Leitfaden für Anfänger: Garnelenhaltung im Aquarium

Nanoaquarium mit Zwerggarnelen

Die Haltung von Zwerggarnelen, auch bekannt als Wirbellose, ist ein faszinierendes Hobby, das sich wunderbar in Nanoaquarien, also Becken mit einer Kantenlänge unter 60 cm, umsetzen lässt. Diese kleinen Krabbler sind keine großen Schwimmer und bevorzugen es, verschiedenste Oberflächen nach Futter abzusuchen. Diese Vorliebe macht sie zu idealen Bewohnern für kleinere Aquarien und somit auch für Aquaristik-Einsteiger. Bei Komplettsets von 60 cm Kantenlänge und etwa 54 Litern Inhalt ist jedoch Vorsicht geboten, da die enthaltenen Filter oft nicht garnelensicher sind. Speziell für Garnelen entwickelte Nanoaquarien bieten hier oft eine bessere Lösung, da sie bereits mit garnelensicheren Filtern und passender Beleuchtung ausgestattet sind. Größere Aquarien eignen sich selbstverständlich ebenfalls für die Garnelenhaltung.

Nanoaquarium mit ZwerggarnelenNanoaquarium mit Zwerggarnelen

Nanoaquaristik: Mehr als nur ein Trend

Entgegen der Annahme, Nanoaquarien seien nur etwas für Fortgeschrittene, sind sie heute dank passenden Zubehörs wie kleinen Filtern, Beleuchtungssystemen und Heizstäben auch für Anfänger gut geeignet. Früher war die Auswahl an Technik und Dekoration für Nanoaquarien begrenzt, was viel Bastelarbeit erforderte. Mittlerweile ist die Auswahl an speziellen Produkten und auch an Aquarienpflanzen für Nanoaquarien deutlich besser. Mit einer sorgfältigen Wasserhygiene und einer sparsamen, hochwertigen Fütterung steht dem Start im Nanoaquarium nichts im Wege. Ein weiterer Vorteil von Nanoaquarien ist die geringere Verlockung, Fische hinzuzusetzen, was für Garnelen problematisch werden kann. Die folgenden Ratschläge zur Garnelenhaltung gelten jedoch unabhängig von der Aquariengröße.

Rote Sakura Garnele in einem NanoaquariumRote Sakura Garnele in einem Nanoaquarium

Wasserwerte: Die Grundlage für gesunde Garnelen

Die richtige Wasserchemie ist entscheidend für die Gesundheit Ihrer Garnelen. Verschiedene Zwerggarnelenarten haben unterschiedliche Ansprüche an die Wasserhärte. Während Bienengarnelen und Taiwangarnelen weiches Wasser benötigen, bevorzugen Neocaridina und Amanogarnelen eher härteres Wasser. Für Einsteiger ist die Wasseraufbereitung jedoch gut machbar.

Weiches Wasser für empfindliche Arten

Arten wie Bienengarnelen, Taiwangarnelen und deren Hybriden benötigen weiches Wasser. In hartem Wasser können sie Probleme bei der Häutung entwickeln, die sogar tödlich enden können. Durch die Mischung von Osmosewasser mit einem speziellen GH+ Mineralsalz lässt sich das benötigte Wasser einfach und präzise herstellen. Wichtig ist hierbei die Verwendung eines Salzes, das ausschließlich die Gesamthärte (GH) anhebt. Mineralien, die auch die Karbonathärte (KH) erhöhen, sind für die Aufbereitung von Weichwasser ungeeignet.

Weiterlesen >>  Bozita Katzenfutter Test 2024: Schwedische Qualität oder nur Marketingversprechen?

Nahaufnahme einer Garnele im AquariumNahaufnahme einer Garnele im Aquarium

Hartes Wasser für robuste Arten

Robuste und vermehrungsfreudige Arten wie Neocaridina (z.B. Red Fire, Red Sakura) oder Amanogarnelen kommen oft gut mit Leitungswasser zurecht, das eine höhere Härte aufweist. Wenn das Leitungswasser jedoch Chlor oder Kupfer enthält, ist die Verwendung von Osmosewasser mit einem entsprechenden Aufhärtesalz (GH/KH+) ratsam. Bei der Verwendung von Leitungswasser sollte dieses kalt abgefüllt werden, um die Aufnahme von Schadstoffen aus den Wasserleitungen zu minimieren. Nach dem Abfüllen sollte das Wasser auf die gewünschte Temperatur erwärmt werden. Um Chlor aus dem Leitungswasser ausgasen zu lassen, kann man es über die Duschbrause in den Eimer laufen lassen. Ein Wasseraufbereiter im Wechselwasser bindet zusätzliche Schadstoffe und bietet zusätzliche Sicherheit.

