhaltung gewöhnt werden. So können sie sich körperlich an die verschiedenen Jahreszeiten anpassen und im Herbst ausreichend Winterfell und Energiereserven für die kalte Jahreszeit aufbauen.

