Der Granatapfel, mit seinen saftigen, rubinroten Kernen, ist weit mehr als nur eine Zierde auf dem Obstteller. Er birgt einen wahren Schatz an sekundären Pflanzenstoffen mit beeindruckenden gesundheitlichen Vorteilen, insbesondere für Herz und Gefäße. Regelmäßiger Genuss, beispielsweise in Form von einem Glas Direktsaft pro Tag, kann einen signifikanten Beitrag zu einem gesünderen Leben leisten. Doch nicht nur die Kerne, auch die Schale und die Blüte des Granatapfels entfalten bemerkenswerte Wirkungen.
Granatapfelsaft: Ein Segen für Herz und Kreislauf
Zahlreiche klinische Studien belegen die positive Wirkung von Granatapfelsaft auf das Herz-Kreislauf-System. Die tägliche Zufuhr von Granatapfelsaft kann nachweislich den Bluthochdruck senken und die Arteriosklerose, also die Verhärtung der Arterien, beim Menschen abschwächen. Die im Granatapfel reichlich vorhandenen Polyphenole und Flavonoide sind hier die Hauptakteure. Sie schützen die Gefäße, indem sie schädliches LDL-Cholesterin daran hindern, sich in den Arterienwänden abzulagern. Ein Glas Granatapfelsaft täglich kann so die Gefäße elastisch halten und den Blutdruck regulieren.
Natürliche Abwehrkräfte: Granatapfel gegen Bakterien und Viren
Die Inhaltsstoffe Ellagsäure und das Polyphenol Punicalagin im Granatapfel besitzen starke antibakterielle und antivirale Eigenschaften. Ein Aufguss aus getrockneten Granatapfelschalen kann beispielsweise zur Behandlung von Mundfäule (Aphthen) und Racheninfektionen eingesetzt werden. Hierfür werden die Schalen mit kochendem Wasser übergossen, ziehen gelassen und der Sud in kleinen Schlucken getrunken. Wichtig ist dabei die Wahl von Bio-Granatäpfeln, da konventionell angebaute Früchte oft mit Pestiziden behandelt werden.
Darmgesundheit im Fokus: Granatapfel und seine entzündungshemmende Wirkung
Die im Granatapfel enthaltene Ellagsäure wird von unserer Darmflora zu Urolithin umgewandelt. Dieser Metabolit zeigt eine bemerkenswerte entzündungshemmende Wirkung und könnte sogar dazu beitragen, die Darmbarriere zu stärken, indem er kleine “Löcher” in der Darmschleimhaut schließt. Tierstudien haben gezeigt, dass eine Behandlung mit Urolithin Entzündungen im Darm signifikant reduzieren kann. Dies eröffnet vielversprechende Perspektiven für die Therapie von entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.
Granatapfel und Gehirn: Schutz vor neurodegenerativen Erkrankungen?
Das Gehirn ist besonders anfällig für oxidativen Stress, der eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Demenzerkrankungen spielt. Das im Granatapfel enthaltene Polyphenol Punicalagin kann Nervenzellen nachweislich vor solchen Schäden schützen. Ebenso wird die Ellagsäure zu Urolithin abgebaut, das sich als vielversprechend im Kampf gegen frühe Stadien der Demenz erwiesen hat. Regelmäßiger Konsum von Granatäpfeln oder Granatapfelsaft kann die Merkfähigkeit, sowohl für bildliche als auch für zahlenbasierte Informationen, verbessern.
Lebergesundheit: Antioxidative Power des Granatapfels
Die antioxidativen Eigenschaften des Granatapfelsaftes helfen, Gewebeschäden durch freie Radikale zu verhindern. Dies kann sich positiv auf die Leber auswirken. Zwar liegen hierzu noch keine Studien am Menschen vor, doch Tierversuche zeigten, dass Granatapfelsaft die schädliche Oxidation in der Leber um bis zu 60 Prozent senken und die Reparatur von geschädigtem Lebergewebe unterstützen kann.
Schmerzlinderung und Entzündungshemmung: Die Kraft der Granatapfelkerne
Die Granatapfelkerne sind reich an Anthocyanen, sekundären Pflanzenstoffen, die für ihre entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften bekannt sind. Daher wird Granatapfelsaft oft bei rheumatischen Beschwerden empfohlen. Anthocyane können Enzyme blockieren, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind, und somit potenziell der Entstehung von Arthrose entgegenwirken. Dennoch fehlen für eine definitive Aussage am Menschen noch größere, umfassende Studien.
Hautschutz und Verjüngung: Das Wundermittel Punicin
In den Kernen des Granatapfels steckt eine seltene, aber äußerst wertvolle Omega-5-Fettsäure: das Punicin. Diese Fettsäure hilft, Entzündungen abklingen zu lassen, verbessert die Hautelastizität, fördert die körpereigene Kollagenproduktion und wirkt entzündungshemmend, auch auf die Haut. Kein Wunder also, dass Granatapfelöl in der Kosmetikindustrie so beliebt ist. Kalifornische Wissenschaftler haben zudem nachgewiesen, dass Granatapfelkonzentrat Hautzellen vor UV-Strahlung schützen kann. Granatapfelextrakte zeigen auch positive Effekte bei Hauterkrankungen wie Ekzemen und können nach starkem Gewichtsverlust zur Straffung der Haut beitragen.
