Die Hallstattkultur, eine der bedeutendsten prähistorischen Kulturen Europas, bildet einen wesentlichen Teil der österreichischen und europäischen Identität. Seit ihren ersten Entdeckungen bis heute haben die gewonnenen Erkenntnisse unser Verständnis der frühen europäischen Geschichte maßgeblich geprägt. Eine Zusammenführung dieser Erkenntnisse ist essenziell, um die historische und gegenwärtige Bedeutung der Hallstattkultur zu beleuchten und einen Ausblick auf zukünftige Forschungsperspektiven zu wagen. Das Kultur- und Kongresshaus in Hallstatt bietet hierfür den idealen Rahmen, um eine Atmosphäre des Austauschs und der Reflexion zu schaffen, die das Verständnis und die Wertschätzung dieser faszinierenden Kultur fördert. Dieses Symposium ist eine Hommage an HR Dr. Anton Kern, den langjährigen Direktor der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien.
Programm des Symposiums
Das dreitägige Symposium, das vom 09. bis 11. Mai 2024 stattfand, bot ein reichhaltiges Programm, das die verschiedenen Facetten der Hallstattkultur aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und touristischen Blickwinkeln beleuchtete.
Donnerstag, 09. Mai 2024: Fokus auf Archäologie und Konservierung
Der erste Tag begann mit der Begrüßung durch Axel Scheutz, Christian Schirlbauer, Katrin Vohland und Alfred Weidinger, gefolgt von einem Überblick über die “Archäologie der Hallstattkultur im 21. Jahrhundert” von Robert Schumann. Die Bedeutung der Hallstattforschung für das Naturhistorische Museum Wien wurde von Katrin Vohland dargelegt, während Georg Tiefengraber neue Forschungen zum Gräberfeld Hallstatt vorstellte. Nach einer Kaffeepause thematisierte Johann Rudorfer die Herausforderungen für die Bodendenkmalpflege in Hallstatt im Kontext von Kultur, Klima und Katastrophenschutz. Doris Pany präsentierte Forschungsergebnisse zur Gesundheit von Zähnen und Zahnhalteapparat in der eisenzeitlichen Bevölkerung Hallstatts, in Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Anton Kern. Daniel Brandner erläuterte Methoden und Grenzen der Montanarchäologie in Hallstatt. Der Nachmittag widmete sich der archäologischen Textilforschung durch Karina Grömer und spezifischen Fragestellungen der Konservierung und Restaurierung von Funden aus Hallstatt durch Daniel Oberndorfer und sein Team. Hans Reschreiter und Kerstin Kowarik betonten die Bedeutung von “Organik in Qualität und Massen” für den Welterbe-Status. Der Tag klang mit Beiträgen zur Nachhaltigkeit von Holz in Hallstatt (“Hallstatt – Holzstatt: 3000 Jahre Nachhaltigkeit”) und Mensch-Umwelt-Beziehungen in der Region aus. Ein Festvortrag von Thomas Stöllner über “Salzmumien und andere Besonderheiten” bot einen faszinierenden Einblick in die Strategien der Salzbergbauarchäologie.
Freitag, 10. Mai 2024: Grenzüberschreitende Forschung und Welterbe
Der zweite Tag fokussierte sich auf Landschaftsanalysen und Handelsbeziehungen. Kerstin Kowarik und Julia Klammer untersuchten “Grenzen und Übergänge” im Umfeld des prähistorischen Bergbauzentrums. Mathias Mehofer präsentierte archäometallurgische Analysen zum eisenzeitlichen Kupferhandel in den Ostalpen. Thomas Stöllner verglich den Dürrnberg mit den eisenzeitlichen Salzbergwerken Hallstatts. Nach der Kaffeepause beleuchteten Hans Reschreiter und Kerstin Kowarik die “Diachrone Betrachtung des Salzkammergutes: Ewiger Bergbau”. Aktuelle Erkenntnisse zur Beziehung zwischen dem Westhallstattkreis und alpinen Salzbergwerken stellte Julia Katharina Koch vor, während Georg Tiefengraber die Rolle von Hallstatts Nachbarn im Südostalpenraum im überregionalen Handel darlegte. Am Nachmittag ging es um die Suche nach Siedlungen mittels archäologischer Prospektion (Klaus Löcker) und experimentelle archäologische Studien im Hochtal (Wolfgang F. A. Lobisser). Die Perspektiven des Tourismus auf die UNESCO-Welterberegion Hallstatt wurden von Christian Schirlbauer präsentiert, gefolgt von einem Beitrag über den Welterbe-Schutz aus Sicht des Landes Oberösterreich durch Laurin Holzleitner. Bernd Paulowitz erläuterte das Management der Welterbekulturlandschaft Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut, und Elisabeth Schweeger sprach über die Rolle Hallstatts im Rahmen von “Salzkammergut 2024 – Kulturhauptstadt Europas”. Der Tag endete mit Dankesworten und einem Ausblick durch Alfred Weidinger.
Samstag, 11. Mai 2024: Praktische Einblicke
Der dritte und letzte Tag bot exklusive Führungen im Hochtal und im Salzbergwerk, die von Mitarbeitern des Naturhistorischen Museums geleitet wurden und nach vorheriger Anmeldung möglich waren. Diese Führungen boten den Teilnehmern die Gelegenheit, die Stätten der Hallstattkultur hautnah zu erleben und das erworbene Wissen praktisch zu vertiefen.
Anmeldung und Ausblick
Interessierte, die an den Führungen teilnehmen wollten, wurden gebeten, sich unter simon.lachner@ooelkg.at anzumelden. Das Symposium unterstreicht die anhaltende Faszination und wissenschaftliche Relevanz der Hallstattkultur. Die interdisziplinäre Betrachtung und die kontinuierliche Forschung versprechen weitere spannende Entdeckungen, die unser Verständnis dieser einzigartigen prähistorischen Epoche weiter bereichern werden. Die enge Verbindung von archäologischer Forschung, Denkmalpflege und Tourismus zeigt beispielhaft, wie kulturelles Erbe lebendig gehalten und für zukünftige Generationen bewahrt werden kann.

