Fredi Bobic, geboren am 30. Oktober 1971 in Maribor, ist eine prägende Figur des deutschen Fußballs, sowohl auf dem Spielfeld als auch in der Führungsetage. Mit 285 Bundesligapartien für Vereine wie den VfB Stuttgart, Borussia Dortmund, Hannover 96 und Hertha BSC etablierte er sich als kraftvoller Stürmer. Seine beeindruckende Karriere wurde mit dem Europameistertitel 1996 gekrönt, und im selben Jahr wurde er Torschützenkönig der Bundesliga. Ergänzt wurde dies durch den Gewinn des DFB-Pokals 1997 und der Deutschen Meisterschaft 2002.
Nach seinem Karriereende 2006 beim kroatischen Klub HNK Rijeka vollzog Bobic den Wandel ins Fußballmanagement. Seine erste leitende Position im Management war die des CEO beim FC Chernomorets Burgas in Bulgarien. Im Jahr 2010 kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm die Position des Sportdirektors beim VfB Stuttgart, wo er später auch Mitglied des geschäftsführenden Vorstands wurde und maßgeblich an der Entwicklung des Kaders beteiligt war.
2016 wechselte Bobic als Vorstandsmitglied zur Eintracht Frankfurt. Seine Amtszeit war von zahlreichen Höhepunkten geprägt, darunter der Gewinn des DFB-Pokals 2018 und beachtliche Leistungen in der Europa League. Ein wichtiger Aspekt seiner Arbeit war die Förderung von Talenten und der Aufbau nachhaltiger sportlicher Strukturen.
Später war er als Vorstandsmitglied bei Hertha BSC tätig, auch wenn seine Zeit dort im Januar 2023 abrupt endete. Parallel dazu sammelte er von August 2022 bis Februar 2023 Erfahrungen in der Ligenverwaltung als Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Fußball Liga (DFL).
Im Jahr 2025 wagte Bobic einen neuen Schritt und übernahm die Leitung des Fußballbereichs bei Legia Warschau in Polen.
Bobic ist bekannt für sein Gespür für Talente, seine Verhandlungsgeschick und seine Fähigkeit, nachhaltige sportliche Strukturen aufzubauen. Seine Reise vom „magischen Stürmer“ zum hochrangigen Funktionär unterstreicht seine Leidenschaft für den Sport und seinen scharfen, strategischen Verstand.
Fredi Bobic im exklusiven Interview
Fredi, Sie wurden in Maribor, Slowenien, geboren und kamen schon in jungen Jahren nach Deutschland. Wie gestaltete sich dieser Übergang und wie sind Sie zum Fußball gekommen?
Meine Eltern lebten und arbeiteten bereits in Deutschland, daher fiel mir die Integration leicht. Fußball spielte schon in meiner Kindheit eine wichtige Rolle. Meine Freunde und ich spielten täglich auf Betonplätzen in unserer Nachbarschaft. Erst mit sieben Jahren traten wir einem Verein bei – das war eine gemeinsame Entscheidung.
Sie hatten eine erfolgreiche Spielerkarriere in der Bundesliga und im Ausland. Welche Phase hat Sie als Fußballer am meisten geprägt und warum?
Besonders in den 1990er Jahren durchlief der Fußball bereits tiefgreifende Veränderungen. Ich befand mich mitten im Generationenwechsel, als der Sport vielfältiger wurde und Bereiche wie Marketing, Merchandising und Entertainment an Bedeutung gewannen. Dieser lange Transformationsprozess faszinierte mich und machte diese Zeit sowohl als Spieler als auch als Mensch zu einer der spannendsten. Bereits in diesen Jahren entschied ich, eines Tages Vereinsfunktionär werden zu wollen. Der Wandel des Fußballs faszinierte mich.
Dieser lange Transformationsprozess faszinierte mich — und machte diese Zeit sowohl als Spieler als auch als Mensch zu einer der spannendsten.
Sie gehörten zum Kader der deutschen Europameistermannschaft von 1996. Wie hat diese Erfahrung Ihre Denkweise und Führungsqualitäten im späteren Fußballmanagement beeinflusst?
Als junger Spieler habe ich enorm viel vom Titelgewinn in England gelernt. Unser Motto war: „Der Star ist das Team.“ Jeder hat entsprechend gehandelt – auf und neben dem Platz. Die Energie, alles dem Team und einem gemeinsamen Ziel unterzuordnen, war außergewöhnlich. Dieses Gefühl verbindet uns bis heute, und wir pflegen engen Kontakt.
