Berlin steht vor einem bedeutenden Schritt zur Stärkung des kommunalen Wohnungsbestands. Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften HOWOGE, degewo und berlinovo haben den Ankauf von rund 14.750 Wohnungen sowie etwa 450 Gewerbeeinheiten von Vonovia SE und Deutsche Wohnen SE erfolgreich abgeschlossen. Mit einem Kaufpreis von rund 2,46 Milliarden Euro wird der kommunale Wohnungsmarkt gestärkt und die Versorgung der Berlinerinnen und Berliner mit bezahlbarem Wohnraum weiter vorangetrieben. Dieses strategische Vorgehen unterstreicht das Engagement der Stadt für soziale Stadtentwicklung und die Sicherung von Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten.
Der Umfang des Ankaufs und die Bewertungsgrundlagen
Ursprünglich boten Vonovia und Deutsche Wohnen etwa 20.000 Wohnungen zum Verkauf an. Nach eingehender Prüfung des Portfolios und unter Berücksichtigung eines sozialorientierten Bewirtschaftungskonzepts wurden 14.750 Wohnungen ausgewählt. Der vereinbarte Kaufpreis basiert auf dem Ertragswert, der den Zustand der Immobilien sowie den notwendigen Investitionsbedarf für Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt. Auch potenzielle Schadstoffbelastungen wurden in die Bewertung einbezogen. Die Kalkulation stützte sich auf externe Gutachten, Vor-Ort-Begehungen und eine sorgfältige Due Diligence, die wirtschaftliche, rechtliche und technische Risiken umfasste. Transaktionskosten wie die Grunderwerbsteuer wurden ebenfalls einkalkuliert.
Finanzierung und Verteilung der Wohnungsbestände
Die Finanzierung des Ankaufs erfolgt eigenständig durch die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften mittels Fremdkapital, ohne Belastung des Berliner Landeshaushalts. Die HOWOGE übernimmt mit knapp 8.300 Wohnungen die größte Anteilsmenge, gefolgt von berlinovo mit über 4.000 Wohnungen und degewo mit mehr als 2.400 Wohnungen. Diese Verteilung ermöglicht es den Gesellschaften, ihren Auftrag zur Wohnraumversorgung umfassend zu erfüllen. Die erworbenen Wohnungen sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt, wobei ganze Siedlungen wie das Falkenhagener Feld in Spandau, die Thermometersiedlung in Lichterfelde und die High-Deck-Siedlung in Neukölln bevorzugt erworben wurden, aber auch kleinere Bestände sind Teil des Portfolios.
Die Aufteilung der Wohnungsbestände nach Bezirken stellt sich wie folgt dar: Steglitz-Zehlendorf (2.464), Spandau (3.408), Reinickendorf (1.751), Pankow (194), Neukölln (2.009), Friedrichshain-Kreuzberg (1.566), Lichtenberg (1.088), Treptow-Köpenick (215), Charlottenburg-Wilmersdorf (168), Tempelhof-Schöneberg (155), Mitte (519) und Marzahn-Hellersdorf (1.217).
Politische und wirtschaftliche Bedeutung des Ankaufs
Finanzsenator Dr. Matthias Kollatz betont die Bedeutung des Ankaufs für ein “soziales Berlin”. Mit der Rückführung in kommunale Hand wird die Sicherheit für Mieterinnen und Mieter gewährleistet, dass ihre Wohnungen dauerhaft preisgünstig bleiben, insbesondere bei Beständen, deren Sozialbindung bald ausläuft. Dies sichert bezahlbaren Wohnraum und gibt dem Land mehr Einfluss auf die Mietspiegelentwicklung. Die drei landeseigenen Gesellschaften gelten als kerngesund und sind in der Lage, den Ankauf wirtschaftlich erfolgreich zu bewältigen, ohne die Neubauziele zu gefährden.
Ulrich Schiller, Geschäftsführer der HOWOGE, hebt hervor, dass der Erwerb die kommunale Position stärkt und den gesellschaftlichen Auftrag erfüllt. Das Portfolio passe gut zur Wachstumsstrategie der HOWOGE, bis 2030 über 80.000 Wohnungen zu besitzen. Insbesondere die Übernahme von rund 3.000 Wohnungen, deren Sozialbindung bald endet, sei eine gute Nachricht für die Mieter.
Silke Andresen-Kienz, Geschäftsführerin der berlinovo, sieht in dem Ankauf eine signifikante Erweiterung des Wohnungsbestands und die Möglichkeit, zusätzlichen preiswerten Wohnraum anzubieten. Das Portfolio ergänze vorhandene Schwerpunktstandorte und sei wirtschaftlich tragfähig, ohne die Ziele in der Bestandsentwicklung und Neugeschäftstätigkeit zu beeinträchtigen.
Christoph Beck, Vorstandsmitglied der degewo, unterstreicht, dass der Ankauf bezahlbare Mieten und einen umfassenden Kundenservice ermöglicht. Das ist ein öffentlicher Auftrag, der auch die soziale und ökologische Entwicklung der Quartiere einschließt.
Bekenntnisse der verkaufenden Unternehmen
Michael Zahn, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Wohnen, unterstützt mit dem Verkauf die Erweiterung des landeseigenen Bestands und betont die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Wohnungswirtschaft, Politik und Verwaltung. Die Deutsche Wohnen bleibt mit über 100.000 Wohnungen ein engagierter Teil der Stadtgesellschaft und setzt auf bezahlbaren Wohnraum, Klimaschutz und Neubau.
Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender von Vonovia, sieht im Verkauf die Erfüllung einer zentralen Zusage an den Berliner Senat. Vonovia bleibt ein verlässlicher Partner und trägt zur Lösung am Berliner Wohnungsmarkt bei. Das Unternehmen hält an seinen Zusagen fest, Mieterhöhungen bis 2026 zu begrenzen und 13.000 neue Wohnungen zu bauen, um bezahlbaren und klimafreundlichen Wohnraum zu schaffen.
Ausblick und Zielerreichung
Die Leitlinien der Regierungspolitik sehen eine Erhöhung des kommunalen Wohnungsbestands auf 400.000 Wohnungen bis 2025 vor. Mit dem aktuellen Ankauf ist das Land Berlin diesem Ziel deutlich nähergekommen. Insgesamt wurden in der laufenden Wahlperiode bereits rund 41.150 Wohnungen erworben, wodurch sich der Bestand der landeseigenen Gesellschaften und der berlinovo auf etwa 370.000 erhöht. Der “Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen”, der auch die Begrenzung von Mietsteigerungen und Investitionen in Modernisierung und Neubau vorsieht, wird durch diese Transaktion weiter gestärkt.

