Kryptowährungen waschen: So verschleiern Kriminelle ihre Spuren

Kryptowährungen sind weit davon entfernt, anonyme Zahlungsmittel zu sein. Jede Transaktion wird in der Blockchain gespeichert und ist somit nachvollziehbar. Spezielle Analysetools können Herkunft und Ziel von digitalen Geldern leicht ermitteln. Dennoch entwickeln Cyberkriminelle ständig neue Methoden, um diese Transparenz zu umgehen und Geldwäsche zu betreiben. Dieser Artikel beleuchtet die gängigen Techniken und ihre Auswirkungen für Opfer von Ransomware.

Die trügerische Einfachheit des Zahlens

Viele Opfer von Ransomware glauben, die beste Strategie sei, das Lösegeld zu zahlen, um wieder Kontrolle über ihre Unternehmensressourcen zu erlangen. Anschließend hoffen sie, dass Strafverfolgungsbehörden die Gelder zurückverfolgen und erstatten. Diese Hoffnung ist jedoch oft vergeblich. Cyberkriminelle nutzen ausgeklügelte Werkzeuge und Dienste, um die Transparenz der Blockchain zu kompensieren und Transaktionen unauffindbar zu machen.

Intermediäre Krypto-Wallets: Erste Spuren verwischen

Eine gängige Methode ist die Verteilung “schmutziger” Kryptowährungen auf gefälschte Wallets. Bei großen Angriffen, wie dem BitFinex-Hack, können dies Tausende von Wallets sein. Da jedoch alle Transaktionen in der Blockchain festgehalten werden, löst dies das Problem der Rückverfolgbarkeit nicht vollständig. Diese Technik dient primär dazu, Spuren zu verwischen und große Summen in kleinere Beträge aufzuteilen, die dann leichter gewaschen werden können. Oft verweilen diese Gelder lange in den Fake-Wallets, während Kriminelle auf bessere Wechselkurse warten oder versuchen, unauffällig zu bleiben, bis die Aufmerksamkeit der Behörden nachlässt.

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Krypto-Mixer: Das Vermischen von Geldströmen

Krypto-Mixer wurden speziell entwickelt, um die Transparenz der Blockchain zu umgehen und die Privatsphäre zu erhöhen. Eingehende Kryptowährungen werden mit Geldern anderer Nutzer in einem Pool vermischt. Ausgehende Transaktionen erfolgen dann an zufällige Wallets zu willkürlichen Zeiten und Beträgen, was eine Zuordnung von Ein- und Ausgängen unmöglich macht. Obwohl nicht alle Nutzer von Krypto-Mixern kriminell sind, machen illegale Finanzströme einen beträchtlichen Teil ihres Volumens aus. Dies führte dazu, dass US-Behörden Sanktionen gegen beliebte Mixer verhängten.

Große Krypto-Börsen: Natürliche Mixer

Die Mehrheit der Transaktionen auf großen Krypto-Börsen findet intern statt und wird nur in den Datenbanken der Börse erfasst. Nur zusammengefasste Ergebnisse landen auf der Blockchain. Dies spart Gebühren und Zeit, macht die Börsen aber auch zu einer Art natürlichen Krypto-Mixern. Der Zusammenhang zwischen Ein- und Auszahlungen wird unterbrochen, sobald eine Transaktion die Börse erreicht. Dies erleichtert zwar illegale Aktivitäten, birgt aber auch Risiken: Bei Überweisungen an große Börsen verlieren Cyberkriminelle die Kontrolle. Diese Börsen kooperieren in der Regel mit Strafverfolgungsbehörden, und das “Know Your Customer” (KYC)-Verfahren erschwert die Geldwäsche zusätzlich.

Kleine Krypto-Börsen: Anonymität mit Risiko

Eine Alternative für Kriminelle sind kleine Krypto-Börsen, die sich als anonym bezeichnen und weniger strenge Vorschriften einhalten. Sie entwickeln sich oft zu Plattformen für Krypto-Wäsche. Allerdings ziehen sie auch die Aufmerksamkeit der Strafverfolgungsbehörden auf sich. Die Schließung solcher Börsen und die Verhaftung ihrer Betreiber, wie im Fall von Bitzlato Ltd., sind die Folge.

Verschachtelte Krypto-Börsen: Vermittler der Anonymität

Verschachtelte Börsen agieren als Vermittler zwischen Krypto-Börsen. Sie erlauben den Handel mit Kryptowährungen, ohne dass Nutzer ein eigenes Börsen-Konto eröffnen müssen. Ähnlich wie Broker im traditionellen Finanzwesen dienen sie im Krypto-Bereich der Wahrung der Privatsphäre, indem sie die obligatorische KYC-Prüfung umgehen. Dies zieht nicht nur Cyberkriminelle an, sondern auch jene, die unrechtmäßig erworbene Einnahmen waschen wollen.

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DeFi: Dezentrale Protokolle mit Hürden

Dezentrale Finanzprotokolle (DeFi) bieten eine weitere Möglichkeit für Krypto-Wäscher. Automatisierte dezentrale Krypto-Börsen (DEX) arbeiten mit Smart Contracts, ohne Kundenkontrollen oder Registrierungen. Die Gelder bleiben unter der Kontrolle der Besitzer, solange keine Fehler im Smart Contract vorliegen. Ein Nachteil ist jedoch, dass alle DEX-Transaktionen in der Blockchain festgehalten und somit nachverfolgt werden können. DeFi wird daher eher als Teil komplexer, mehrstufiger Geldwäscheschemata eingesetzt.

Geldwäsche im Dark Web: Spezialisierte Dienste

Der moderne Cybercrime ist hochspezialisiert. Ein wachsender Trend ist die Nutzung illegaler Dienste im Dark Web, die sich auf das Waschen von Kryptowährungen spezialisiert haben – sogenannte “Laundering-as-a-Service”-Dienstleistungen. Diese Angebote zielen auf vollständige Anonymität ab und haben im vergangenen Jahr schätzungsweise 6 Milliarden US-Dollar umgesetzt.

Auszahlung: Der letzte Schritt

Das Ziel jeder illegalen Krypto-Transaktion ist die Auszahlung in Fiat-Geld. Sobald die Kryptowährung in herkömmliches Geld umgewandelt wurde, ist sie mittels Blockchain-Analyse nicht mehr zurückverfolgbar. Große und kleine Krypto-Börsen, verschachtelte Börsen und spezialisierte Dark-Web-Dienste können hierfür genutzt werden.

Was bedeutet das für Opfer von Ransomware?

Cyberkriminellen steht eine breite Palette von Mitteln zur Geldwäsche zur Verfügung, und sie setzen oft raffinierte, mehrstufige Verfahren ein, die verschiedene Methoden kombinieren. Dies macht es für Strafverfolgungsbehörden schwierig, gestohlene Gelder wiederzuerlangen, selbst wenn Ermittlungen erfolgreich sind. Opfern von Ransomware ist daher zu raten, nicht mit einer Rückerstattung gezahlter Lösegelder zu rechnen. Die beste Verteidigung ist Prävention: die Installation einer zuverlässigen Sicherheitslösung mit nachgewiesenen Anti-Ransomware-Fähigkeiten ist unerlässlich.