Pilates vs. Funktionelles Krafttraining: Ein Vergleich für Ihre Gesundheit

In der heutigen Fitnesslandschaft sind Pilates und Funktionelles Krafttraining zwei beliebte Trainingsformen, die jeweils einzigartige Vorteile bieten. Während Pilates für seine präzisen, kontrollierten Bewegungen zur Verbesserung von Körperhaltung und Kernkraft bekannt ist, konzentriert sich Funktionelles Krafttraining auf die Stärkung des Körpers für alltägliche Bewegungen und die allgemeine Leistungsfähigkeit. Doch welche Trainingsmethode ist die richtige für Ihre Gesundheits- und Fitnessziele? Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede in Bezug auf Muskelfaseraktivierung, Trainingseffekte und Trainingsaufbau, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen, welche Trainingsform oder ob eine Kombination am besten zu Ihnen passt.

Unterschied 1: Welche Muskelfasern werden angesprochen?

Pilates zeichnet sich durch langsame, kontrollierte Bewegungen aus, die primär die Slow-Twitch-Muskelfasern (Typ I) beanspruchen. Diese Muskelfasern sind für Ausdauerleistungen konzipiert, verbrauchen weniger Energie und sind entscheidend für feine motorische Koordination und Haltungskontrolle. Ihre Aktivierung fördert die muskuläre Ausdauer und die Fähigkeit, geringe Lasten über längere Zeiträume zu halten, was für die Verbesserung der Körperwahrnehmung und Stabilität von großer Bedeutung ist.

Im Gegensatz dazu nutzt funktionelles Krafttraining ein breiteres Spektrum an Trainingsintensitäten und -geschwindigkeiten, das von langsamen bis zu explosiven Bewegungen reicht. Dieses variierbare Trainingsprotokoll aktiviert sowohl Slow-Twitch- (Typ I) als auch Fast-Twitch-Muskelfasern (Typ II). Die Aktivierung von Fast-Twitch-Fasern ist essenziell für den Aufbau von Kraft, Leistung (Power) und die Verbesserung der Bewegungsökonomie im täglichen Leben, da sie für schnelle und kraftvolle Kontraktionen verantwortlich sind. Diese umfassendere Aktivierung ist entscheidend für die Steigerung der Maximalkraft und die Vorbeugung altersbedingter Muskulaturverluste.

Weiterlesen >>  Aktuelle Corona-Varianten in Deutschland: Ein Überblick

Unterschied 2: Welcher Effekt wird erzielt?

Die Hauptvorteile von Pilates liegen in der Verbesserung der Körperwahrnehmung, Koordination, des Gleichgewichts und der tiefen Rumpfmuskulatur. Studien deuten darauf hin, dass Pilates positive Auswirkungen auf die Schlafqualität, das emotionale Wohlbefinden und die Gleichgewichtsfunktion bei postmenopausalen Frauen haben kann. Die Methode fördert ein tiefes Körperbewusstsein und eine verbesserte Haltungskontrolle, was zu einer Reduzierung von Rückenschmerzen und einer gesteigerten Bewegungspräzision führen kann.

Funktionelles Krafttraining bietet ein breiteres Spektrum an physiologischen Anpassungen. Neben der Verbesserung von Koordination und Stabilität zielt es auf die Steigerung der Maximalkraft, Schnellkraft (Power), Muskelmasse und Knochendichte ab. Insbesondere für Frauen ab 40 ist die hohe Reizdichte des funktionellen Krafttrainings von entscheidender Bedeutung, um dem durch hormonelle Veränderungen bedingten Muskelabbau und dem erhöhten Osteoporoserisiko entgegenzuwirken. Das Training mit Gewichten und Widerständen stimuliert die Knochenbildung und hilft, die Knochenstruktur langfristig zu erhalten.