Granatapfel und Männergesundheit: Prostatakrebs im Visier
Einige klinische Studien deuten darauf hin, dass Granatapfelsaft das Risiko für Prostatakrebs senken könnte. Die offizielle medizinische Leitlinie und der Krebsinformationsdienst sehen derzeit jedoch keine eindeutigen Belege dafür, dass Granatapfelprodukte allgemein gegen Krebs wirken. Die Datenlage ist noch nicht ausreichend, um definitive Empfehlungen auszusprechen.
Granatapfel und Frauen: Unterstützung in den Wechseljahren?
Symptome wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen während der Wechseljahre könnten potenziell durch Granatapfelprodukte gelindert werden. Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse hierzu fehlen jedoch noch. Gleiches gilt für die Annahme, dass Granatapfelsaft die weibliche Libido steigern kann.
Granatapfel: Genuss und Anwendung
Die Saison für frische Granatäpfel erstreckt sich von September bis Februar, wobei die meisten Früchte aus den Mittelmeerländern stammen. Sowohl die Kerne als auch der Saft sind zum Verzehr geeignet. Die helle Innenschicht und die Schale sind in der Regel nicht zum Verzehr bestimmt. Granatapfel-Nahrungsergänzungsmittel enthalten oft konzentrierten, fermentierten oder gefriergetrockneten Saft der Kerne. Für wissenschaftliche Zwecke werden auch Blüten, Rinde und Schalen verwendet.
Granatapfelkonsum: Wann ist Vorsicht geboten?
Grundsätzlich ist der regelmäßige Verzehr von Granatapfelkernen oder -saft im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung gut verträglich und unbedenklich.
Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen oder an chronischen Erkrankungen leiden, sollten jedoch unbedingt Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten, bevor sie Granatapfelsaft oder -konzentrat konsumieren. Granatapfelsaft kann die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen, indem er den Abbau der Wirkstoffe in Darm und Leber hemmt. Dies kann zu einem gefährlichen Anstau der Medikamente im Körper führen. Menschen mit Diabetes sollten aufgrund des natürlichen Zuckergehalts des Granatapfels ebenfalls Vorsicht walten lassen.
Die Verbraucherzentrale warnt zudem vor gefälschten Granatapfelprodukten, die online angeboten werden. Oft werden minderwertige Früchte wie Trauben oder Äpfel mit künstlichen Farbstoffen und Zucker zugesetzt, um den Geschmack zu imitieren. Achten Sie daher genau auf den deklarierten Granatapfel-Anteil in den Produkten.
Expertenmeinungen und weitere Informationen
Der Beitrag stützt sich auf Expertenwissen von Fachärzten und Apothekern. Für weiterführende Informationen zu spezifischen Themen wie Prostatakrebs, rheumatische Erkrankungen oder entzündliche Darmerkrankungen, verweisen wir auf die angegebenen Links zu seriösen Quellen wie dem Krebsinformationsdienst und Leitlinienprogrammen.
Rezept für eine revitalisierende Granatapfel-Haferflocken-Maske
Diese hausgemachte Maske ist ein wahrer Genuss für die Haut:
Zutaten:
- 1-2 EL Granatapfelkerne
- 1 TL feine Haferflocken
- 1 TL ungesüßter pflanzlicher Joghurt (z. B. Hafer- oder Sojajoghurt)
- Optional: 1 TL Honig für zusätzliche Feuchtigkeitspflege
Zubereitung:
Die Granatapfelkerne können entweder im Mörser leicht zerdrückt oder kurz mit einem Pürierstab gemixt werden, um den Saft freizusetzen. Anschließend werden die Kerne mit den Haferflocken und dem pflanzlichen Joghurt zu einer geschmeidigen Paste verrührt. Wer möchte, kann für eine extra Portion Pflege Honig hinzufügen. Die Maske wird auf das gereinigte Gesicht aufgetragen, die Augenpartie wird dabei ausgespart. Nach etwa 10-15 Minuten Einwirkzeit wird sie mit lauwarmem Wasser abgenommen.
Granatapfel-Shake: Ein Energieschub für den Tag
Für einen schnellen und nährstoffreichen Start in den Tag empfiehlt sich dieser erfrischende Shake mit Ingwer, Zitrone und wertvollen Ölen.
Granatapfel richtig öffnen und zubereiten
Die leuchtend roten Kerne verleihen Gerichten eine fruchtige Note und lassen sich auch zu köstlichem Saft verarbeiten. Entdecken Sie praktische Tipps zur Zubereitung und vielfältige Rezeptideen.
Weitere nützliche Links:
- Rheuma: Symptome und Behandlung bei rheumatoider Arthritis
- Morbus Crohn: Symptome, Diagnose, Behandlung
- Colitis ulcerosa oder indeterminata: Symptome und Therapie
- Cholesterin senken: Was Ernährung und Medikamente bringen
Dieses Thema wurde am 15.07.2025 um 20:15 Uhr im NDR Fernsehen in der Sendung “Visite” behandelt.

