Deutschland ist ein Land mit einer reichen kulinarischen Tradition, und im Zentrum dieser Tradition stehen Brot und andere Getreideprodukte. Sie sind nicht nur essenzielle Bestandteile unserer täglichen Ernährung, sondern spiegeln auch die Vielfalt und Geschichte der deutschen Esskultur wider. Von rustikalen Vollkornbroten bis hin zu feinen Backwaren – die Welt des Getreides bietet eine Fülle an Geschmack und Nährwert. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Getreideprodukten für die deutsche Gesellschaft, gibt praktische Tipps zur Auswahl und Lagerung und erklärt die Hintergründe von Bezeichnungen und Inhaltsstoffen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Aufnahme von etwa 300 Gramm Getreideprodukten, wobei mindestens ein Drittel davon aus Vollkorn bestehen sollte. Dies entspricht ungefähr drei Scheiben Brot (ca. 150 Gramm) und einer Portion gekochter Nudeln, Reis oder Kartoffeln (ca. 160–165 Gramm). Kartoffeln, obwohl kein Getreide, liefern wichtige Stärke, Vitamine und Mineralstoffe und ergänzen somit ideal die empfohlene Aufnahme. Die Wahl von Vollkornvarianten ist dabei besonders hervorzuheben, da die Randschichten und der Keimling des Getreidekorns, die bei Auszugsmehlen oft abgetrennt werden, eine Fülle an wertvollen Nährstoffen wie Mineralstoffen, Vitaminen, Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren enthalten. Ballaststoffe spielen eine entscheidende Rolle für eine gesunde Verdauung und fördern ein langanhaltendes Sättigungsgefühl. Angesichts der Tatsache, dass Vollkornbrote oft mit grobem Schrot, Körnern und Samen assoziiert werden, die manche Menschen als schwer verdaulich empfinden, ist es beruhigend zu wissen, dass heute eine breite Palette an fein gemahlenen Vollkornbroten ohne Schrot und ganze Körner verfügbar ist.
Die Vielfalt von Brot und Getreideprodukten
Die deutsche Brotkultur ist legendär und zeichnet sich durch eine immense Sortenvielfalt aus. Die Bezeichnung “Vollkornbrot” ist dabei klar definiert: Es muss zu mindestens 90 Prozent aus Vollkornmehl oder Vollkornschrot bestehen. Mischbrote wie Weizenmischbrot oder Roggenmischbrot enthalten mehr als die Hälfte des namensgebenden Getreides im Mehlanteil. Mehrkornbrote wiederum müssen mindestens drei verschiedene Getreidearten enthalten. Vorsicht ist jedoch bei Fantasienamen wie “Vitalbrot” oder “Fitmacherbrot” geboten, da diese keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Zusammensetzung zulassen. Es ist ratsam, in der Bäckerei nachzufragen oder bei verpacktem Brot die Zutatenliste genau zu studieren. Eiweißbrot, das weniger Kohlenhydrate, dafür aber mehr Eiweiß und Fett enthält, stellt eine weitere Option dar, deren Zusammensetzung je nach Hersteller variieren kann.
Die empfohlene Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1,5 Litern täglich ist essenziell, damit die Ballaststoffe aufquellen und ihre positive Wirkung entfalten können. Dies ist besonders wichtig beim Verzehr von Vollkornprodukten.
Tipps für den bewussten Getreidekonsum
Für diejenigen, die ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen und mehr Vollkornprodukte integrieren möchten, empfiehlt sich ein langsamer Einstieg, um Magen und Darm zu gewöhnen. Das Einweichen von Körnern und Schrot über Nacht in Wasser oder Joghurt kann die Verdaulichkeit verbessern. Auch bei Toastbrot gibt es mittlerweile Vollkornvarianten.
Beim Kochen von Vollkornnudeln und Naturreis ist es wichtig, diese ausreichend quellen zu lassen, bis sie weich sind. Eine gute Methode, sich an den Geschmack zu gewöhnen, ist das Mischen von Vollkornnudeln mit herkömmlichen Nudeln. Auch beim Backen zu Hause kann ein Teil des Mehls durch Vollkornmehl ersetzt werden, wobei eventuell etwas mehr Flüssigkeit benötigt wird. Eine weitere geschmackliche und ernährungsphysiologische Bereicherung ist das Ersetzen eines Teils des Mehls durch fein gemahlene Nüsse oder Mandeln, was zusätzliche gesunde Fette liefert.
Salzgehalt und Mehltypen
Brot kann eine signifikante Salzquelle darstellen, daher ist ein bewusster Umgang mit dem Salzkonsum ratsam. Beim Vergleich von verpacktem Brot kann man durch Vergleichen der Nährwerttabellen salzärmere Varianten auswählen; idealerweise sollte Brot nicht mehr als etwa 1 Gramm Salz pro 100 Gramm enthalten. Auch beim Bäcker lohnt es sich, nach dem Salzgehalt zu fragen.
Die Typenbezeichnung bei Weizen- und Roggenmehl gibt Auskunft über den Mineralstoffgehalt pro 100 Gramm Mehl. Eine niedrigere Typennummer bedeutet einen geringeren Mineralstoffgehalt. Vollkornmehle haben keine Typenbezeichnung, da sie alle Bestandteile des Korns enthalten und somit einem sehr hohen Mineralstoffgehalt entsprechen würden.
Lagerung und Verwertung von Brot
Die richtige Lagerung von Brot ist entscheidend für seine Frische und Haltbarkeit. Bei Zimmertemperatur in speziellen Keramik- oder Tontöpfen aufbewahrt, bleibt Brot am längsten frisch, da diese Behälter überschüssige Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben und eine gute Luftzirkulation ermöglichen, was der Schimmelbildung entgegenwirkt. Die Reinigung des Brottopfes mit Essigwasser einmal pro Woche ist empfehlenswert.
Abgepacktes Schnittbrot kann auch in der Originalverpackung aufbewahrt werden. Konservierungsmittel, die zur Verlängerung der Haltbarkeit eingesetzt werden, müssen auf der Zutatenliste ausgewiesen sein. Mittlerweile wird Brot jedoch häufiger durch Erhitzung haltbar gemacht. Brot gehört generell nicht in den Kühlschrank, da es dort schnell altbacken wird. Tiefkühlen ist eine hervorragende Methode, um überschüssiges Brot oder Brötchen haltbar zu machen, wobei tiefgefrorene Scheiben schnell im Toaster aufgetaut werden können.
Schimmeliges Brot sollte stets komplett entsorgt werden. Aus trockenem Brot lassen sich jedoch hervorragend Semmelbrösel herstellen. Weitere kreative Ideen zur Verwertung von Brotresten finden sich oft in speziellen Ratgebern. Ein kleiner Tipp zur Auffrischung von altbackenem Brot: Die Kruste mit etwas Wasser bestreichen und kurz im Ofen oder in der Mikrowelle aufbacken.
Die Integration von Brot und Getreideprodukten in eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Aspekt der deutschen Esskultur. Durch bewusste Auswahl und richtige Lagerung können wir die vielfältigen Vorteile dieser Grundnahrungsmittel optimal nutzen. Teilen Sie Ihre liebsten Brotsorten oder traditionellen deutschen Getreidegerichte in den Kommentaren!

