Kiel, eine Stadt, die maritimes Flair und grüne Oasen auf einzigartige Weise vereint, beherbergt einen Ort, der Geschichte, Natur und Erholung auf bemerkenswerte Weise verbindet: die Forstbaumschule. Zwischen Feldstraße, Niemannsweg, Schlieffenallee und Kösterallee erstreckt sich dieser beliebte Park, der seit Generationen Kieler und Besucher gleichermaßen anzieht. Was heute als idyllischer Rückzugsort mit einem renommierten Restaurant dient, blickt auf eine faszinierende Vergangenheit zurück, die eng mit der Entwicklung der Forstwirtschaft und der Gartenkultur in Schleswig-Holstein verbunden ist. Die Ursprünge dieses grünen Juwels liegen tatsächlich in einer königlichen Lehranstalt für Forstwissenschaften.
Die Gründung der königlichen Forstlehranstalt in Kiel – Ein Meilenstein für die Forstwirtschaft
Im späten 18. Jahrhundert sah sich der dänische Staat, zu dem auch Schleswig-Holstein gehörte, mit wachsenden Sorgen um seinen Waldbestand konfrontiert. Holzeinschlag für Heizmaterial, Bauholz und die Nutzung als Waldweide für Nutztiere hatten die Wälder stark dezimiert. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung von Holz war die Erhaltung und Verbesserung des Waldbestandes eine dringende Notwendigkeit.
Diese Erkenntnis führte 1785, auf Anregung des dänischen Staatsministers Graf C. D. F. Reventlow, zur Gründung der Kieler Forstlehranstalt. Zuvor hatte eine einheitliche Forstverwaltung für die Herzogtümer Schleswig und Holstein eine umfassende Neuordnung des Forstwesens etabliert, die auf den Erhalt des Bestandes und die Aufforstung von Ödland und Heide setzte. Die Ausbildung von Fachkräften wurde somit zur zentralen Aufgabe.
Parallel zu diesem praktischen Erfordernis entwickelte sich im Zuge der Aufklärung ein neues Naturverständnis. Die strengen Formen barocker Gärten wichen dem Ideal des englischen Landschaftsgartens mit seiner natürlichen, frei gewachsenen Ästhetik. Die Pflege und Kultivierung solcher Gärten erforderte fundiertes Wissen, was die Notwendigkeit einer gezielten Schulung des Forstpersonals weiter unterstrich.
Die Gründung der Forstlehranstalt war eng mit der Errichtung eines Jägerkorps verbunden. Der Militärdienst diente als wichtige Grundlage für die forstwirtschaftliche Ausbildung, indem er die angehenden Forstleute auf Geländeerfassung und Patrouillengänge vorbereitete. Unterrichtsräume und die Forstbibliothek fanden zunächst im Kieler Schloss Platz. Die angehenden Forstleute erhielten eine umfassende Ausbildung in Fächern wie Arithmetik, Geometrie, Trigonometrie, Kartenzeichnen und Feldmessen. Die wissenschaftliche Leitung oblag Kieler Professoren, während die militärische Ausbildung dem Kieler Stadtkommandanten unterstand. August Christian Heinrich Niemann, ein junger Privatdozent für Kameralwissenschaften und späterer Professor, leitete die Forstlehranstalt und war für die Lehre in Waldnaturlehre und Holzzucht zuständig. Zu seinen Ehren wurde später der Niemannsweg benannt, und ein Gedenkstein in der heutigen Forstbaumschule erinnert an ihn.
Von der Praxis in der Baumschule zum englischen Landschaftspark
Um die theoretischen Kenntnisse praktisch zu vertiefen, wurde 1788 im Gehege Düvelsbek eine Forstbaumschule angelegt. Diese diente der anschaulichen Vermittlung forstwirtschaftlicher Praktiken und bot den Eleven die Möglichkeit, praktische Übungen durchzuführen.
Die Baumschule, ursprünglich auf einem Hektar Fläche gelegen und zuvor der Schweinemast dienend, wurde vom Jägerkorps eigenständig vermessen, kartiert und 1805 auf 2,5 Hektar erweitert. Ein durchdachtes Wegesystem gliederte das Gelände in verschiedene Bereiche wie Samenschule, Pflanzschule und Versetzungsquartiere. Neben heimischen Gehölzen wuchsen hier auch Sträucher, Alleebäume und Zierbäume, darunter viele exotische Arten. Im Jahr 1855 beherbergte die Baumschule rund 500 Baumarten. Die Erzeugnisse wurden zunächst an königliche Gehege geliefert und ab 1809 auch an Privatpersonen verkauft. Die Eleven waren mit vielfältigen Pflegemaßnahmen betraut, wie Säen, Pflanzen und Schneiden. In Tagebüchern wurden detaillierte Naturbeobachtungen und Witterungsberichte festgehalten.
Ein faszinierender Einblick in die damalige Forstbaumschule gibt der Bericht des Hamburger Arztes Dr. Diedrich Nicolaus Schrader aus dem Jahr 1828. Er beschreibt einen “schönen Park von in- und ausländischen Bäumen”, mit von den Eleven betreuten Abteilungen, einem Auditorium, das mit Hirschgeweihen und ausgestopften Vögeln dekoriert war, sowie Tafeln mit Informationen zur Blütezeit und Pflanzensystemen. Schrader erwähnt die beeindruckende Vielfalt an Bäumen, darunter Tulpenbäume und Lederranken, und die herrlichen Ausblicke, die nach umliegenden Ortschaften benannt waren.