Unterschied 3: Trainingsaufbau und Reizsetzung

Das Training im Pilates basiert auf kontrollierten, gleichmäßigen Bewegungen, die oft in einem langsamen Tempo (Slow Tempo) ausgeführt werden. Dieser Ansatz schult die Konzentration, die Atemkontrolle und die Tiefenstabilität des Rumpfes. Pilates ist eine ausgezeichnete Grundlage für Anfänger, Personen mit körperlichen Einschränkungen oder als Ergänzung zu anderen Trainingsformen, um die Körperkontrolle zu verbessern.

Funktionelles Krafttraining hingegen integriert eine Vielzahl von Tempi und Belastungsmustern – von isometrischen (statischen) Halteübungen bis hin zu dynamischen, explosiven Bewegungen. Dieses Prinzip der Tempovariation löst umfassende Anpassungen im neuromuskulären System aus. Programme wie LIFTMOR haben gezeigt, dass gezieltes Krafttraining mit freien Gewichten bei postmenopausalen Frauen zu messbaren Verbesserungen der Knochendichte führen kann, selbst an kritischen Stellen wie der Lendenwirbelsäule. Die Vielfalt der Übungen stellt sicher, dass der Körper auf unterschiedliche Belastungen vorbereitet wird, wie sie im Alltag häufig vorkommen.

Weiterlesen >>  Eisenreiche Lebensmittel: So beugen Sie einem Mangel vor

Fazit: Kombination statt Konkurrenz

Sowohl Pilates als auch funktionelles Krafttraining haben ihren festen Platz in einem ganzheitlichen Gesundheits- und Fitnessprogramm. Pilates legt ein starkes Fundament aus Körperbewusstsein, Gleichgewicht und Bewegungspräzision. Darauf aufbauend stärkt funktionelles Krafttraining die körperliche Widerstandsfähigkeit, die Alltagsfitness und beugt dem Verlust von Muskelmasse und Knochendichte vor.

Für ein langfristig gesundes, bewegliches und starkes Leben ist die Kombination beider Trainingsansätze oft der effektivste Weg. Indem Sie Pilates und funktionelles Krafttraining aufeinander abstimmen und an Ihre individuelle Lebensphase sowie Ihre spezifischen Ziele anpassen, können Sie die jeweiligen Vorteile optimal nutzen und ein umfassendes Wohlbefinden erreichen.

Literaturverzeichnis

  • Aibar-Almazán, A., Martínez-Amat, A., Cruz-Díaz, D., De la Torre-Cruz, M., Añón, J. M., Achalandabaso-Ochoa, A., & Hita-Contreras, F. (2019). Effects of Pilates training on sleep quality, anxiety, depression and fatigue in postmenopausal women: A randomized controlled trial. Maturitas, 124, 62–67.
  • Collins, K. H., Hart, D. A., Reimer, R. A., Seerattan, R. A., & Herzog, W. (2019). Aging of the musculoskeletal system: How the loss of estrogen impacts muscle strength. Bone, 123, 137–144.
  • Daly, R. M., Gianoudis, J., & Bailey, C. A. (2019). Exercise for the prevention of osteoporosis in postmenopausal women: An evidence-based guide to the optimal prescription. Brazilian Journal of Physical Therapy, 23(2), 170–180.
  • Grindler, N. M., & Santoro, N. F. (2015). Menopause and exercise. Obstetrics and Gynecology Clinics, 42(4), 707–716.
  • Kemmler, W., von Stengel, S., Engelke, K., Häberle, L., & Kalender, W. A. (2016). Exercise effects on bone mineral density in older men: A randomized controlled trial. Osteoporosis International, 27, 3211–3220.
  • Kistler-Fischbacher, M., Weeks, B. K., & Beck, B. R. (2021). The effect of exercise intensity on bone in postmenopausal women (LIFTMOR trial): A 12-month randomized controlled trial. Bone, 143, 115696.
  • Sipilä, S., Narici, M., Kjaer, M., & Suominen, H. (2020). Effects of aging and physical activity on muscle and bone. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 30(1), 3–9.
Weiterlesen >>  Hautprobleme: Die häufigsten Leiden und ihre Ursachen