Die Dringlichkeit des Klimawandels ist unübersehbar, doch wie effektiv sind junge Stimmen im politischen Diskurs? Greta Thunbergs Bewegung “Fridays for Future” hat sich von einem anfänglichen Schulstreik zu einer globalen Kraft entwickelt, die politische Entscheidungsträger weltweit herausfordert. Diese Bewegung, angeführt von der jungen schwedischen Aktivistin, wirft ein Schlaglicht auf die Kluft zwischen den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimawandel und den politischen Maßnahmen, die zu seiner Bekämpfung ergriffen werden. Insbesondere in Deutschland zeigt sich, wie die Jugend mit Protesten versucht, Druck auf die Politik auszuüben, um die im Pariser Abkommen vereinbarten Klimaziele zu erreichen. Der Weg dorthin ist jedoch von Widerständen und Debatten geprägt, die tiefere Einblicke in die Herausforderungen des Umweltschutzes in einer Industrienation geben. Die Bedeutung von Aktionen wie umwelt nachhaltigkeit wird hierbei immer wieder betont.
Die Entstehung von “Fridays for Future”
Die Geschichte von “Fridays for Future” begann im August 2018, als Greta Thunberg beschloss, aus Protest gegen die mangelnden Klimaschutzmaßnahmen Schwedens die Schule zu bestreiken. Ihr Ziel war es zunächst, die schwedischen Parlamentswahlen abzuwarten, da sie die Klimathematik in den Wahlkampagnen als unterrepräsentiert empfand. Tag für Tag saß sie allein vor dem Reichstagsgebäude in Stockholm, doch ihre Botschaft fand schnell Gehör. Was als individueller Akt des Protests begann, entwickelte sich zu einer europaweiten Protestbewegung, die Jugendliche dazu ermutigte, ihre Stimme für den Klimaschutz zu erheben.
Das Pariser Klimaabkommen von 2015
Im Jahr 2015 versammelten sich Vertreter von 196 Staaten auf der UN-Klimakonferenz in Paris. Das Ergebnis war das Pariser Abkommen, ein wegweisendes internationales Übereinkommen mit dem Ziel, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, möglichst aber auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Doch die Realität zeigt, dass viele Länder, einschließlich Schweden und Deutschland, Schwierigkeiten haben, diese ambitionierten Ziele zu erreichen. Die Diskrepanz zwischen den Verpflichtungen und den tatsächlichen Fortschritten ist ein zentraler Punkt der Kritik von Aktivisten wie Greta Thunberg.
Gretas Schulstreik im Sommer 2018
Die Nachricht von Gretas Schulstreik verbreitete sich über Zeitungen und soziale Medien rasant und inspirierte Schülerinnen und Schüler in ganz Europa. Ihre Bekanntheit wuchs exponentiell. Bereits im November desselben Jahres hielt die damals 15-Jährige einen vielbeachteten TEDx-Talk in Stockholm. Dort berichtete sie eindringlich von ihrem Erwachen für die Klimakrise und ihrem Unverständnis darüber, dass nicht täglich über die Lösung dieser existenziellen Bedrohung gesprochen und gehandelt wird. Sie kritisierte die Politik, die vage Zukunftsszenarien formuliere, an denen junge Generationen möglicherweise gar nicht mehr teilhaben würden. Ihre zentrale Botschaft: Die Lösungen sind vorhanden, es mangelt jedoch am politischen Willen zur Umsetzung.
Im Herbst 2018 folgten erste Schülerproteste in den Niederlanden und Deutschland, die sich im Oktober und November auf weitere europäische Länder wie Belgien, die Schweiz, England und Finnland ausdehnten.
