Wissens- und Technologietransfer in Deutschland: Einblicke und Förderungen

Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Innovationsmotor entwickelt, dessen Erfolg maßgeblich auf der engen Verknüpfung von Forschung, Lehre und gesellschaftlicher Anwendung beruht. Der Wissenstransfer, also die systematische Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft, ist dabei eine zentrale Säule. Diese Überführung fördert nicht nur technologischen Fortschritt und wirtschaftliche Innovationen, sondern liefert auch Lösungsansätze für gesellschaftliche Herausforderungen. Angesichts der strategischen Bedeutung hat die Bundesregierung mit ihrer Hightech-Strategie 2025 die Stärkung des Transfers als ein Kernziel definiert.

Der Fokus des Wissenstransfers hat sich dabei erweitert: Von einem primär wirtschaftsorientierten Technologietransfer hin zu einem umfassenderen Wissenstransfer, der auch gesellschaftliche und kulturelle Aspekte einschließt. Dies spiegelt die Erkenntnis wider, dass der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft eine wechselseitige Beeinflussung darstellt, bei der gesellschaftliche Entwicklungen wiederum neue Forschungsfragen aufwerfen können. Die gesteigerte Erwartungshaltung an die Wissenschaft hinsichtlich ihrer Anwendungsrelevanz hat in den letzten drei Jahrzehnten zu einer Expansion des Wissenschaftssystems geführt und eine neue Debatte über die richtige Balance zwischen Grundlagenforschung und Nutzenorientierung angestoßen.

Die deutsche Wissenschaftslandschaft hat auf diese Entwicklungen mit einer Vielzahl von Instrumenten, Mechanismen und Strukturen reagiert. Dazu zählen die Anpassung der Vertragsforschung, die Förderung von Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft (Ausgründungen), die gezielte Unterstützung von Transferaktivitäten über Personen („Transfer über Köpfe“), die Wissenschaftskommunikation und die Öffnung von Forschungsinfrastrukturen für Partner aus der Praxis. Doch die Verantwortung für einen erfolgreichen Wissenstransfer liegt nicht allein bei den wissenschaftlichen Einrichtungen. Auch die Zivilgesellschaft, die Wirtschaft und die Politik müssen die Voraussetzungen schaffen, um neues Wissen aufnehmen und integrieren zu können. Intermediäre Einrichtungen wie Transferagenturen oder Technologiezentren spielen hierbei eine wichtige Rolle, indem sie die Interaktion zwischen Wissenschaft und anderen gesellschaftlichen Sektoren fördern.

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Trotz dieser Bemühungen wird vielfach darauf hingewiesen, dass das volle Potenzial des Wissenstransfers noch nicht ausgeschöpft ist. Fehlende Strukturen, institutionelle Strategien und ein veraltetes Verständnis von Transfer als einseitige Wissensvermittlung hemmen die Weiterentwicklung. Kohärente Gesamtkonzepte, die Leitbilder, Potenzialanalysen und strategische Ziele umfassen, sind oft noch nicht vorhanden. Hier setzt die von der Bundesregierung initiierte Forschungsförderung an.

Förderziele und Schwerpunkte des Programms

Das übergeordnete Ziel dieses Förderangebots ist es, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die bestehenden Aktivitäten und Strukturen des Wissenstransfers zu gewinnen und deren Entwicklung über die letzten 30 Jahre nachzuzeichnen. Dabei sollen zentrale Erfolgsfaktoren sowie bestehende Lücken und Hemmnisse identifiziert werden, um eine evidenzbasierte Gestaltung des Transfers durch Wissenschaftsmanagement und Wissenschaftspolitik zu ermöglichen. Die geförderten Forschungsvorhaben sollen konkrete Anregungen und Impulse für die Wissenschaftspolitik und -praxis liefern.

1. Status-quo-Analysen und empirische Befunde

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Erforschung des Wissenstransfers innerhalb des deutschen Wissenschaftssystems. Dies umfasst die Analyse neuer Leitbilder, Organisationsformen und Anreizmechanismen an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Ebenso werden die Einbindung von Praxispartnern und die Identifikation von Anwendungsfeldern untersucht. Förderfähig sind hier empirische Analysen, die den aktuellen Stand des Wissenstransfers in Deutschland abbilden, dessen Stärken und Schwächen beleuchten und gegebenenfalls internationale Vergleiche ziehen. Es wird erwartet, dass die Vorhaben eine klare Kategorisierung der Aktivitäten und Entwicklungen vornehmen und sich auch mit Konzepten im Bereich „sozialer Innovationen“ auseinandersetzen.