Blaue Dream Garnele in einem AquariumBlaue Dream Garnele in einem Aquarium

Die richtige Temperatur

Die meisten gängigen Zwerggarnelenarten fühlen sich bei Zimmertemperaturen zwischen 18 und 24 °C wohl. Ein zusätzlicher Heizstab ist in der Regel nicht notwendig.

Filterung: Lebenswichtig für das Aquarium

Der Filter im Aquarium muss rund um die Uhr laufen, um mechanische und biologische Reinigung zu gewährleisten. Mechanisch werden Schwebstoffe entfernt, während Bakterien organische Schadstoffe im Wasser abbauen. Diese Bakterien benötigen Sauerstoff, weshalb ein ständiger Wasserfluss im Filter essenziell ist. Die Reinigung des Filters sollte nur erfolgen, wenn die Filtermedien durch Mulm verstopft sind. Ein einfaches Auswaschen unter fließendem Wasser genügt.

Innenfilter und Luftheber

Innenfilter sind praktisch und leckagefrei. Achten Sie auf garnelensichere Modelle, wie den Nano Eckfilter von Dennerle oder den AquaEl Mini Pat. Luftheberfilter, die mittels einer Luftpumpe betrieben werden, sind eine sehr sichere Option, da sie keinen elektrischen Antrieb im Wasser haben.

Außenfilter und Rucksackfilter

Außen- und Rucksackfilter befinden sich außerhalb des Aquariums und sparen Platz im Becken. Sie sind oft leistungsstärker und optisch unauffälliger. Der Einlauf eines Außenfilters kann mit einem Stück Filterschwamm garnelensicher gemacht werden, oder man verwendet spezielle Edelstahlgitter.

Weiterlesen >>  Alles für den Dackel: Der Kultspruch und seine Bedeutung in Deutschland

Sauerstoffversorgung sicherstellen

Aquarienpflanzen produzieren tagsüber Sauerstoff, verbrauchen ihn aber nachts wieder. Besonders in gut bepflanzten Becken oder bei warmen Temperaturen kann es zu Sauerstoffmangel kommen. Eine Belüftung mittels Luftpumpe mit Sprudelstein oder einem Oxydator kann hier Abhilfe schaffen.

Bodengrund: Die Basis für Pflanzen und Garnelen

Für robustere Arten wie Neocaridinas und Amanogarnelen eignet sich ein wasserneutraler Naturkies. Selbst leicht kalkhaltiger Kies ist hier möglich. Bei buntem Aquarienkies sollte auf ungiftige Farbpigmente und eine Kunstharzumhüllung geachtet werden. Arten, die weiches Wasser bevorzugen, wie Bienengarnelen oder Taiwaner, sollten auf einem dunklen, aktiven Bodengrund (Soil) sitzen, der die Wasserwerte weicher macht und den pH-Wert senkt. Spezielle Garnelen-Soils vermeiden die Abgabe von zu vielen Stickstoffverbindungen ins Wasser.

Garnelen auf einem dunklen BodengrundGarnelen auf einem dunklen Bodengrund

Dekoration mit Wurzeln und Steinen

Das sogenannte Hardscape, bestehend aus Wurzeln und Steinen, bietet Garnelen Versteckmöglichkeiten und Oberflächen. Aquarientaugliche Wurzeln können anfangs mit einem Stein beschwert werden, bis sie von selbst am Boden bleiben. Das Holz gibt Tannine ab, die das Wasser leicht bräunlich färben können, was jedoch für die Garnelenpflegende Schleimhaut wirkt und unbedenklich ist. Bei den Steinen ist darauf zu achten, ob sie kalkhaltig sind. Für weichwasserliebende Arten sollten kalkfreie Steine verwendet werden, was mit Essigessenz getestet werden kann. In Becken mit unempfindlicheren Neocaridina-Arten können kalkhaltige Steine bedenkenlos eingesetzt werden.

Pflanzen: Versteck und Nahrungsquelle

Obwohl Garnelen in der Natur oft in pflanzenlosen Habitaten leben, profitieren sie im Aquarium von einer guten Bepflanzung, die Versteckmöglichkeiten bietet. Frisch erworbene Aquarienpflanzen sollten zwei Wochen vorgewässert werden, um potenzielle Pestizide zu entfernen. Die Steinwolle an den Wurzeln sollte vor dem Wässern entfernt werden. Ein kurzes Sprudelbad in stark sprudelndem Mineralwasser vor der Quarantäne hilft, Blasenschnecken und Würmer zu entfernen. Alternativ bieten sich laborgezüchtete In-vitro-Pflanzen an, die garantiert frei von schädlichen Substanzen sind. Die Bepflanzung sollte strategisch erfolgen, mit höheren Pflanzen im Hintergrund und niedrigeren im Vordergrund für eine gute Sicht.

