Umweltschutz in Russland: Greenpeace als “unerwünschte Organisation” verboten

Russlands Generalstaatsanwaltschaft hat Greenpeace zur “unerwünschten Organisation” erklärt. Die Umweltschutzorganisation wird beschuldigt, die nationale Sicherheit durch Einmischung in innere Angelegenheiten Russlands zu gefährden und antirussische Propaganda zu betreiben, indem sie Sanktionen gegen das Land fordert. Diese Entscheidung zwingt die russische Niederlassung von Greenpeace nach 30 Jahren harter Umweltschutzarbeit zur sofortigen Einstellung ihrer Aktivitäten. Greenpeace International verurteilt diese Entscheidung scharf und kritisiert, dass der Schutz der Natur in Russland nun offenbar “unerwünscht” ist.

Die aktuelle Situation wirft die Frage auf, was in Russland stattdessen als wünschenswert gilt: Klimaschädigende und gesundheitsschädliche Aktivitäten, Ölkatastrophen, die Verschmutzung von Gewässern durch Giftmüll, die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die Produktion riesiger Mengen Plastikmüll, die Abholzung geschützter Wälder, die Missachtung von Waldbränden und das Fehlen jeglicher Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise? Es scheint, als würden Organisationen wie Greenpeace, die sich gegen solche Praktiken stellen, als Bedrohung für die nationale Sicherheit Russlands wahrgenommen.

Wer Greenpeace Russland als Bedrohung darstellt, ignoriert offenbar die langjährige und wertvolle Arbeit der Organisation für den Umweltschutz in Russland. Seit 30 Jahren setzt sich Greenpeace für den Erhalt der russischen Natur ein und hat dabei bedeutende Erfolge erzielt.

Meilensteine des Umweltschutzes durch Greenpeace Russland

Auf Initiative von Greenpeace Russland wurden 1995 die Urwälder der Komi als erste Stätte in Russland unter den Schutz der UNESCO gestellt. Dies war nicht nur ein Prestigeerfolg, sondern verhinderte auch mehr als zehn Versuche, in diesen wertvollen Gebieten Gold abzubauen. In den folgenden Jahrzehnten trug Greenpeace Russland maßgeblich dazu bei, dass weitere russische Gebiete, wie die Vulkane Kamtschatkas oder der Baikalsee, in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurden.

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Gemeinsam mit unzähligen Freiwilligen pflanzt und schützt Greenpeace Wälder in Nationalparks und bekämpft Waldbrände in Naturschutzgebieten im Ural, in Sibirien und im Fernen Osten. Seit über zwanzig Jahren engagiert sich die Organisation unermüdlich für den Schutz des Baikalsees, bekämpft Wilderer und unterstützte die Schließung der Baikal-Zellstoff- und Papierfabrik, die das Wasser des Sees über Jahrzehnte vergiftete.

Ein weiterer wichtiger Erfolg war die Verlegung einer Ölpipeline, die nur 800 Meter vom Ufer des Baikalsees entfernt geplant war. In jüngerer Zeit konzentriert sich Greenpeace auf die Plastikverschmutzung des Baikalsees und die Verseuchung seiner Gewässer mit gefährlichen Chemikalien und setzt sich für ein Verbot der Massenabholzung in Ufernähe ein.

Greenpeace Russland hat auch auf die Gefahren durch Dioxine und andere Chemikalien aufmerksam gemacht und die Einfuhr gefährlicher Abfälle aus anderen Ländern verhindert. Greenpeace-Patrouillen spürten zahlreiche Ölverschmutzungen im Norden Russlands und in Sibirien auf und halfen bei deren Beseitigung. Dank des Engagements von Greenpeace wurde Norilsk Nickel gezwungen, für die massive Ölpest in Norilsk im Jahr 2020 eine Geldstrafe von rund zwei Milliarden Dollar zu zahlen.

Die Organisation war zudem die erste, die auf die Probleme bei der Mülltrennung und -verarbeitung in Russland aufmerksam machte. Nach jahrelanger Arbeit, Protesten und der Anfertigung von Expertengutachten wurde die Mülltrennung zur alltäglichen Routine. Um die Bevölkerung zu einem nachhaltigen Lebensstil zu motivieren, erstellten Greenpeace und Hunderte von Freiwilligen eine umfassende Übersichtskarte zur Abfallentsorgung, die rund 30.000 Abfallsammelstellen in 64 Städten verzeichnet und stetig aktualisiert wird.

Greenpeace-Experten untersuchten die Küsten russischer Seen, Flüsse und Meere und stellten auf Basis einer landesweiten öffentlichen Umweltbegutachtung die Forderung nach einer Einschränkung von Einweg-Plastikverpackungen. Ein entsprechendes Verbot wird voraussichtlich 2025 in Kraft treten.

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Zusammen mit führenden Fachleuten hat Greenpeace umfangreiche Forschungsarbeiten durchgeführt und konkrete Lösungen zur Erreichung von Klimaneutralität entwickelt. Dies beinhaltet die Förderung einer Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung, den Schutz der Wälder, die Brandprävention, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen und die Steigerung der Energieeffizienz.

Greenpeace und andere Umweltorganisationen in Russland haben maßgeblich zur öffentlichen Debatte über die Klimakrise und deren Lösungsansätze beigetragen. Greenpeace-Experten analysierten Standorte für erneuerbare Energien und unterbreiteten den regionalen Behörden Vorschläge, diese in die Klimawandelanpassungspläne aufzunehmen, was in vielen Regionen auf offizielle Unterstützung stieß.

Dank Greenpeace und seiner Unterstützer wurde ein Verbot des Verbrennens von Gras eingeführt. 25 Gruppen von freiwilligen Waldbrandbekämpfern wurden landesweit gegründet, und eine Bewegung hochqualifizierter Freiwilliger arbeitet seit über einem Jahrzehnt mit Greenpeace zusammen, um Wälder und Torfmoore vor Bränden zu schützen.

Diese Erfolge zeigen nur einen Bruchteil dessen, was Greenpeace in den letzten 30 Jahren für den Schutz der Natur in Russland erreicht hat. Die Organisation war stets auf die Unterstützung der Bürger angewiesen: Über eine Million Menschen unterzeichneten Petitionen, halfen bei der Kartierung von Informationen, pflanzten Bäume, löschten Brände und unterstützten die Forschung. Zehntausende einfache russische Bürger unterstützten Greenpeace finanziell, was der Organisation Unabhängigkeit von staatlichen, parteipolitischen oder unternehmerischen Mitteln ermöglichte.

Die Einstufung von Greenpeace als “unerwünschte Organisation” bedeutet den Verlust eines führenden Experten für Umweltprobleme und deren Lösungen in Russland. Die Menschen, die sich für den Schutz der Natur einsetzen, verlieren damit einen starken Verbündeten. Angesichts der globalen Klima- und Biodiversitätskrise ist das Ende der Greenpeace-Aktivitäten in Russland ein absurder, unverantwortlicher und destruktiver Schritt.