Blutwerte: Ein umfassender Leitfaden zur Interpretation

Die Analyse von Blutwerten ist ein Eckpfeiler der modernen medizinischen Diagnostik und hilft Ärzten, den Gesundheitszustand eines Patienten zu beurteilen, Krankheiten zu erkennen, Mangelerscheinungen aufzudecken und den Verlauf von Behandlungen zu überwachen. Diese Routineuntersuchung liefert entscheidende Einblicke in die komplexen Prozesse, die in unserem Körper ablaufen. Von der Diagnose über die Überwachung bis hin zur Prävention – das Verständnis der Blutwerte ist unerlässlich für die Erhaltung unserer Gesundheit.

Die Bedeutung der Blutanalyse

Eine Laboranalyse von Blutwerten ist eine der wichtigsten Methoden zur Diagnose des Gesundheitszustandes eines Patienten. Sie ermöglicht es Ärzten, Abweichungen von Normalwerten zu erkennen, die auf Krankheiten, Mangelerscheinungen oder andere gesundheitliche Probleme hinweisen können. Blutwerte können auch Aufschluss über die Wirksamkeit von Therapien geben und sind oft ein wichtiger Bestandteil von Vorsorgeuntersuchungen wie dem regelmäßigen Gesundheitscheck, der gesetzlich Versicherten ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre zusteht. Auch vor Operationen sind Blutuntersuchungen unerlässlich, um Risiken zu minimieren und Vorerkrankungen auszuschließen.

Das kleine und das große Blutbild

Bei einer Blutuntersuchung werden verschiedene Werte bestimmt, die in sogenannten Blutbildern zusammengefasst werden. Man unterscheidet zwischen dem kleinen und dem großen Blutbild.

Das kleine Blutbild

Das kleine Blutbild umfasst die Bestimmung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten). Zusätzlich werden Hämoglobin und Hämatokrit gemessen. Ein kleines Blutbild wird häufig vor Operationen, bei Verdacht auf Infektionen oder bei anhaltenden, unspezifischen Beschwerden durchgeführt, da es erste Hinweise auf Infektionen oder Entzündungen geben kann.

Das große Blutbild (Differentialblutbild)

Das große Blutbild, auch Differentialblutbild genannt, geht über die Bestimmung der Gesamtanzahl der Leukozyten hinaus. Es analysiert detailliert die verschiedenen Unterarten der weißen Blutkörperchen: neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten. Diese Differenzierung ist wichtig, da die einzelnen Zelltypen spezifische Funktionen im Immunsystem haben. Granulozyten spielen beispielsweise eine Rolle bei der Abwehr von bakteriellen Infektionen, während Lymphozyten für die Immunantwort auf Viren und die zelluläre Immunität von Bedeutung sind. Veränderungen in den Verhältnissen dieser Zellen können auf eine Vielzahl von Erkrankungen hinweisen, von Infektionen über Autoimmunerkrankungen bis hin zu Krebserkrankungen.

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Blutwerte-Tabelle: Normwerte und Abkürzungen

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über gängige Blutwerte, ihre Abkürzungen und die jeweiligen Normwerte für Frauen und Männer. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Werte je nach Labor und individuellen Faktoren leicht variieren können.