Winter 2018: Die Geburt von “Fridays for Future”
In Deutschland etablierte sich die Bewegung unter dem Namen “Fridays for Future”. Lokale Gruppen organisierten sich eigenständig über digitale Kanäle wie WhatsApp und verbreiteten ihre Botschaften über soziale Medien und Flyer. Bis Februar 2019 zählte die Bewegung bereits über 155 Ortsgruppen in Deutschland. Der Protest stieß jedoch auch auf Widerstand, insbesondere von konservativen politischen Kreisen, die das Fernbleiben der Schülerinnen und Schüler vom Unterricht kritisierten. Schulen wurden aufgefordert, die Fehlzeiten zu vermerken und nicht zu entschuldigen. Die Antwort der Jugendlichen ließ nicht lange auf sich warten: Sie seien stolz darauf, sich für die Umwelt und eine gerechtere Klimapolitik eingesetzt zu haben, was auf ihrem Zeugnis vermerkt werden könne. Die Handhabung der Fehlzeiten variierte je nach Bundesland und Schule, was die unterschiedlichen Prioritäten im Umgang mit der Klimakrise widerspiegelte.
UN-Klimakonferenz in Katowice (Dezember 2018)
Die 24. UN-Klimakonferenz fand im Dezember 2018 in Katowice, Polen, statt. Hier erfolgte die erste Überprüfung der nationalen Klimaschutzbemühungen seit dem Pariser Abkommen. Die Konferenz brachte verschärfte Regeln hervor: Ab 2020 müssen alle Unterzeichnerstaaten ihre Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen sowie ihre tatsächlichen Emissionen genau dokumentieren und berichten. Die Messmethoden mussten ebenfalls offengelegt werden.
Alle fünf Jahre soll eine Klimabilanz gezogen werden, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu bewerten. Bis 2025 sollen die finanziellen Investitionen in die Klimapolitik aufgestockt werden. Staaten, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, sollen öffentlich angeprangert werden (“Naming and Shaming”), da die UN keine direkten Sanktionsmöglichkeiten besitzt.
Greta Thunberg reiste ebenfalls nach Katowice und äußerte sich kritisch über die Beschlüsse, die ihr zu vage und zu zukunftsorientiert erschienen. In ihrer Rede warf sie den Politikern vor, die Realität zu ignorieren, um unpopuläre Entscheidungen zu vermeiden. Sie betonte: “Es ist mir egal, ob ich beliebt bin. Ich will Gerechtigkeit in der Klimafrage und einen Planeten, auf dem wir leben können.” Sie appellierte eindringlich an die Verantwortung der Mächtigen, die Wahrheit nicht zu verschleiern und endlich zu handeln. Besonders hob sie hervor, dass die ärmsten Länder der Welt die Hauptlast des Klimawandels tragen: “Ihr sagt immer, ihr liebt eure Kinder mehr als alles andere auf der Welt. Und trotzdem stehlt ihr ihnen die Zukunft, direkt vor ihren Augen.”
Dezember 2018: EU verbietet Einwegplastik
Im Dezember 2018 beschloss die Europäische Union ein Verbot für Einwegplastikprodukte wie Strohhalme und Wattestäbchen. Obwohl dies ein Schritt in die richtige Richtung ist, bleibt der Plastikverbrauch im Alltag immens. Obst, Gemüse, Hygieneprodukte – vieles ist nach wie vor in Plastik verpackt. Trotz bewusster Bemühungen, den eigenen Plastikkonsum zu reduzieren, ist ein plastikfreies Leben kaum möglich. Deutschland steht trotz Fortschritten wie der Abschaffung kostenloser Einwegplastiktüten im Einzelhandel auf Platz drei der Länder mit dem höchsten Plastikverbrauch pro Kopf, hinter den USA und China, mit einem durchschnittlichen Verbrauch von einem halben Kilogramm pro Person und Tag.
Januar 2019: Weltwirtschaftsforum in Davos
Im Januar 2019 fand das Weltwirtschaftsforum in Davos statt, ein Treffen von Politikern, Forschern und Wirtschaftsführern. Hauptthema vieler Diskussionen war zwar der Brexit, doch der vom Forum selbst veröffentlichte Risikobericht hatte den Klimawandel als eines der fünf größten Probleme unserer Zeit eingestuft. Greta Thunberg reiste erneut an, diesmal mit dem Zug – eine bewusste Entscheidung, die im Kontrast zu vielen Teilnehmern stand, die mit Privatjets anreisten.
