Gicht ist eine Volkskrankheit, die Millionen von Menschen betrifft. Eine Umstellung der Ernährung ist die wirksamste Methode, um die Symptome zu lindern und erneute Anfälle zu verhindern. Ziel ist es, den Harnsäurespiegel im Körper dauerhaft zu senken. Dies wird durch drei Hauptfaktoren erreicht: Erreichen eines Normalgewichts, Vermeidung von Fruchtzucker zur Entlastung des Stoffwechsels und eine purinarme Ernährung. Eine ausgewogene Lebensweise kann maßgeblich zur Verbesserung der Gesundheit beitragen. Die richtige Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle, indem sie den Körper unterstützt und Entzündungen reduziert.
Purinarm essen – aber nicht purinfrei
Purine sind natürliche Bestandteile von Nahrungsmitteln, die im Körper zu Harnsäure abgebaut werden. Bei einer Gichtneigung kann ein erhöhter Harnsäurespiegel zu schmerzhaften Anfallen führen. Insbesondere Fleisch- und Fischprodukte, aber auch Innereien, sind reich an Purinen. Auch einige pflanzliche Lebensmittel wie Spargel, Pilze und Hülsenfrüchte enthalten Purine. Dennoch müssen Gichtpatienten nicht gänzlich auf diese verzichten. In Maßen genossen, liefern sie wichtige Nährstoffe und können Teil einer abwechslungsreichen Ernährung sein. Wichtig ist die Reduktion des Konsums von purinreichen Lebensmitteln, während ein vollständiger Verzicht meist nicht notwendig ist. Bier und Alkohol sollten generell gemieden werden, da sie den Harnsäurespiegel zusätzlich erhöhen können.
Fruchtzucker (Fruktose) einschränken
Neuere Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Gicht und Fruchtzucker (Fruktose) hin. Fruktose kann die Ausscheidung von Harnsäure behindern und somit Gichtanfälle begünstigen. Sie ist nicht nur in Obst und Fruchtsäften enthalten, sondern auch in vielen industriell verarbeiteten Produkten wie Keksen, Eiscreme, Pizza und süßen Getränken. Achten Sie auf Inhaltsstoffe wie Fruktose, Glukose-Fruktose-Sirup oder Maissirup. Generell ist es ratsam, den Konsum von Zucker, Weißmehlprodukten und Fertiggerichten zu reduzieren.
Die ovo-lacto-vegetabile Ernährung bei Gicht
Eine Ernährung, die Eier (ovo), Milchprodukte (lacto) und viel Gemüse (vegetabil) umfasst, wird als vorteilhaft bei Gicht angesehen. Gemüse bildet die Grundlage und liefert pflanzliches Eiweiß, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Vollkornprodukte, Nüsse und Samen sowie hochwertige Pflanzenöle ergänzen diese Ernährung sinnvoll. Milch, fettarme Milchprodukte und Eier sind purinarm und eine gute Proteinquelle. Sie können zudem die Harnsäureausscheidung fördern. Ausreichend Flüssigkeit ist ebenfalls essenziell: Zwei bis drei Liter Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sind empfehlenswert. Auch drei Tassen Kaffee pro Tag können gesundheitlich vorteilhaft sein.
Risikofaktor Übergewicht: Langsam abnehmen
Normalgewicht ist entscheidend für die Regulierung des Harnsäurespiegels und schont die Gelenke. Übergewicht verdoppelt das Risiko für Gichtanfälle, starke Fettleibigkeit sogar das Dreifache. Radikaldiäten und Fastenkuren sind jedoch kontraproduktiv, da sie die Harnsäureausscheidung behindern und Gichtanfälle auslösen können. Eine langsame Gewichtsabnahme von ein bis zwei Kilogramm pro Monat durch eine langfristige Ernährungsumstellung ist der sicherere Weg.
Lebensmittel und Rezepte bei Gicht
Für eine purinarme Ernährung bei Gicht eignen sich verschiedene Lebensmittel und Rezepte. Eine detaillierte Liste mit Empfehlungen für verschiedene Lebensmittelgruppen finden Sie hier:
Getreideprodukte:
- Empfehlenswert: Vollkornbrot, ungesüßtes Müsli, Vollkornnudeln, Vollkornreis, Pellkartoffeln, Kartoffelbrei.
- In Maßen empfehlenswert (eher purinreich): Buchweizen, Grünkern, Dinkel.