Das erste Forstexamen fand 1794 statt, das letzte 1833. Insgesamt besuchten 300 Eleven die Anstalt. Georg Volquardts, Vorsitzender der Forstwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft, betonte anlässlich der Enthüllung eines Gedenksteines für Professor Niemann im Jahr 2002, dass Kiel die Geburtsstätte der Forstwirtschaft für Schleswig-Holstein und den skandinavischen Raum gewesen sei.
Nach der Verlegung der Forstlehranstalt nach Kopenhagen im Jahr 1833 drohte die Schließung der Baumschule. Doch engagierte Persönlichkeiten wie der Baumschulverwalter Ehlers und Forst- und Jägermeister v. Warnstedt setzten sich für deren Erhalt ein. Sie betonten den unschätzbaren Wert und die “Zierde des Vaterlandes” sowie die internationale Bekanntheit der Baumschule. Die königliche Rentekammer gab daraufhin ihre Verkaufspläne auf. Bis 1867 bestand die Forstbaumschule als öffentliche Handelsbaumschule mit freiem Zutritt für jedermann.
Mit der preußischen Annexion Schleswig-Holsteins im Jahr 1867 ging die Forstbaumschule in den Besitz der Stadt Kiel über, die sich zur Erhaltung des Geländes verpflichtete. Nach einer Verpachtung an Gärtner bis 1898 wurde der Baumschulbetrieb eingestellt. Die Stadt verwandelte die Fläche von 3,5 Hektar in einen öffentlichen Landschaftspark nach englischem Vorbild, der Wald- und Strauchflächen, Solitärbäume und weitläufige Rasenflächen umfasste. Ein Großteil des alten und seltenen Baumbestandes blieb erhalten und wurde unter Naturschutz gestellt. Das ursprüngliche geradlinige Wegesystem wich einem geschwungenen Design. In den 1950er Jahren wurde der Park durch den Erwerb und die Einbeziehung angrenzender Privatgrundstücke auf die heutige Größe von 12,5 Hektar erweitert. Seit 1980 ist die Forstbaumschule, zusammen mit dem Diederichsenpark und dem Düsternbrooker Gehölz, als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.
Die traditionsreiche Gaststätte Forstbaumschule – Ein Ort der Begegnung und Erholung
Die Geschichte der Gastronomie in der Forstbaumschule reicht bis in die Zeit des Jägerkorps zurück. Ein Wachhaus, das 1816 erneuert und 1836 erweitert wurde, diente als Dienstwohnung des Forstbaumschulverwalters und entwickelte sich zu einem kleinen gastronomischen Betrieb, der “gegen billige Vergütung schöne Milch und auch Theewasser” anbot. Bis 1898 wuchs dieses bescheidene Lokal zu einem stattlichen Restaurant mit Garten, Wirtschaftsgebäuden und einem Bierkeller heran. Es wurde zum Schauplatz zahlreicher studentischer Feste, Gildenversammlungen und Kindergeburtstage, zu denen eigens eine Kutschlinie vom Kieler Markt verkehrte.
Das alte Wachhaus wurde 1904/05 durch einen Neubau im Stil eines schleswig-holsteinischen Bauernhauses ersetzt, der bis heute erhalten ist und unter Denkmalschutz steht. Im Inneren sind die ursprüngliche Raumdekoration, Balkendecken, Bodenfliesen sowie Wandmalereien und Schnitzarbeiten erhalten geblieben. Der damalige Pächter kündigte die Eröffnung seines neuen Lokals im September 1905 an und pries die “behaglichen, in dem Charakter bäuerlicher Kunst ausgestatteten Räume” sowie die Veranda mit Terrasse, die Platz für rund 1000 Personen boten.
1911 wurden die Veranden verglast und 1926 ein Musikpavillon im Biergarten errichtet. Die Forstbaumschule erlebte in den folgenden Jahrzehnten eine Blütezeit mit Maskenbällen, Modenschauen und Gartenkonzerten. Selbst während des Krieges blieb das Ausflugslokal geöffnet, auch wenn es 1944 durch Luftangriffe beschädigt wurde und als Evakuierungsauffangstation diente.
Ab den 1950er Jahren erlebte die Forstbaumschule als beliebtes Ausflugslokal eine Renaissance, mit zahlreichen Veranstaltungen und vor allem gut besuchten Tanzabenden bei Live-Musik. In den 1970er Jahren schien das Lokal jedoch etwas an Anziehungskraft zu verlieren, da Diskotheken und andere Freizeitaktivitäten populärer wurden. Die Forstbaumschule diente fortan vorwiegend geschlossenen Gesellschaften. Seit 1984 ist der öffentliche Gastronomiebetrieb wieder aufgenommen worden. Die Forstbaumschule ist ganzjährig geöffnet, bietet gutbürgerliche Küche und sonntägliche Dämmerschoppen mit Live-Musik. Sie ist damit wieder zu einem beliebten Ausflugsziel für alle Kielerinnen und Kieler geworden, insbesondere in den Sommermonaten.
Autorin: Christa Geckeler
Quelle: Kieler Erinnerungstage: 1898 | Die Forstbaumschule wird öffentlicher Park, 01. August 2008