Aquarium mit vielen Pflanzen und GarnelenAquarium mit vielen Pflanzen und Garnelen

Pflanzendünger und Licht

Die Sorge, dass Pflanzendünger schädliche Kupferkonzentrationen enthalten könnte, ist unbegründet, solange die Dosierungsanleitung eingehalten wird. Spezielle Aquariendünger von Herstellern wie Dennerle sind auf Garnelen abgestimmt und sicher. Die Beleuchtung sollte auf die Bedürfnisse der Pflanzen abgestimmt sein. Bei Komplettsets ist die beiliegende Beleuchtung oft ausreichend.

Weiterlesen >>  Mietrecht Haustiere: Was Mieter und Vermieter in Deutschland wissen müssen

Das Aquarium einfahren: Geduld zahlt sich aus

Das Einfahren eines Aquariums ist eine entscheidende Phase, bevor Garnelen oder Fische eingesetzt werden können. Während dieser Zeit, die mindestens zwei bis vier Wochen dauert, können giftige Stickstoffverbindungen wie Nitrit (NO2) stark ansteigen (Nitritpeak), was für die Bewohner tödlich sein kann. In dieser Phase siedeln sich die notwendigen Bakterien an, die Ammoniak und Nitrit zu weniger schädlichem Nitrat umwandeln. Die Zugabe eines Bakterienpräparats und kleiner Mengen Garnelenfutter unterstützt diesen Prozess. Erst wenn Nitrittests keine Werte mehr anzeigen, ist das Becken bereit für den Besatz.

Ein frisch eingerichtetes AquariumEin frisch eingerichtetes Aquarium

Der richtige Besatz für Ihr Garnelenaquarium

Garnelen sind soziale Tiere und fühlen sich in Gesellschaft von Artgenossen wohler und sind weniger scheu. Ein Erstbesatz von etwa 10 Tieren pro Art wird empfohlen. Sehr schwimmfreudige Arten wie Amanogarnelen benötigen größere Becken (ab 60-80 cm Kantenlänge), während Zwerggarnelen bereits in Nanoaquarien (20-30 Liter) gehalten werden können. Beifische sind in größeren Becken (ab 60 cm) möglich, jedoch muss auf passende Wasserwerte und darauf geachtet werden, dass die Fische die Garnelen nicht fressen.

Wasserwechsel und Pflege

Ein wöchentlicher Wasserwechsel von 10-30% ist empfehlenswert. Bei intensiver Fütterung oder Düngung kann dieser auf bis zu 50% erhöht werden. Beim Wasserwechsel können gleichzeitig die Scheiben gereinigt werden. Viele Züchter lassen die Rück- und Seitenscheiben bewusst leicht veralgen, da dies eine zusätzliche Nahrungsquelle für Garnelen darstellt. Um das Ansaugen von Garnelen beim Wasserwechsel zu vermeiden, kann der Schlauch mit einer Nylonsocke gesichert werden. Einmal im Monat sollte zusätzlich Mulm abgesaugt werden. Das Frischwasser sollte, wie bereits beschrieben, vorbehandelt und vorsichtig ins Aquarium gefüllt werden.

Galaxy Tiger GarneleGalaxy Tiger Garnele

Hochwertiges Garnelenfutter und Laub

Garnelen ernähren sich in der Natur hauptsächlich von Biofilmen, jungen Algen und Bakterienbelägen. Im Aquarium finden sie daher stets Futter. Eine sparsame Fütterung mit hochwertigem Garnelenfutter ist ratsam. Ergänzend kann Mineral Feed für den Panzeraufbau gegeben werden. Braunes Herbstlaub ist eine ideale Ergänzung, da es wertvolle Ballaststoffe und Gerbstoffe enthält, die bei der Häutung helfen und das Wasser garnelentauglich machen. Zwei bis drei Blätter sollten stets im Aquarium vorhanden sein und dienen gleichzeitig als natürliche Dekoration. Auch Seemandelbaumblätter sind eine gute Alternative.

Das Team von Garnelio wünscht Ihnen viel Freude mit Ihren neuen Mitbewohnern!