Gallensteine: Ursachen, Risiken und Ernährungstherapie

Gallensteine, medizinisch Cholelithiasis genannt, sind verhärtete Ablagerungen, die sich aus Bestandteilen der Gallenflüssigkeit bilden. Sie können entweder in der Gallenblase (Gallenblasensteine) oder in den Gallengängen (Gallengangssteine) entstehen. Die Gallenblase dient als Speicher für die von der Leber täglich produzierte Gallenflüssigkeit, welche essenziell für die Verdauung von Fetten und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine ist.

Risikofaktoren für Gallensteinbildung

Die Entstehung von Gallensteinen wird durch eine Vielzahl von Faktoren begünstigt:

  • Genetische Veranlagung: Eine erbliche Komponente kann das Risiko erhöhen.
  • Geschlecht und Alter: Frauen sind häufiger betroffen, insbesondere ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko signifikant an.
  • Übergewicht und Adipositas: Ein erhöhter Körperfettanteil, auch unabhängig vom Body-Mass-Index (BMI), stellt einen wesentlichen Risikofaktor dar.
  • Ernährungsgewohnheiten: Eine energie-, fett- und zuckerreiche Ernährung bei gleichzeitig geringer Ballaststoffzufuhr fördert die Steinbildung. Eine ballaststoffarme und cholesterinreiche Kost ist ebenfalls nachteilig.
  • Hormonelle Einflüsse: Schwangerschaften und die Einnahme weiblicher Geschlechtshormone (Kontrazeptiva oder Hormonersatztherapie) erhöhen das Risiko.
  • Stoffwechsel- und Darmerkrankungen: Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn können prädisponieren.
  • Gallensäurenverlustsyndrom: Ein Mangel an Gallensäuren, beispielsweise nach operativen Eingriffen am Darm, kann die Auskristallisation der Galle fördern.
  • Medikamenteneinnahme: Bestimmte Antibiotika können die Gallensteinbildung beeinflussen.
  • Leber- und Gallenwegserkrankungen: Erkrankungen der Leber und Infektionen der Gallenwege (bakteriell oder parasitäre Ursachen) sind relevant.
  • Hämolytische Anämie: Bei dieser Form der Blutarmut, die durch vermehrten Zerfall roter Blutkörperchen gekennzeichnet ist, kann ein erhöhter Bilirubinspiegel zur Steinbildung beitragen.
  • Sehr schnelle Gewichtsabnahme: Ein Gewichtsverlust von über 1,5 kg pro Woche kann das Risiko erhöhen.
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Arten von Gallensteinen

Grundsätzlich werden zwei Hauptarten von Gallensteinen unterschieden:

  • Cholesteringallensteine: Diese machen etwa 80 % aller Gallensteine aus und bestehen primär aus Cholesterin.
  • Bilirubin-(Pigment-)gallensteine: Diese sind seltener (ca. 20 %) und besitzen oft einen Cholesterinkern, an den sich Bilirubin angelagert hat.

Symptome von Gallensteinen

Die Symptomatik von Gallensteinen ist sehr variabel und hängt stark von ihrer Lage und Größe ab. Viele Betroffene leiden zunächst unter keinen oder nur geringen Beschwerden. Mögliche Symptome umfassen:

  • Schmerzen im rechten Oberbauch
  • Starke Gallenkoliken
  • Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis)
  • Gallenstau mit nachfolgender Entzündung des Gallengangs (Cholangitis)
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Entzündung benachbarter Organe

Auch nach einer Entfernung der Gallenblase können sich Gallensteine in den verbliebenen Gallengängen bilden und zu Beschwerden wie Druck im Oberbauch und kolikartigen Schmerzen führen. Ein Ungleichgewicht der Hauptbestandteile der Galle – Gallensäuren, Bilirubin und Cholesterin – kann zur Auskristallisation und somit zur Bildung von Gallengries und Gallensteinen führen.

Die Rolle der Ernährungstherapie

Eine angepasste Ernährungstherapie spielt eine zentrale Rolle, sowohl präventiv zur Vorbeugung von Gallengries und Gallensteinen als auch unterstützend bei bestehenden Beschwerden. Ziel ist es, die Entstehung von Gallenkoliken und Entzündungen zu verhindern, indem entzündungsfördernde Lebensmittel gemieden und entzündungshemmende Kost bevorzugt wird. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsreduktion essenziell, um das Gallensteinrisiko zu senken. Die früher gängige “Gallen-Schonkost” ist heute nicht mehr aktuell; stattdessen steht eine individuell abgestimmte, ausgewogene und entzündungshemmende Ernährung im Vordergrund.