- Nicht empfehlenswert: Sojamehl-Produkte, Weizenkeime, Pommes frites, Bratkartoffeln, Kartoffelpuffer, Fertiggerichte, Fast Food. Bei Diabetes und/oder Übergewicht auch Weißbrot, Toastbrot, Croissants, Zwieback, geschälter Reis.
Süßigkeiten und Backwaren:
- Nicht empfehlenswert: Süßigkeiten, süße und fettreiche Backwaren, süße Milchprodukte, Eiscreme, Chips, Salzgebäck.
Obst:
- Empfehlenswert: Alle Obstsorten. Bei Übergewicht in Maßen: Ananas, Banane, Birne, Honigmelone, Kaki, Kirsche, Mango, Weintrauben.
- Nicht empfehlenswert: Gezuckerte Obstkonserven und -mus, kandierte und gezuckerte Trockenfrüchte.
Gemüse:
- Empfehlenswert: Fast alle Gemüsesorten, besonders Salatsorten, Löwenzahn, Kohlrabi, Gurke, Möhren.
- In Maßen empfehlenswert (eher purinreich): Hülsenfrüchte (Bohnen, Sojabohnen, Erbsen, Linsen), Spinat, Spargel, Schwarzwurzeln, Kohlgemüse, Pilze.
- Nicht empfehlenswert: Gemüsemischungen mit Sahne oder Butter. Bei Übergewicht auch Mais.
Nüsse und Samen:
- Max. 20 g/Tag: Mandeln, Walnüsse, Haselnüsse.
- In Maßen empfehlenswert (eher purinreich): Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne.
- Weniger empfehlenswert: Gesalzene Nüsse.
Öle und Fette:
- Ca. 2 EL/Tag: Leinöl, Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl. Wenig Butter.
- Nicht empfehlenswert: Schweine- und Gänseschmalz, Butterschmalz, Mayonnaise, Sonnenblumenöl, Distelöl.
Getränke:
- Ca. 2 Liter/Tag: Wasser, ungesüßter Tee (besonders Kräutertees).
- In Maßen empfehlenswert: Kaffee oder Schwarztee.
- Nicht empfehlenswert: Fruchtsaft und -nektar, Softdrinks, Milchmixgetränke, Sojadrink, Alkohol, alkoholfreies Bier.
Fisch:
- Max. 2 kleine Portionen/Woche (bis 125 g Rohgewicht, immer ohne Haut): Aal, Heilbutt, Hering, Kabeljau, Karpfen, Lachs, (Räucher-)Makrele, Scholle, Seezunge; Flusskrebs, Garnelen, Krabben, Muscheln.
- Nicht empfehlenswert: Anchovis, Sardinen, Sprotten, Ölsardinen, Matjesfilet.
Fleisch und Wurstwaren:
- Max. 2 kleine Portionen/Woche (bis 125 g Rohgewicht): Hühnerfleisch ohne Haut, Putenfleisch/-aufschnitt.
- In Maßen empfehlenswert: mageres Rind-, Kalb- oder Wildfleisch, Corned Beef.
- Nicht empfehlenswert: Innereien (Leber, Bries, Herz, Nieren); fettreiches Fleisch (wie Hühnerbein mit Haut, Schweinebraten, Haxe, Gans, Ente); Schinken, Speck, fettreiche Wurst oder Wurst mit Innereien (z. B. Bratwurst, Mettwurst, Salami, Leberwurst).
Milchprodukte und Eier:
- 2 Portionen/Tag: Eier; Milch bis zu 3,5 % Fett, Buttermilch, Speisequark bis 20 % Fett, Naturjoghurt bis zu 3,5 % Fett; Käse (bis 45 % Fett i. Tr.), wie Schnittkäse, Weichkäse, Feta, Mozzarella, körniger Frischkäse.
- In Maßen empfehlenswert: Sahne, Schmand und Crème fraîche.
- Nicht empfehlenswert: Gesüßte Fertigprodukte wie Pudding, Milchreis, Fruchtjoghurt, Fruchtquark, Sahnequark, Kakaozubereitungen, Fruchtbuttermilch.
Diese Informationen ersetzen keine ernährungsmedizinische Beratung. Die Ernährungsmedizinische Behandlung/Beratung ist eine Kassenleistung.
Fazit und Ausblick
Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Gicht. Durch eine bewusste Auswahl von Lebensmitteln, die Reduktion von purinreichen und fruchtzuckerhaltigen Produkten sowie die Beibehaltung eines gesunden Körpergewichts können Gichtanfälle effektiv vermieden und die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Eine langfristige Umstellung der Ernährungsgewohnheiten ist der Schlüssel zu einem beschwerdefreien Leben mit Gicht.

