Hand-Fuß-Mund-Krankheit: Ein umfassender Ratgeber für Deutschland

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Kinder betrifft, aber auch bei Erwachsenen auftreten kann. Verursacht durch Enteroviren, insbesondere Coxsackie-Viren und Enterovirus A71, stellt die HFMK weltweit ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar. Während die Krankheit in Deutschland nicht meldepflichtig ist, sind das Verständnis der Übertragungswege, Symptome und präventiven Maßnahmen entscheidend für die Eindämmung. Dieser Ratgeber bietet eine detaillierte Übersicht über die HFMK, basierend auf aktuellen Erkenntnissen und Empfehlungen.

Was ist die Hand-Fuß-Mund-Krankheit?

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit wird primär durch Enteroviren der Gruppe A (EV-A) ausgelöst. Zu den Hauptverursachern zählen Coxsackie-A-Viren (insbesondere CVA2-A8, A10, A12, A14, A16) sowie Enterovirus A71 (EV-A71). In Deutschland sind CVA6 und CVA16 die häufigsten Erreger, gefolgt von CVA10 und EV-A71. Diese Viren gehören zur Familie der Picornaviridae und sind bemerkenswert resistent gegenüber Umwelteinflüssen und vielen Desinfektionsmitteln, was ihre Übertragung begünstigt.

Verbreitung und Vorkommen

Enteroviren sind ubiquitär verbreitet und zeichnen sich durch eine hohe Kontagiosität aus. Die HFMK tritt weltweit auf und ist besonders in den Sommermonaten und im Herbst häufiger zu beobachten. Im westpazifischen Raum kommt es regelmäßig zu größeren Ausbrüchen, bei denen insbesondere EV-A71-Viren zu schweren Komplikationen führen können, die das zentrale Nervensystem betreffen oder sogar tödlich enden. In Deutschland gibt es keine flächendeckenden Meldungen, wodurch genaue Daten zur Erkrankungshäufigkeit fehlen. Dennoch ist die HFMK eine allgegenwärtige Infektionskrankheit, die vor allem bei Kindern unter zehn Jahren vorkommt.

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Übertragung und Inkubationszeit

Die Übertragung der HFMK erfolgt von Mensch zu Mensch durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Speichel, Nasen- und Rachensekreten, Bläscheninhalt oder Stuhl. Auch die Berührung kontaminierter Oberflächen spielt eine Rolle, wobei die Hände als primärer Übertragungsweg gelten. Die fäkal-orale Übertragung ist dominant, jedoch kann das Virus in der frühen Phase der Erkrankung auch durch Tröpfcheninfektion verbreitet werden. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 10 Tage, kann aber auch bis zu 30 Tage dauern.

Symptome der HFMK

Die Erkrankung beginnt typischerweise mit Fieber, Appetitlosigkeit und Halsschmerzen. Kurz darauf entwickeln sich schmerzhafte Bläschen und Geschwüre im Mundraum, vor allem an Zunge, Zahnfleisch und Mundschleimhaut. Innerhalb von 1-2 Tagen nach Fieberbeginn erscheint ein meist nicht juckender Hautausschlag, der sich durch rote Flecken, teilweise mit Blasenbildung, auszeichnet. Charakteristisch sind die betroffenen Handflächen und Fußsohlen. Bei atypischen Verläufen, oft durch CVA6 verursacht, kann sich der Ausschlag auch an Gesäß, Genitalbereich, Knien oder Ellenbogen zeigen und stark jucken. Diese atypischen Formen können mit systemischen Symptomen einhergehen und eine stationäre Behandlung erfordern.

Die Mehrheit der Infektionen verläuft asymptomatisch oder mit sehr milden Symptomen. Schwere Komplikationen wie aseptische Meningitis oder Enzephalitis sind selten. Eine mögliche, aber seltene Spätfolge von atypischen Verläufen ist der Verlust von Finger- und Zehennägeln (Onycholyse) einige Wochen nach der Infektion.