Blutwert (Abkürzung)Normwert (Frauen)Normwert (Männer)
Albumin (ALB)35 – 53 g (bis 60 Jahre)35 – 53 g (bis 60 Jahre)
Antithrombin (AT)Aktivität: 80 – 130 %; Konz.: 0,19 – 0,31Aktivität: 80 – 130 %; Konz.: 0,19 – 0,31
Bilirubin (BIL)0,1 – 1,2 mg / dl0,1 – 1,2 mg / dl
Blutkörperchen Rot (Erythrozyten)3,8 – 5,2 Mio. / μl4,4 – 5,9 Mio. / μl
Blutkörperchen Weiß (Leukozyten)4.300 – 10.000 / μl4.300 – 10.000 / μl
Blutplättchen (Thrombozyten)150.000 – 450.000 / μl150.000 – 450.000 / μl
Blut.senk.geschw. (BSG)≤ 20 mm (bis 50 Jahre)≤ 15 mm (bis 50 Jahre)
Calcitonin (CT)2 – 10 pg / ml (ng/l)2 – 48 pg / ml (ng/l)
Carcino-embryonales Antigen (CEA)1,5 – 5,0 μg / l1,5 – 5,0 μg / l
Chlorid (CHL)95 – 105 mmol / l95 – 105 mmol / l
Cholesterin (gesamt)≤ 160 mg≤ 160 mg
LDL Cholesterin160 mg160 mg
HDL Cholesterin40 – 60 mg / dl40 – 60 mg / dl
C-reaktives Protein (CRP)bis 8,2 mg / l (< 5 mg / l)bis 8,2 mg / l (< 5 mg / l)
C3-Komplement (C3)0,82 – 1,60 g / l0,82 – 1,60 g / l
C4-Komplement (C4)0,16 – 0,46 g / l0,16 – 0,46 g / l
Eisen (FE)4,1 – 24 μmol / l6,3 – 30,1 μmol / l
Eiweiß Gesamt (EW)66 – 83 g66 – 83 g
Ferritin (FERR)9 – 140 μg / l (20 – 60 Jahre)18 – 360 μg / l (20 – 60 Jahre)
Fibrinogen (FBG)1,8 – 3,5 g / l1,8 – 3,5 g / l
Folsäure (FOLS)2,5 – 9,1 μg / l2,5 – 9,1 μg / l
Follikelstim. Hormon (FSH)2 – 20 IU / l (vor WJ)1 – 7 IU / l
Gamma-GT (GGT)bis 40 U / lbis 40 U / l
Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT)bis 31 U / lbis 35 U / l
Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT)bis 34 U / lbis 45 U / l
Hämatokrit (HKT)35 – 47 Vol.-%40 – 52 Vol.-%
Hämoglobin (HB)11,7 – 15,7 g / dl13,3 – 17,7 g / dl
Harnsäure (HS)2,3 – 6,1 mg / dl3,6 – 8,2 mg / dl
Harnstoff (BUN)17 – 43 mg / dl17 – 43 mg / dl
HbA1c5,4 – 7,5 %5,4 – 7,5 %
International Normalized Ratio (INR)0,85 – 1,150,85 – 1,15
Kalium (K)3,5 – 5,1 mmol / l3,5 – 5,1 mmol / l
Kalzium (Ca)8,6 – 10,3 mg / dl8,6 – 10,3 mg / dl
Kreatinin (KREA)0,56 – 0,91 mg / dl0,64 – 1,05 mg / dl
Lipoprotein (LPA)bis 300 mg / lbis 300 mg / l
Magnesium (Mg)0,77 – 1,03 mmol/l0,73 – 1,06 mmol/l
Mean Corpuscular Haemoglobin (MCH)26 – 34 pg / Zelle27 – 34 pg / Zelle
Mean Corpuscular Haemoglobin Concentration (MCHC)31,4 – 35,8 g / dl31,5 – 36,3 g / dl
Mean Corpuscular volume (MCV)81 – 100 fl81 – 100 fl
Natrium (Na)135 – 145 mmol / l135 – 145 mmol / l
Nüchternblutzucker (NBZ)≤ 100 mg / dl≤ 100 mg / dl
Part. Thromboplastinzeit (PTT)26 – 36 Sekunden26 – 36 Sekunden
Phosphat (PHOS)0,84 – 1,45 mmol0,84 – 1,45 mmol
Prostataspezifisches Antigen (PSA)T-PSA ≤ 3 – 4 ng/ml
Plasmathrombinzeit (PTZ)16 – 24 Sekunden16 – 24 Sekunden
Red Cell Distribution Width (RDW)15 %15 %
Renin (ARQ)5,0 – 40 pg / ml5,0 – 40 pg / ml
Retikulozyten (RETR)2,3 ± 1,2 %2,3 ± 1,2 %
Rheumafaktoren (RF)bis 20 kU / lbis 20 kU / l
Saure Phosphatase (PAP)4,8 – 13,5 U / l4,8 – 13,5 U / l
Thyroxin (T4)56 – 123 μg / l56 – 123 μg / l
Trijodthyronin (T3)0,78 – 1,82 μg / l0,78 – 1,82 μg / l
Triglyzeride (TRIG)≤ 150 mg / dl≤ 150 mg / dl
Transferrin gesamt (TF)2,0 – 3,6 g / l2,0 – 3,6 g / l
Thyreoidea stimulierendes Hormon (TSH)0,4 – 4,0 mIU / l0,4 – 4,0 mIU / l
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Wichtige Blutwerte im Detail

