Gesundheits-Check ab 60: Was Senioren wirklich wichtig ist

Der Begriff “Gesundheitscheck ab 60” suggeriert oft ein einheitliches Vorsorgeprogramm, das für alle Senioren ab diesem Alter verfügbar ist. Doch die Realität ist nuancierter. Während es kein universelles, standardisiertes Programm mit dieser exakten Bezeichnung gibt, bieten viele Krankenkassen spezielle, altersgerechte Vorsorgeleistungen an. Einige Kassen, wie die AOK Niedersachsen im Rahmen ihres Hausarztvertrags, haben den “Check-up 60 plus” etabliert, der über die regulären Untersuchungen hinausgeht und beispielsweise die Bestimmung von Langzeitzuckerwerten einschließt. Umfassende Informationen zu diesen individuellen Angeboten erhalten Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse – online, telefonisch oder in einer ihrer Geschäftsstellen.

Der regelmäßige Check-up beim Hausarzt: Alle drei Jahre ein Muss

Ein zentraler Baustein der Gesundheitsvorsorge ist der regelmäßige “Check-up” beim Hausarzt, der allen Versicherten alle drei Jahre zusteht. Dieses Vorsorgeprogramm beinhaltet ein ausführliches ärztliches Gespräch, eine gründliche körperliche Untersuchung und die Messung des Blutdrucks. Ein wichtiger Bestandteil ist die Blutuntersuchung im Labor, die Aufschluss über Blutzucker- und Cholesterinwerte gibt. Seit einiger Zeit gehört auch das Screening auf Hepatitis B und C für Personen ab 35 Jahren zu den Leistungen, ebenfalls mittels einer Blutprobe. Bei Patienten ab 35 Jahren wird zudem der Urin untersucht, um mögliche Hinweise auf Erkrankungen der Nieren oder der Blase frühzeitig zu erkennen. Diese Basisuntersuchungen bilden das Fundament, um den allgemeinen Gesundheitszustand im Blick zu behalten und potenzielle Risiken zu identifizieren.

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Spezifische Vorsorgeuntersuchungen für Senioren: Sinnvolle Ergänzungen

Über den allgemeinen Check-up hinaus gibt es eine Reihe weiterer, spezialisierter Untersuchungen, die wertvolle Einblicke in die Gesundheit von Senioren geben können. Diese richten sich teilweise geschlechtsspezifisch, teilweise altersbedingt an bestimmte Gruppen.

Hautkrebs-Screening: Früherkennung ist entscheidend

Ab dem 35. Lebensjahr haben alle Versicherten alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebs-Screening. Diese Untersuchung dient der frühzeitigen Entdeckung von Hautveränderungen, die auf Krebs hindeuten könnten. Dabei wird die gesamte Haut am Körper von Ärzten oder Dermatologen sorgfältig untersucht. Bei Verdacht kann eine Gewebeprobe entnommen und zur weiteren Analyse ins Labor geschickt werden. Dieses Screening kann sowohl in der Hausarztpraxis als auch bei einem Facharzt für Dermatologie durchgeführt werden.

Zahnärztliche Vorsorge: Mehr als nur die Zähne

Zweimal im Jahr können Senioren die Zahnarztpraxis zur Vorsorge aufsuchen. Diese Kontrolltermine umfassen nicht nur die Untersuchung der Zähne, sondern auch des gesamten Mundraums, einschließlich des Zahnfleisches. Es empfiehlt sich, diese Vorsorgeuntersuchungen im Bonusheft eintragen zu lassen, da dies bei später notwendigem Zahnersatz zu höheren Zuschüssen führen kann.

Frauengesundheit: Gynäkologische Vorsorge und Mammografie

Seniorinnen können alle drei Jahre in ihrer gynäkologischen Praxis eine kombinierte Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen, die einen Abstrich und einen HPV-Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs beinhaltet. Zusätzlich gehört eine Brustuntersuchung zu den Leistungen. Ab dem 50. Lebensjahr erhalten Frauen zudem alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammografie, einer wichtigen Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs.

Männergesundheit: Urologische Vorsorge und Aneurysmen-Screening

Männern ab 45 Jahren wird die jährliche Vorstellung in einer urologischen Praxis zur Früherkennung von Krebserkrankungen im Bereich der Prostata und der äußeren Genitalien empfohlen. Ab dem 65. Lebensjahr besteht einmalig Anspruch auf ein Screening zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen, einer potenziell lebensbedrohlichen Erweiterung der Hauptschlagader.

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Darmkrebsvorsorge: Ein wichtiges Screening ab 50

Für Personen ab 50 Jahren steht die Darmkrebsvorsorge zur Verfügung, die von den Krankenkassen übernommen wird. Diese umfasst verschiedene Methoden, darunter Tests auf verborgenes Blut im Stuhl oder eine Darmspiegelung (Koloskopie), die zur direkten Untersuchung des Darms dient.

Es ist wichtig zu wissen, dass alle genannten Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden. Darüber hinaus gibt es individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die von den Arztpraxen angeboten werden und privat bezahlt werden müssen. Informationen zur Sinnhaftigkeit solcher IGeL-Leistungen finden Sie auf dem unabhängigen IGeL-Monitor.

Impfschutz im Blick behalten: Das Impf-Heft als wichtiger Begleiter

Obwohl Impfungen von der Mehrheit der Bevölkerung befürwortet werden, werden sie nicht immer nach Plan durchgeführt. Studiendaten zeigen, dass fast die Hälfte der Befragten Impftermine verpasst oder schlichtweg vergessen hat. Es ist daher ratsam, gemeinsam mit den Angehörigen das Impf-Heft regelmäßig zu überprüfen und beim behandelnden Arzt nachzufragen, welche Impfungen aktuell empfohlen werden oder aufgefrischt werden müssen. Ein nützlicher Leitfaden ist der Impfkalender, der die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zusammenfasst. Um den Überblick über Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen zu behalten, kann die Nachfrage bei der Krankenkasse nach einer Versicherten-App sinnvoll sein, die oft Erinnerungsfunktionen und Empfehlungen bietet. Alternativ kann man sich wiederkehrende Termine im Smartphone einstellen, um wichtige Gesundheitsereignisse nicht zu übersehen.

Ein gesunder Lebensstil als Basis für Wohlbefinden

Während die Inanspruchnahme aller empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennungsmaßnahmen das Risiko, gesundheitliche Probleme zu übersehen, signifikant senkt, bildet eine gesunde Lebensführung das Fundament für langfristiges Wohlbefinden. Dazu zählen regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, soziale Kontakte und der weitgehende Verzicht auf schädliche Genussmittel wie Alkohol. Informationen und Unterstützung für pflegende Angehörige, beispielsweise zur Unterstützung bei Mahlzeiten oder zur Mobilisation, finden sich in kostenfreien Pflegekursen, die über die Pflegekasse zugänglich sind. Diese Kurse bieten wertvolles Wissen für den Pflegealltag und helfen dabei, die Lebensqualität der Angehörigen zu verbessern.

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