Als Führungskraft ist es mir heute wichtig, alle mitzunehmen. Alleine kann man etwas erreichen – aber die größten Erfolge erzielt man nur gemeinsam.
Alleine kann man etwas erreichen – aber die größten Erfolge erzielt man nur gemeinsam.
Beim VfB Stuttgart waren Sie Teil des berühmten „Magischen Dreiecks“. Wie hat diese Partnerschaft Ihre Entwicklung auf und neben dem Platz beeinflusst?
Wenn Menschen sich fast „blind“ verstehen, einander vertrauen und loyal sind, können Dinge wie das „Magische Dreieck“ mit Élber und Balakov geschehen – es war eine besondere Zeit in Stuttgart. Auch in meinen aktuellen Funktionen sind die Menschen um mich herum, die sportliche Werte und Ziele teilen, entscheidend. Ich hatte das Glück, mit vielen herausragenden Spielern und später herausragenden Mitarbeitern zusammenzuarbeiten, die alle an einem Strang zogen.
Ihre Zeit bei Eintracht Frankfurt gilt als einer Ihrer größten Erfolge als Funktionär, gekrönt vom DFB-Pokalsieg 2018. Welche Schlüsselentscheidungen oder Strategien machten dieses Projekt so erfolgreich?
Meine Philosophie ist es, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ich kann von Spielern, Trainern und Mitarbeitern nur alles verlangen, wenn ich auch von mir selbst alles verlange. Der Fortschritt im Scouting mit Ben Manga, die Entwicklung in der Analyse und Forschung mit Sebastian Zelichowski, die Evolution der medizinischen Abteilung mit Bruno Hübner und die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat waren entscheidend. Die strategische Ausrichtung war wichtig.
Und das gegenseitige Vertrauen mit beiden Cheftrainern – Niko Kovač und später Adi Hütter – hob uns auf ein neues Niveau. Es war eine kollektive Teamleistung, die ich mitgestalten durfte.
Sie hatten Führungspositionen in Stuttgart, Frankfurt und Hertha BSC inne. Wie würden Sie Ihre Philosophie als Sportdirektor beschreiben und wie hat sie sich entwickelt?
Mein Ziel ist es immer, die Schlüsselpersonen in einem Team zu befähigen, selbstständig Entscheidungen zu treffen und effektiv auf Veränderungen zu reagieren. Personalmanagement und die schnelle Problemlösung, um die Ziele weiterzuverfolgen, müssen stets im Kern der Verantwortung eines Managers stehen.
Der moderne Fußball legt großen Wert auf Daten, Scouting-Netzwerke und langfristige Kaderplanung. Welche Bereiche sind Ihrer Meinung nach heute für Vereine am kritischsten?
Daten sind heute ein äußerst wichtiges Werkzeug im Scouting. Jeder Verein muss entscheiden, welche Datenpunkte für seine Strategie relevant sind. Daten sind sehr hilfreich bei der Identifizierung von Spielern, aber eines darf man nie vergessen: das Gespräch mit dem Spieler.
Sein Verhalten, sein Charakter, seine Mentalität und ob er ins Team passt – das können Daten nicht messen. Die richtige Balance zwischen beiden Ansätzen führt zu den richtigen Entscheidungen. Kurz- und mittelfristige Kaderplanung ist absolut unerlässlich. Die Auswahl der richtigen Spieler ist entscheidend.
Im nächsten Jahr findet die Weltmeisterschaft in den USA statt. Während Ihrer Zeit bei Eintracht Frankfurt eröffneten Sie ein Büro in New York. Wie sehen Sie die Entwicklung des Fußballs in den USA und könnten Sie sich einen Schritt in die MLS vorstellen?
Ich reise seit 30 Jahren in die USA, besuche viele MLS-Clubs, Universitäten und auch Teams aus anderen großen Sportarten wie der NFL, NBA und NHL. Die Einblicke in deren Datennutzung, medizinische Strukturen und athletische Entwicklung haben mir immer geholfen, Ideen in meinen eigenen Vereinen umzusetzen. Natürlich kann ich mir vorstellen, eines Tages in dieser wachsenden Liga zu arbeiten. 2015 hatte ich sehr intensive Gespräche mit den Philadelphia Union und auch in den letzten Jahren bin ich mit anderen Vereinen in Kontakt geblieben. Man weiß nie, was die Zukunft bringt – ich lasse die Dinge immer auf mich zukommen. Die globale Fußballwelt hat mich schon immer fasziniert. Ein Engagement in der MLS wäre denkbar.