Erythrozyten (rote Blutkörperchen)

Die Erythrozyten sind für den Sauerstofftransport im Körper verantwortlich. Ihre Produktion findet im Knochenmark statt, und ihre Lebensdauer beträgt maximal 120 Tage. Ein Mangel an roten Blutkörperchen, bekannt als Anämie, kann durch Eisenmangel, Vitaminmangel, Knochenmarkserkrankungen, Blutungen oder chronische Krankheiten verursacht werden.

Leukozyten (weiße Blutkörperchen)

Leukozyten sind entscheidend für die Immunabwehr. Sie bekämpfen Infektionen und Fremdkörper. Ein niedriger Leukozytenwert (Leukozytopenie) kann auf Infektionen, Blutkrankheiten, Krebs oder Knochenmarkschäden hinweisen. Eine Erhöhung (Leukozytose) ist oft ein Zeichen für eine Infektion oder Entzündung.

Thrombozyten (Blutplättchen)

Thrombozyten spielen eine Schlüsselrolle bei der Blutstillung und Wundheilung. Sie verklumpen an verletzten Gefäßstellen und initiieren die Blutgerinnung. Eine verminderte Anzahl (Thrombozytopenie) kann zu Blutungsneigungen führen, während eine erhöhte Anzahl (Thrombozytose) auf Entzündungen oder Tumoren hindeuten kann.

Entzündungswerte (CRP)

Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein Akute-Phase-Protein, das bei Entzündungen, Infektionen und Gewebeschäden ansteigt. Ein erhöhter CRP-Wert ist ein wichtiger Indikator für entzündliche Prozesse im Körper.

Leberwerte (GPT, GOT, Gamma-GT, AP)

Die Bestimmung von Leberwerten wie GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase), GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase), Gamma-GT (Gamma-Glutamyltransferase) und AP (Alkalische Phosphatase) gibt Aufschluss über die Funktion und den Zustand der Leber. Erhöhte Werte können auf Leberentzündungen, Fettleber, Leberzirrhose, Gallestau oder sogar Leberkrebs hinweisen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass einige dieser Werte auch bei Erkrankungen anderer Organe oder durch Medikamenteneinnahme erhöht sein können.

Nierenwerte (Kreatinin, GFR)

Kreatinin ist ein Abfallprodukt des Muskelstoffwechsels, das über die Nieren ausgeschieden wird. Ein erhöhter Kreatininwert im Blut deutet auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin. Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) gibt an, wie gut die Nieren das Blut filtern. Eine chronische Nierenschwäche wird in fünf Stadien anhand der GFR eingeteilt.

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Schilddrüsenwerte (TSH, T3, T4)

Die Schilddrüsenhormone TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) regulieren den Energiestoffwechsel und die Körpertemperatur. Eine Untersuchung dieser Werte ist entscheidend für die Diagnose von Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion. TSH wird von der Hirnanhangdrüse produziert und steuert die Produktion von T3 und T4.

Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyceride)

Blutfette wie Cholesterin und Triglyceride sind wichtig für den Körper, können aber in erhöhten Mengen gesundheitsschädlich sein. Ein hoher Cholesterinspiegel oder erhöhte Triglyceride können das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Ursachen für erhöhte Blutfettwerte sind oft eine ungesunde Lebensweise, aber auch Erkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion.

Weitere Blutwerte

Neben den oben genannten gibt es eine Vielzahl weiterer Blutwerte, die je nach Verdacht und Fragestellung bestimmt werden können. Dazu gehören Blutzuckerspiegel zur Diagnose von Diabetes, Elektrolyte, Vitamine und spezifische Marker für verschiedene Krankheiten.

Die Analyse von Blutwerten ist ein komplexer, aber unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Diagnostik. Sie liefert wertvolle Informationen, die Ärzten helfen, fundierte Entscheidungen über Diagnose, Behandlung und Prävention zu treffen, und trägt somit maßgeblich zur Verbesserung der Patientengesundheit bei.