Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) ist eine weit verbreitete und hochansteckende Infektionskrankheit, die vor allem Kinder unter zehn Jahren betrifft, aber auch bei Erwachsenen auftreten kann. Verursacht wird sie hauptsächlich durch Enteroviren vom Typ A (EV-A), wobei Coxsackie-Viren (CVA6 und CVA16) sowie Enterovirus 71 (EV-A71) zu den häufigsten Erregern zählen. Obwohl die HFMK in Deutschland nicht meldepflichtig ist, treten saisonale Häufungen typischerweise im Spätsommer und Herbst auf. Dieser Ratgeber bietet umfassende Informationen zu Erregern, Übertragungswegen, Symptomen, Diagnostik, Therapie sowie Präventions- und Hygienemaßnahmen, um Fachkreise und die Öffentlichkeit fundiert zu informieren.
Erreger und Vorkommen
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit wird primär durch Enteroviren der Gruppe A verursacht, darunter Coxsackie-Viren (wie CVA2–A8, A10, A12, A14, A16) und Enterovirus 71 (EV-A71). CVA6 und CVA16 sind dabei die häufigsten Auslöser. Enteroviren sind kleine, robuste RNA-Viren aus der Familie der Picornaviridae, die widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen und vielen Desinfektionsmitteln sind. Sie sind weltweit verbreitet und zeichnen sich durch eine hohe Kontagiosität aus. Besonders in ostasiatischen Regionen kommt es regelmäßig zu größeren Ausbrüchen, bei denen insbesondere EV-A71 zu schweren Komplikationen wie ZNS-Erkrankungen oder Lungenödemen führen kann.
Übertragung und Inkubationszeit
Die Übertragung der HFMK-Erreger erfolgt von Mensch zu Mensch durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Nasen- und Rachensekreten, Speichel, Bläscheninhalt oder Stuhl. Auch die Berührung kontaminierter Oberflächen spielt eine wesentliche Rolle, wobei die fäkal-orale Übertragung dominiert. In den ersten Tagen der Infektion kann das Virus auch durch Tröpfcheninfektion aus dem Rachenraum übertragen werden. Die Inkubationszeit beträgt typischerweise 3 bis 10 Tage, kann aber auch bis zu 30 Tage betragen.
Symptomatik und Verlauf
Die Krankheit beginnt oft mit Fieber, Appetitlosigkeit und Halsschmerzen. Kurz darauf entwickeln sich schmerzhafte Bläschen und Geschwüre (Ulzera) in der Mundschleimhaut, vor allem auf Zunge, Zahnfleisch und Mundschleimhaut. Etwa ein bis zwei Tage nach Fieberbeginn tritt meist ein nicht juckender Hautausschlag auf, der typischerweise die Handflächen und Fußsohlen betrifft. Dieser kann als flache oder erhabene rote Flecken auftreten, manchmal mit Blasenbildung. Insbesondere bei Infektionen mit CVA6 können atypische Verläufe mit Ausschlägen an Gesäß, Genitalbereich, Knien oder Ellenbogen auftreten, die stärker jucken und mit systemischen Symptomen einhergehen können, was eine stationäre Behandlung erfordern kann.
Die meisten Infektionen, über 80%, verlaufen jedoch asymptomatisch oder mild und heilen innerhalb von 5 bis 7 Tagen ohne ärztliche Behandlung aus. Komplikationen wie aseptische Meningitis oder polioartige Lähmungen sind sehr selten. Bei einigen Verlaufsformen kann es Wochen nach der Infektion zum Verlust von Finger- und Zehennägeln kommen (Onycholyse). Für Schwangere gilt: Während die meisten Enterovirusinfektionen milde oder keine Symptome verursachen, können sie das Virus auf ihr Neugeborenes übertragen. In sehr seltenen Fällen können fulminante Verläufe bei Neugeborenen auftreten, insbesondere in den ersten beiden Lebenswochen.
Diagnostik
In den meisten Fällen ist aufgrund des typischen klinischen Bildes und des milden Verlaufs keine weiterführende Labordiagnostik erforderlich. Falls dennoch eine Untersuchung gewünscht wird, stehen molekularbiologische Methoden wie die Enterovirus-PCR (Polymerase-Kettenreaktion) zur Verfügung. Diese kann in Stuhlproben, Rachenabstrichen oder Bläscheninhalt durchgeführt werden. Bei ZNS-Beteiligung kann auch Liquor (Hirnwasser) untersucht werden. Der Erregernachweis aus dem Stuhl gelingt in etwa 80% der Fälle in den ersten ein bis zwei Wochen der Erkrankung. Serologische Nachweise sind aufgrund der Erregervielfalt und der hohen Grundimmunität in der Bevölkerung weniger aussagekräftig.
Therapie und Prävention
Es gibt keine spezifische antivirale Therapie gegen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit; die Behandlung beschränkt sich auf die Linderung der Symptome. Impfstoffe gegen EV-A71 sind für den Einsatz in bestimmten Regionen verfügbar.
Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist eine konsequente Händehygiene, insbesondere nach dem Windelwechsel und Toilettengang. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife ist essenziell. Oberflächen, Gegenstände und Spielzeug sollten sorgfältig gereinigt werden. Enger Körperkontakt mit Erkrankten sollte vermieden werden, ebenso das Teilen von Besteck oder Geschirr. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten ist kein genereller Ausschluss von Kindern mit HFMK vorgesehen, solange sie fieberfrei sind und sich wohlfühlen. Das zuständige Gesundheitsamt kann jedoch unter bestimmten Umständen einen Ausschluss anordnen, um Ausbrüche einzudämmen. Nach dem Abklingen der Symptome und dem Eintrocknen der Bläschen ist eine Rückkehr in Gemeinschaftseinrichtungen meist ohne ärztliches Attest möglich.
Für medizinische Einrichtungen gelten erweiterte Hygieneanforderungen, insbesondere hinsichtlich der Desinfektion. Nur Desinfektionsmittel mit nachgewiesener “viruzider” Wirksamkeit gegen unbehüllte Viren sind geeignet.
Gesetzliche Grundlagen und Beratung
In Deutschland besteht keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht für die Hand-Fuß-Mund-Krankheit nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). In einigen Bundesländern gibt es jedoch ergänzende Verordnungen zu Meningitis-Erkrankungen, die indirekt relevant sein können.
Das Robert Koch-Institut (RKI) bietet keine individuelle medizinische Beratung an. Bei Fragen zu Klinik, Therapie oder Impfungen wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder ein Krankenhaus. Informationen zum Infektionsschutz und zur Prävention erhalten Sie bei Ihrem zuständigen Gesundheitsamt. Das Nationale Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren am RKI steht für spezialisierte Anfragen zur Verfügung.
Die Informationen zu halsschmerzen bei corona und corona in schwangerschaft können für das Verständnis allgemeiner viraler Infektionsmuster hilfreich sein.
Weiterführende Literatur
- CDC: Informationen zur Hand-Fuß-Mund-Krankheit (https://www.cdc.gov/hand-foot-mouth/)
- DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, 7. Auflage (2018).
Dieser Ratgeber wurde vom Robert Koch-Institut erstellt und dient der Information von Fachkreisen und der Öffentlichkeit.
