Herausforderungen für Elektroautos auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt

Der deutsche Gebrauchtwagenmarkt, einer der größten in Europa, steht vor einer besonderen Herausforderung: die Leistung von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEVs). Nach einem turbulenten Jahr 2024, das von einem Rückgang bei Neuzulassungen und insbesondere bei BEVs geprägt war, wirft dies Fragen nach der Entwicklung auf dem Gebrauchtwagenmarkt auf. In diesem Artikel untersuchen wir die aktuellen Trends und zukünftigen Aussichten für Elektroautos in Deutschland.

Der Wertverfall von BEVs im Vergleich zu Verbrennern

Ähnlich wie in anderen europäischen Märkten erlebten BEVs in Deutschland Ende 2022 und Anfang 2023 einen Höchststand bei ihren Restwerten (RVs). Seitdem ist jedoch ein stetiger Rückgang zu verzeichnen. Insbesondere bei dreißig Monate alten BEVs mit einer Laufleistung von 60.000 km fallen die Restwerte signifikant schneller als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor (ICE). Selbst Plug-in-Hybride übertreffen die reinelektrischen Pendants in dieser Hinsicht. Während Verbrenner inzwischen wieder ein stabiles RV-Niveau aufweisen, leiden BEVs weiterhin unter einem Abwärtstrend. Bei jüngeren Gebrauchtfahrzeugen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Zwölf Monate alte BEVs weisen eine ähnliche RV-Entwicklung wie Diesel-Fahrzeuge auf.

Verschiedene Faktoren tragen zu diesem allgemeinen Rückgang bei BEVs bei. Dazu gehört, dass einige Modelle nicht den Bedürfnissen der Kunden entsprechen. Darüber hinaus veraltet die Technologie in gebrauchten BEVs nach etwa vier Jahren schnell. Diese Lücke wird sich voraussichtlich vergrößern, da neue BEVs mit höheren Reichweiten, schnelleren Ladezeiten und neuen Funktionen auf den Markt kommen, was zu einer stärkeren Wertminderung bei gebrauchten BEVs führen wird. Angesichts des Verkaufsdrucks bei Herstellern auf dem Neuwagenmarkt spielen Rabatte eine immer wichtigere Rolle, was sich negativ auf die Restwerte dieser Modelle auswirkt, wenn sie auf den Gebrauchtwagenmarkt gelangen.

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Diskrepanz bei Listenpreisen als Einflussfaktor

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Preisdifferenz zwischen BEVs und ihren Verbrenner-Pendants, die auch im Neuwagenmarkt weiterhin besteht. Der allgemeine Anstieg der Listenpreise für Neuwagen seit Anfang 2024 lag deutlich unter der Inflationsrate, nachdem es 2022 und 2023 zu starken Anstiegen gekommen war. Einige OEMs haben auch begonnen, Agenturvertriebsmodelle zu nutzen, was zu niedrigeren Listenpreisen führt. Dennoch sind BEVs im Durchschnitt immer noch teurer als Modelle mit Verbrennungsmotor. Dies erschwert es der Technologie, ihr RV-Niveau im Einklang mit Benzin- und Dieselmodellen zu halten.

Gedämpfte Nachfrage und lange Standzeiten

Die Nachfrage nach BEVs in Deutschland ist verhalten. Einige reine Elektroautos wie der Tesla Model 3 und das Tesla Model Y sind davon ausgenommen, da sie auf eine stärkere Nachfrage stoßen und in der Regel recht schnell verkauft werden. Das Volkswagen ID.3 zählt ebenfalls zu den Ausnahmen. Das Angebot konnte jedoch nicht mit der Nachfrage Schritt halten, was zu hohen Lagerbeständen führt. Ein dreißig Monate altes BEV benötigte im August durchschnittlich 72 Tage, um verkauft zu werden. Dies ist deutlich länger als bei einem Verbrenner. Dieselmodelle benötigten im August durchschnittlich 53 Tage, während Benziner 57 Tage brauchten.

BEVs kämpfen weiterhin mit dem Übergang vom Markt der Early Adopters bzw. des Firmenwagengeschäfts hin zum Massenmarkt. Frühe Käufer waren bereit, einen Aufpreis für die Technologie zu zahlen, aber Kunden im Massenmarkt sind preissensibler, insbesondere beim Kauf von Gebrauchtwagen. Daher kann das aktuelle Angebot an BEVs vom Gebrauchtwagenmarkt nicht ohne Weiteres absorbiert werden.

Zweistellige RV-Rückgänge erwartet

Bis Ende dieses Jahres wird für dreijährige BEVs ein Rückgang der Restwerte (als Prozentsatz des Neupreises) um voraussichtlich 10,4 % im Jahresvergleich prognostiziert. Kurzfristig werden BEVs weiterhin Schwierigkeiten auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt haben. Mittelfristig werden sich die RVs von BEVs jedoch ausbalancieren, da Angebot und Nachfrage durch die Listenpreise moderiert werden.

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Mit Blick auf die Zukunft wird die Leistung von gebrauchten BEVs in Deutschland von der Geschwindigkeit der Elektrifizierung abhängen. Es besteht weiterhin große Unsicherheit, insbesondere angesichts der anhaltenden Diskussionen über eine Verschiebung des Verbrennerverbots von 2035. Dies hat zu Verunsicherung bei den Kunden geführt und OEMs dazu veranlasst, ihre BEV-Strategien zu überdenken. Die Leistung der Technologie wird auch von politischen Entscheidungen beeinflusst, beispielsweise ob Subventionen für gebrauchte BEVs zur Verfügung gestellt werden. Basierend auf diesen Faktoren wird erwartet, dass sich die Restwerte für diese rein elektrischen Modelle nach 2026 stabilisieren werden.