HFMK und Schwangerschaft

Enterovirusinfektionen während der Schwangerschaft verlaufen meist mild oder asymptomatisch. In sehr seltenen Fällen kann es jedoch zu einer Übertragung auf das Neugeborene kommen, insbesondere um den Geburtstermin herum. Während die meisten Neugeborenen nur milde Symptome zeigen, besteht bei sehr wenigen ein Risiko für fulminante Verläufe mit Beteiligung lebenswichtiger Organe. Das Risiko ist in den ersten beiden Lebenswochen des Neugeborenen am höchsten.

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Diagnostik der HFMK

In den meisten Fällen ist die klinische Diagnose ausreichend, und eine Labordiagnostik wird nicht durchgeführt. Bei Bedarf kann eine molekulare Diagnostik mittels Enterovirus-PCR (Polymerase-Kettenreaktion) erfolgen, um das Virus nachzuweisen und zu typisieren. Geeignete Proben sind Stuhl, Rachenabstriche und Bläscheninhalt. Bei Beteiligung des zentralen Nervensystems kann auch Liquor analysiert werden. Serologische Nachweise sind aufgrund der Virenvielfalt und der hohen Durchseuchung der Bevölkerung meist obsolet.

Therapie und Impfung

Eine spezifische antivirale Therapie gegen die HFMK existiert nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome. In einigen asiatischen Ländern sind Impfstoffe gegen EV-A71 verfügbar, die jedoch in Deutschland nicht eingesetzt werden.

Prävention und Hygienemaßnahmen

Eine effektive Prävention beruht auf strengen Hygienemaßnahmen:

  • Händehygiene: Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife, insbesondere nach dem Toilettengang und nach dem Wickeln von Kindern, ist essenziell.
  • Reinigung von Oberflächen: Kontaminierte Oberflächen und Gegenstände wie Spielzeug und Türklinken sollten sorgfältig gereinigt werden.
  • Kontaktvermeidung: Enger Körperkontakt wie Küssen und Umarmen sollte vermieden werden. Das Teilen von Besteck und Geschirr ist zu unterlassen.

Maßnahmen in Gemeinschaftseinrichtungen

Ein genereller Ausschluss von Kindern mit HFMK aus Kitas oder Schulen ist in der Regel nicht notwendig, solange sie fieberfrei sind und sich wohlfühlen. Das Gesundheitsamt kann jedoch unter bestimmten Umständen, insbesondere zur Eindämmung von Ausbrüchen, einen Ausschluss anordnen. Nach Abklingen der Symptome und dem Eintrocknen der Bläschen ist eine Wiederzulassung üblicherweise ohne ärztliches Attest möglich.

Desinfektion

Für die Inaktivierung der Viren in medizinischen Einrichtungen sind Desinfektionsmittel mit nachgewiesener viruzider Wirksamkeit gegen unbehüllte Viren erforderlich. Diese sind in offiziellen Listen wie der RKI-Liste oder der VAH-Liste aufgeführt. Bei Ausbrüchen außerhalb von Gesundheitseinrichtungen sollte die Anwendung von Desinfektionsmitteln mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmt werden.

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Gesetzliche Grundlagen

In Deutschland unterliegt die Hand-Fuß-Mund-Krankheit keiner spezifischen Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Einige Bundesländer, wie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, haben jedoch ergänzende Verordnungen bezüglich bestimmter Virusmeningitis-Erkrankungen.

Beratung und Spezialdiagnostik

Das Robert Koch-Institut (RKI) bietet keine individuelle medizinische Beratung zu Klinik, Therapie oder Impfungen an. Für solche Anliegen sollten Sie sich an Ihren behandelnden Arzt oder eine spezialisierte Klinik wenden. Bei Fragen zum Infektionsschutz und zur Prävention steht Ihnen das zuständige Gesundheitsamt zur Verfügung. Das Nationale Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren am RKI ist eine Anlaufstelle für spezialisierte Diagnostik und Forschung.