Blähungen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft und im Alltag unangenehm sein kann. Doch wann sind Blähungen normal und wann sollte man ärztlichen Rat suchen? Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Blähungen, gibt praktische Tipps zur Ernährung und Lebensweise und erklärt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Wie entstehen Blähungen?
Blähungen entstehen hauptsächlich durch zwei Prozesse: das Verschlucken von Luft während des Essens und Trinkens sowie durch die Gasproduktion von Bakterien im Dickdarm. Wenn wir essen, schlucken wir unweigerlich Luft. Diese gelangt zusammen mit der Nahrung in den Magen und dann weiter in den Dünndarm, wo Verdauungssäfte die Nahrung zersetzen. Im Dickdarm zersetzen Bakterien die verbleibenden Nahrungsbestandteile und produzieren dabei verschiedene Gase wie Kohlendioxid, Methan und Schwefelwasserstoff. Ein Teil dieser Gase wird über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen und über die Lunge ausgeatmet, während der Rest als Darmwind (Flatulenz) abgegeben wird.
Wie viel Pupsen ist normal?
Gastroenterologen zufolge ist es völlig normal, etwa 20 bis 30 Darmwinde pro Tag zu produzieren, was ungefähr 1 bis 1,5 Liter Flatulenz entspricht. In den meisten Fällen sind Blähungen harmlos und kein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung. Nur in etwa 5% der Fälle liegen medizinische Ursachen zugrunde.
Schmerzhafte Blähungen: Eine Frage der Wahrnehmung
Manchmal gehen Blähungen mit starken Schmerzen einher, obwohl die produzierte Gasmenge bei Betroffenen ähnlich hoch ist wie bei Menschen ohne Beschwerden. Dies deutet darauf hin, dass die individuelle Wahrnehmung der Darmtätigkeit eine große Rolle spielt. Eine gestörte Darm-Hirn-Achse kann dazu führen, dass Reize im Gehirn anders verarbeitet werden und als schmerzhaft empfunden werden.
Gründe für starke Blähungen
Mehrere Faktoren können zu starken Blähungen beitragen:
- Hastiges Essen und Trinken: Wer schnell isst oder trinkt, verschluckt mehr Luft.
- Kohlensäurehaltige Getränke: Der Stickstoff in kohlensäurehaltigen Getränken kann vom Körper kaum resorbiert werden und muss ausgeschieden werden, was zu Blähungen führen kann.
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Laktose-, Fruktose- oder Glutenintoleranz sind häufige Ursachen für Verdauungsbeschwerden, einschließlich Blähungen.
- Bestimmte Lebensmittel: Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln, Steinobst, Vollkornprodukte, stark zuckerhaltige oder verarbeitete Lebensmittel sowie Schweinefleisch können je nach individueller Darmflora Blähungen verursachen.
Die richtige Ernährung bei Blähungen
Während einige Lebensmittel wie Fertiggerichte aus gesundheitlichen Gründen gemieden werden sollten, sind andere wie Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte trotz ihres blähenden Potenzials sehr gesund. Ballaststoffe in diesen Lebensmitteln sind essenziell für die allgemeine Gesundheit und können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Es ist ratsam, sich langsam an diese Lebensmittel heranzutasten und die Darmflora über die Zeit anzupassen. Eine plötzliche Ernährungsumstellung, insbesondere bei Ballaststoffen oder Proteinen, kann den Darm überfordern und zu Beschwerden führen.
Probiotika und ihre Wirkung
Probiotika, die oft zur Stärkung der Darmflora empfohlen werden, insbesondere nach Antibiotikagabe, zeigen in Studien widersprüchliche Ergebnisse. Die Ernährung spielt eine entscheidendere Rolle für eine gesunde Darmflora.
Zucker, Süßstoffe und Stress als Auslöser
Softdrinks, sowohl zuckerhaltige als auch Light-Produkte, können aufgrund von Zucker und Süßstoffen Blähungen begünstigen, da diese im Dünndarm schlecht verdaut werden und den Bakterien im Dickdarm als “Futter” dienen, was zu Gasbildung führt. Wasser und ungesüßter Tee sind daher bessere Durstlöscher. Dauerhafter Stress kann ebenfalls Blähungen fördern, da das Stresshormon Cortisol die Darmtätigkeit reduzieren kann.
Medikamente und hormonelle Einflüsse
Bestimmte Medikamente wie Antidepressiva, Diabetes-Medikamente oder opioidhaltige Schmerzmittel können die Darmtätigkeit beeinflussen und zu Blähungen führen. Bei Auftreten von Beschwerden ist es ratsam, dies mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Bei Frauen können hormonelle Schwankungen während der Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre ebenfalls Verdauungsprobleme wie Blähungen verursachen.
Wann zum Arzt? Warnsignale beachten
Bei folgenden Symptomen sollten Sie ärztlichen Rat einholen: Blut im Stuhl, starke Durchfälle, unerklärlicher Gewichtsverlust oder nächtliches Erwachen aufgrund der Beschwerden. Obwohl der Geruch von Blähungen keinen Rückschluss auf ernste Erkrankungen zulässt, können chronische Darmerkrankungen, Zöliakie, Verstopfung oder im schlimmsten Fall ein Darmverschluss hinter starken Blähungen stecken. Auch Herzbeschwerden können fälschlicherweise auf Blähungen zurückgeführt werden.
Was hilft gegen Blähungen?
Zur Linderung von Blähungen können natürliche Mittel wie Anis, Fenchel oder Kümmel eingesetzt werden, sei es als Tee, im Essen oder pur gekaut. Diese Kräuter wirken krampflösend und fördern die Verdauung. Pfefferminzöl ist ebenfalls eine beliebte Option.
Weitere hilfreiche Maßnahmen umfassen:
- Bewusstes Essen: Mahlzeiten in Ruhe und im Sitzen einnehmen.
- Lockere Kleidung: Enge Hosen oder Gürtel vermeiden.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Täglich etwa zwei Liter Wasser trinken.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität unterstützt die Darmfunktion.
Bei akuten Beschwerden können rezeptfreie Medikamente mit Wirkstoffen wie Simeticon oder Dimeticon kurzfristig Linderung verschaffen. Krampflösende Medikamente sollten nur gezielt und nicht dauerhaft eingesetzt werden.