2. Wirksamkeitspotenziale und Hemmnisse

Neben der Bestandsaufnahme ist die Untersuchung der Wirksamkeit bestehender Transferansätze von entscheidender Bedeutung. Dies beinhaltet die Entwicklung geeigneter Messgrößen für die qualitative und quantitative Leistungsbewertung von Transferaktivitäten, die über reine Markterfolge hinausgehen und auch soziale Nutzen sowie Kosten berücksichtigen. Ebenso wichtig ist die Identifikation von Hemmnissen, sei es im rechtlichen, organisatorischen oder auch im Kompetenzbereich der Beschäftigten. Gefördert werden Vorhaben, die praxisrelevante Vorschläge zur Überwindung dieser Hindernisse entwickeln.

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3. Transdisziplinarität und wissenschaftsinterne Transferforschung

Das Programm öffnet sich auch für die Untersuchung von Transdisziplinarität als einem Forschungsmodus zur Bearbeitung komplexer gesellschaftlicher Probleme. Hierbei wird untersucht, inwieweit partizipative Ansätze, bei denen gesellschaftliche Akteure frühzeitig in den Forschungsprozess eingebunden werden, den Transfer von Ergebnissen fördern.

Darüber hinaus wird die spezifische Rolle des Wissenstransfers innerhalb der Wissenschafts- und Hochschulforschung selbst thematisiert. Da hier die Akteure des Wissenschaftssystems sowohl Wissensproduzenten als auch Praxispartner sind, werden die besonderen Herausforderungen und Chancen dieser systeminternen Transferdynamik erforscht.

4. Digitale Transformation und Forschungsüberblick

Ein weiterer Fokus liegt auf den Auswirkungen der Digitalisierung auf den wissenschaftsinternen Wissenstransfer. Untersucht werden, wie digitale Technologien Vereinfachungen, Verbesserungen oder auch disruptive Veränderungen in den Transferprozessen bewirken können. Ebenso werden neue Transferhemmnisse, die durch die Digitalisierung entstehen können, in den Blick genommen.

Schließlich wird auch die Erstellung eines systematischen Forschungsüberblicks zum Thema „Transferforschung“ gefördert. Ziel ist es, durch eine multidisziplinäre Literaturanalyse die zentralen Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen zusammenzuführen, länderübergreifende Ergebnisse zu synthetisieren und zukünftigen Forschungsbedarf aufzuzeigen.

Förderrechtliche Rahmenbedingungen und Antragsverfahren

Die Förderung richtet sich an Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und weitere transferbezogene Institutionen. Die Zuwendungen werden als nicht rückzahlbare Zuschüsse im Wege der Projektförderung gewährt und sind auf den nichtwirtschaftlichen Bereich beschränkt. Die Bemessungsgrundlage bilden die zuwendungsfähigen projektbezogenen Ausgaben oder Kosten. Mittel können für Personal, Reisen, Sach- und Investitionsmittel sowie für Open-Access-Publikationen beantragt werden.

Das Antragsverfahren ist zweistufig angelegt:

  1. Projektskizzen: In der ersten Phase reichen Interessierte Projektskizzen ein, die nach inhaltlichen Kriterien wie Expertise, Innovationspotenzial, Originalität und methodischer Anspruch bewertet werden.
  2. Förmliche Förderanträge: Nach positiver Bewertung der Skizzen werden die Antragsteller aufgefordert, förmliche Förderanträge einzureichen. Hierbei werden die Angemessenheit und Wirtschaftlichkeit der Finanzplanung sowie die Qualität der Arbeitspläne geprüft.
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Die Antragsstellung erfolgt über das elektronische Antragssystem „easy-Online“. Die Einreichungsfrist für Projektskizzen ist der 19. April 2021. Für detaillierte Informationen zu den Verfahren und Antragsunterlagen können die Webseiten des BMBF und des Projektträgers DLR Projektträger konsultiert werden. Die Förderung ist bis zum 31. Dezember 2029 befristet.