Greta richtete einen eindringlichen Appell an die versammelte Elite: “Ich möchte, dass ihr handelt, als befänden wir uns in einer Krise. Denn das tun wir. Und ich möchte, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn das tut es.” Sie konstatierte, dass in der Klimapolitik die Erwachsenen versagt hätten und forderte entschlossenes Handeln.
Trotz der Dringlichkeit des Themas Klimawandel, die von Greta betont wurde, sprachen nur wenige Teilnehmer offen darüber. Stattdessen wurde häufig die Belastung der deutschen Automobilindustrie durch neue Abgasnormen diskutiert, was Greta in einem Umfeld von Menschen zeigte, die Umweltschutz als geschäftsschädigend betrachteten.
Februar 2019: Beschluss zum Kohleausstieg in Deutschland
Im Februar 2019 diskutierte Deutschland über den Ausstieg aus der Kohleverstromung. Die “Fridays for Future”-Bewegung, vor allem getragen von Schülerinnen und Schülern, forderte in einem offenen Brief einen Kohleausstieg bereits ab 2020, um die deutschen Klimaziele für 2020 und 2030 noch erreichen zu können. Am 25. Januar demonstrierten über 10.000 Jugendliche in Berlin vor dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Die Ergebnisse der Kohlekommission enttäuschten die Aktivisten jedoch maßgeblich: Deutschland beschloss einen Kohleausstieg erst ab 2038. Dieses Datum macht das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels praktisch unmöglich. Die Kommission sicherte zudem nicht den Erhalt aller betroffenen Dörfer und setzte nur ein sehr langsames Ausstiegstempo ab 2022 fest. Die Demonstranten kündigten an, ihren wöchentlichen Streik fortzusetzen, bis tatsächliche Veränderungen sichtbar werden.
Politiker und besorgte Erwachsene reagierten auf die Proteste oft mit der Bitte, die Streiks auf Wochenenden oder unterrichtsfreie Zeiten zu verlegen, da die Botschaft der Jugend angekommen sei. Einige Stimmen unterstellten den Jugendlichen und Greta gar, das Klima als Vorwand zu nutzen, um der Schule fernzubleiben.
Kritik an Greta Thunberg
Besonders im Internet sah sich Greta Thunberg scharfer Kritik ausgesetzt, die selten inhaltlich auf ihre Forderungen einging. Da ihre Aussagen zum Klimawandel schwer zu widerlegen waren, versuchten Kritiker, sie als Person anzugreifen. Zweifel an der Autorschaft ihrer Reden, Vorwürfe der Instrumentalisierung durch ihre Eltern und die Behauptung, ihr Asperger-Syndrom hindere sie am Verständnis der komplexen Zusammenhänge, waren häufige Angriffe.
Diese Reaktionen unterstreichen jedoch nur die Richtigkeit von Gretas Vorwürfen an die Adresse der Entscheidungsträger. Wer als Erwachsener gezwungen ist, eine Sechzehnjährige persönlich anzugreifen, anstatt ihre Argumente sachlich zu widerlegen, steht selbst im Zentrum der Kritik. Die Tatsache, dass Jugendliche die Schule schwänzen, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, ist im Vergleich zu den existenziellen Bedrohungen, die der Klimawandel darstellt, ein nachrangiges Problem.
Greta Thunberg ist zur Schlüsselfigur und Wegbereiterin dieser Bewegung geworden. Ihre Einladung zu wichtigen politischen Treffen und die Plattform, die ihrer Stimme geboten wird, geben jungen Menschen Hoffnung. Die jüngsten Jugendproteste in Deutschland, wie die Demonstrationen im Hambacher Forst, die zur Reduzierung der Rodungspläne beitrugen, zeigen, dass auch junge Menschen, die noch nicht wählen dürfen, Einfluss nehmen und Veränderungen bewirken können. Die Notwendigkeit einer effektiven umweltverschmutzung themen Strategie, die über symbolische Maßnahmen hinausgeht, wird durch diese Entwicklungen deutlich.