Mögliche Komplikationen von Gallensteinen

Unbehandelte oder komplizierte Gallensteinleiden können zu schwerwiegenden Folgen führen:

  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis)
  • Verletzung der Gallenblasenwand mit Austritt von Galle in die Bauchhöhle und daraus resultierender Bauchfellentzündung
  • Erhöhtes Risiko für Gallenblasen- und Gallengangkrebs
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Bedeutung des Body-Mass-Index (BMI)

Der BMI dient zur Einordnung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße. Für Kinder und Jugendliche gelten spezielle Perzentilkurven. Die gängige Interpretation des BMI ist wie folgt:

  • Untergewicht: < 18,5
  • Normalgewicht: 18,5 – 24,9
  • Übergewicht (Präadipositas): 25 – 29,9
  • Adipositas Grad I: 30 – 34,9
  • Adipositas Grad II: 35 – 39,9
  • Adipositas Grad III (Fettleibigkeit): > 40

Bestandteile einer Ernährungstherapie bei Gallensteinen

Eine umfassende Ernährungstherapie kann folgende Aspekte beinhalten:

  • Grundlage: Antientzündliche Ernährung, individuell angepasst.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Berücksichtigung von Begleiterkrankungen.
  • Fettauswahl: Optimale Gestaltung der Fettzufuhr.
  • Tierische Lebensmittel: Empfehlungen zur Menge und Auswahl von Fleisch, Milchprodukten, Fisch und Eiern.
  • Entzündungshemmung: Strategien zur Reduzierung von Entzündungsprozessen durch die Ernährung.
  • Gewichtsmanagement: Gezielte Gewichtsreduktion bei Übergewicht/Adipositas.
  • Behandlung von Begleiterscheinungen: Therapie von Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörungen.
  • Mikronährstoffversorgung: Vermeidung von Vitamin- und Mineralstoffmängeln, ggf. Supplementierung.
  • Proteinversorgung: Sicherstellung einer ausreichenden Proteinzufuhr.
  • Ballaststoffe: Zufuhr von mindestens 30 g Ballaststoffen täglich, vorzugsweise aus natürlichen Lebensmitteln.
  • Flüssigkeitszufuhr: Empfehlung von 30-35 ml Flüssigkeit pro kg Körpergewicht und Tag (abzüglich Flüssigkeit aus Lebensmitteln).
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Zufuhr von krebsschützenden Pflanzeninhaltsstoffen.
  • Praktische Umsetzung: Erstellung von angepassten Speiseplänen für Frühstück, Zwischenmahlzeiten, Mittag- und Abendessen, inklusive Koch- und Küchentipps.
  • Öle und Fette: Auswahl geeigneter Öle und Streichfette.
  • Fettsäuren: Ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren und essentiellen Fettsäuren.
  • Stoffwechselanregung: Unterstützung des Stoffwechsels durch natürliche Lebensmittel.
  • Mahlzeitenfrequenz: Abstimmung der Mahlzeiten auf individuelle Bedürfnisse.
  • Gewichtsstabilisierung: Langfristige Erhaltung eines gesunden Körpergewichts.
  • Getränke und Alkohol: Hinweise zur geeigneten Getränkeauswahl und zum Alkoholkonsum.
  • Bewegung: Verständnis der Auswirkungen von Bewegung auf Ernährung und Körper.
  • Blutzuckerregulierung: Vermeidung von Blutzuckerschwankungen.
  • Süßen von Lebensmitteln: Umgang mit Süßstoffen, Zucker und Zuckeraustauschstoffen.
  • Kochen und Backen: Spezifische Hinweise für die Zubereitung von Speisen.
  • Auswärts essen: Tipps für Restaurantbesuche und Reisen.
  • Verdauungsprobleme: Lösungsansätze bei Blähungen, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung etc.
  • Genuss- und Essenssituation: Optimierung des Essverhaltens und Essenserlebnisses.
  • Darmgesundheit: Stärkung von Magen und Darm mit natürlichen Lebensmitteln.
  • Zusätzliche Therapieoptionen: Einsatz von diätetischen Produkten und Nahrungsergänzungsmitteln.
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