In den lebendigen Straßen Berlins begegnete ich kürzlich einem Getränk, das meine Neugier weckte: Fritz-Kola, entdeckt in einem Café eines Museums. Als Zero-Zucker-Variante und mit dem vertrauten Aussehen einer Cola entschied ich mich zum Probieren. Das schlichte Etikett ziert die Gesichter der beiden Gründer – Lorenz Hampl und Mirco Wolf Wiegert, Studienfreunde aus Hamburg, die 2003 die Initiative ergriffen. Die Geschichte hinter dieser besonderen Limonade ist eine faszinierende Erzählung über Unternehmergeist und den Mut, sich gegen etablierte Giganten zu behaupten.
Zurück im Courtyard Berlin Hotel fiel mir am Abend auf, dass die Hotel-Deli-Theke eine breite Auswahl an Fritz-Kola-Produkten anbot, während amerikanische Ketten wie diese sonst Coca-Cola- oder Pepsi-Produkte führen. Dies bestärkte meine Vermutung, dass hinter Fritz-Kola mehr steckt als nur ein einfaches Erfrischungsgetränk. Die Deutschen schätzen bekanntlich geschmackliche Vielfalt und innovative Kombinationen. Ein Beispiel hierfür ist das Mezzo Mix von Coca-Cola, eine Mischung aus Cola und Fanta. Fritz-Kola spielt ebenfalls mit geschmacklichen Fusionen und bietet Varianten wie die “Mischmasch”, eine Komposition aus Kola, Orange und Zitrone, oder eine “Kola-Kaffee-Limonade”. Darüber hinaus erweitert die Fritz-Schorle-Linie das Angebot mit spritzigem Apfel, Traube und Rhabarber. Die “Fritz-Limo”-Reihe lockt mit Geschmacksrichtungen wie Limette, Orangeade, Zitrone, Melone, Apfel, Kirsche und Holunderbeere. Diese Produktvielfalt unterstreicht den Anspruch von Fritz-Kola, ein breites Spektrum an Geschmäckern anzusprechen und sich deutlich von der Konkurrenz abzuheben.
Die Geburt einer Idee: Mehr Koffein, weniger Zucker
Die Ursprungsidee für Fritz-Kola entsprang einer typischen Studentensituation: schlechte Tiefkühlpizza und Colagetränke in einer Hamburger Studenten-WG. Lorenz Hampl und Mirco Wolf Wiegert hegte den Ehrgeiz, eine Cola zu kreieren, die sich von den Marktführern abhebt – mit weniger Zucker und mehr Koffein, verfeinert mit einer zitronigen Note. Trotz des stark umkämpften Marktes, der von Coke und Pepsi dominiert wurde, waren die beiden überzeugt, etwas Besseres entwickeln zu können. Ihre Vision war es, eine Limonade zu schaffen, die nicht nur erfrischt, sondern auch geschmacklich überzeugt und eine Alternative für bewusste Konsumenten darstellt.
Ohne Vorerfahrung in der Getränkeherstellung kontaktierten sie Brauereien, um Unterstützung zu erhalten. Nach zahlreichen Absagen fand sich schließlich eine Brauerei, die bereit war, das Wagnis einzugehen. Im Jahr 2003 begann der Verkauf von Fritz-Kola, zunächst mit dem Fokus auf Bars und unabhängige Delis, denen nicht verkaufte Ware in Pfandkisten zurückgegeben werden konnte. Dieser Ansatz minimierte das Anfangsrisiko und ermöglichte es den Gründern, ihre Produkte schrittweise im Markt zu etablieren.
Authentizität und Storytelling als Erfolgsfaktoren
Ein wesentlicher Grund für den Erfolg von Fritz-Kola liegt in seinem authentischen Charakter als handwerkliches, lokales Produkt, das sich bewusst vom industriellen Charakter der Massengetränke abgrenzt. Neben dem Geschmack und dem provokanten Namen mit “K” anstelle von “C” nutzt das Unternehmen gezielt “Storytelling” – die Kraft der Erzählung. Die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte wird als Alleinstellungsmerkmal eingesetzt, um eine emotionale Verbindung zum Konsumenten aufzubauen. “Der moderne Konsument ist hungrig nach Neuem”, so die Philosophie des Unternehmens. Langfristig strebt Fritz-Kola danach, die führende Erfrischungsgetränkemarke im Gastronomiebereich, insbesondere in Bars und Cafés, in ganz Europa zu werden. Diese klare Vision und die konsequente Ausrichtung auf Gastronomie und unabhängige Handelspartner haben maßgeblich zur Markenpositionierung beigetragen.
Im Jahr 2016 zog sich Hampl aus dem Unternehmen zurück. Heute ist Wiegert mit zwei Dritteln der Anteile der Hauptaktionär und leitet ein Unternehmen mit 280 Mitarbeitern und fünf Abfüllanlagen. Außerhalb Deutschlands wird Fritz-Kola bereits in Ländern wie den Niederlanden, Polen, Belgien und Österreich vertrieben. Im Jahr 2019 übertrafen die 330-ml-Flaschen von Fritz-Kola sämtliche Wettbewerber bis auf Coca-Cola. Zukünftige Expansionen sind in Frankreich und Spanien geplant. Die Geschichte von Fritz-Kola ist somit nicht nur eine Erfolgsgeschichte eines Getränks, sondern auch ein inspirierendes Beispiel dafür, wie zwei junge Männer mit einer klaren Vision und dem Mut, große Herausforderungen anzunehmen, die etablierte Getränkeindustrie aufmischen können.

